Samstag, 25. August 2012

Was willst du?

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Mykola starrte völlig überrascht auf Lelya, welche seelenruhig an einem Tisch Platz nahm und zwei Kaffee bestellte. "Willst du da jetzt dumm rumstehen?", blaffte sie ihn an. Mykola setzte sich zögerlich zu ihr. Er hatte jetzt eigentlich in ihrer Wohnung sein wollen und dort mit Maria und ihr reden wollen. Stattdessen war sie herausgekommen, hatte ihn überrumpelt und war mit ihm zügigen Schrittes und schweigsam zu diesem kleinen Bistro gegangen. Irgendwie war das einfach nicht mehr die Frau, welche er aus Kiew kannte.

Lelya hatte ihre Mühe sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. Aber jetzt wo sie seine Unsicherheit zu spüren begann, gab ihr das neue Kraft. Endlich setzte Mykola sich auch und wollte gerade anfangen zu reden, als die Bedienung auch schon den Kaffee brachte. Er klappte den Mund wieder zu und wartete, bis die junge Frau verschwunden war. "Also? Was willst du hier?", gab Lelya sich gelassen. Sie sah Mykola nicht einmal in die Augen sondern konzentrierte sich darauf den Zucker in ihre Tasse zu rühren.

"Wir sind doch eine Familie.", begann Mykola seine einstudierte Rede. Doch Lelya unterbrach ihn schon nach diesem Satz mit einem verächtlichen Lachen. "Familie? Dass ich nicht lache. Wir sind eine Familie und du bist du. Aber wage es nicht, dich dazu zu zählen." Er starrte sie mit offenem Mund an. Lelya hatte fertig gerührt und führte die Tasse nun an den Mund und starrte ihn über den Tassenrand hinweg feindselig an. Wer war diese Frau? Das letzte mal, dass er Lelya getroffen hatte, war als er von außen gegen die Tür der neuen Wohnung gehämmert hatte. Damals hatte er von drinnen ihr Schluchzen hören können.

Und auch vorher war stets er es gewesen, der das Sagen gehabt hatte. Zu jedem Zeitpunkt war es kein Problem für ihn gewesen, seine Frau mit ein paar Worten oder Notfalls einer Ohrfeige einzuschüchtern und seinen Willen zu bekommen. Doch diese Zeiten schienen vorbei zu sein. "Es geht euch gut hier?", fragte er nun versöhnlich und widmete sich nun auch seinem Kaffee. "Es geht uns hervorragend. Ich habe eine gut bezahlte Arbeit, Maria ist gut in der Schule, Lukas lebt mit Anna zusammen und auch für die Beiden ist alles in bester Ordnung. Und Nadja wohnt hier bei ihrem Verlobten.", erklärte Lelya. Es war ein gutes Gefühl ihm das so unter die Nase zu reiben.

"Ihr habt euch völlig zerstreut.", konstatierte Mykola. "Zerstreut? Lukas ist 20 und Nadja wird in ein paar Wochen 18. Es ist völlig normal, dass sie nicht mehr bei ihrer Mutter leben. Das Einzige, was hier alle zerstreut bist du! Was willst du hier? Wir kommen hervorragend ohne dich zurecht.", legte sie direkt nach. Mykola sah sie weiterhin verdutzt an. "Ich will wieder dazu gehören.", seufzte er leise.

Kommentare:

  1. Gerade kommen mir einige Gedanken. Es ist verblüffend, dass wir einfach annehmen, er will etwas von seiner Tochter, weil er sie sucht. Zum einen hat er seine Familie mehrfach belogen und hintergangen. Warum glauben wir ihm nun diesen einfachen Satz "Ich suche meine Tochter!" ? Wer sagt denn, dass er nicht einfach von zuhause weg will oder muss und seine Familie aus hervorragende ausrede benutzt, eben weil er davon ausgeht, dass man diesen rührenden Satz nicht so verlogen benutzt?
    Was also will er wirklich? Wieder dazu gehören? Wer soll ihm das denn glauben?

    Lelya macht es goldrichtig. Sie setzt ihm sofort Grenzen und zeigt ihm, dass hier ein anderer Wind weht. Mir gefällt auch, dass ihn das verunsichert. Aber er bleibt bei seinem Plan, leise zu sein, ruhig und eher auf der bittenden Seite. Auch von ihm ist das richtig, zumal er ja etwas erreichen will und nun erstmal heraus finden muss, wie der Hase in diesem Land läuft.

    Es bleibt spannend, wie er sich das "wieder dazu gehören" hier vorstellt. Lelya geht arbeiten und er bleibt zuhause und stellt fest, dass er hier seine bösartige Energie genauso gut ausleben kann? Er kann doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass Lelya ihn zurücknimmt? Er hat ja nicht einmal gefragt, ob sie alleine lebt oder eine neue Beziehung hat!

    Ich bin sehr gespannt, was passiert, wenn die Mädels ihre Eltern im Bistro finden *hibbel*

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  2. Er will dazu gehören? Ich denke, das hat er gründlich verspielt.
    Hat er das jetzt aber nur gesagt, weil Lelya sich so stark verändert hat, seit dem letzen Treffen und er nicht weiss wie er das finden soll und auch noch nicht mit umgehen kann? Oder meint er das wirklich ehrlich? Das wird schwer herauszufnden sein, weil er seine wahren Beweggründe sicherlich nicht so schnell enthüllen will.
    Es bleibt spannend. Auch spannend, wie die Kinder auf ihn reagieren und erst recht wie Lelya mit der Aussage umgeht. Vielleicht vermisst sie in ja auch, wer weiss.

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