Sonntag, 12. August 2012

Schlafen legen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Mykola war fix und fertig von seiner Wanderung. Einen Stadtplan von Seatl hatte er auf dem Schiff noch aufgetrieben, doch nun scheiterte er daran, in dieser Stadt vorwärts zu kommen. In Hamburg hatte es überall S-Bahnen gegeben, die einen schnell vom einen Ende zum anderen brachten. In Seattle gab es nichts dergleichen, zumindest nicht am Hafen. Unauffällige Wartehäuschen mit kryptischen Busfahrplänen waren zeugten davon, dass es wohl ein Netz von Bussen gab, doch dieses war in seinem Stadtplan nicht eingezeichnet und die ausgehängten Linienpläne konnte er nicht entziffern.

Hinzu kam, dass man ihm hier ungewohnt unfreundlich begegnete. Er hatte gedacht, sein Englisch wäre beim vielen Reden auf dem Schiff gar nicht mehr so schlecht. Doch scheinbar reichte es nicht ansatzweise um von den Amerikaner verstanden zu werden, und schon gar ncht um sie zu verstehen. So hatte er aufgegeben nach Tips zum Busfahren oder nach dem Weg zu fragen.
Dabei war eigentlich alles so gut losgegangen. Als er vom Schiff herunter gegangen war, hatte er ohne Probleme an der Hafenabfertigung ein Touristenvisum bekommen. Drei Monate durfte er damit bleiben, strenggenommen 90 Tage. Dann würde er das Land für mindestens 14 Tage wieder verlassen müssen. Es sei denn er konnte auf irgendeine Art ein Dauerbesuchsrecht oder gar eine Arbeitserlaubnis erhalten. So hatte man es ihm an der kleinen Zollstation erklärt. Der Mann dort hatte Rusisch gesprochen und außerdem konnte man die Visumsinformationen an einem Computer in so ungefähr jeder Sprache der Welt abrufen.

Doch danach war es rapide bergab gegangen. Er hatte einen der Busse erwischen wollen, mit dem die Passagiere des Schiffs zu Rundfahrten und Einkaufstouren in die Innenstadt gefahren wurden. Doch weil es mit seinem Visum länger gedauert hatte, waren die Busse ohne ihn abgefahren. Die Touristen hatten ihre Visa längst im beantragt gehabt, spätestens nachdem man in San Diego das erste Mal den Boen der USA btreten hatte. Doch da hatte er noch guter Laune die Tasche geschultert und war sicher, er würde schon einen Weg in die Stadt finden.

Auf dem Stadtplan sah es so nah aus, als wäre es ein Katzensprung bin in den Norden zu den Wohnvierteln, wo er hinwollte. Doch dabei musste er die gesamte Bucht umrunden und schon das Verlassen der Hafeninsel stellte sich zu Fuß als echte Schwierigkeit heraus. Und mit einer schweren Tasche auf dem Rücken gestalteten sich geschätzte 20 Kilometer als deutlich zu viel um es, am späten Nachmittag beginnend, noch in die Stadt zu schaffen.

Es war längst stockfinster, als er aufgab. Es war länger her, dass er ein Hotel gesehen hatte, dass er jetzt sogar bereit gewesen wäre, sich zu leisten. Auf dem Plan konnte er sehen, dass es eine 'Hostel' in etwa einem Kilometer Entfernung gab. Doch dafür reichte sein Enthusiasmus nun nicht mehr. Er hielt in einem kleinen Park an, der auf seinem Weg lag und suchte sich eine Bank. Sorgfältig band er mit einer Schnur seine Tasche an seinem Schuh fest, zog eine dünne Decke aus der Tasche und legte sich auf der Bank schlafen.

Kommentare:

  1. Penner auf einer Bank in Seattle? Wenn das mal gut geht :D
    Tja, die Dimensionen in einer amerikanischen Stadt sind wohl anders als erwartet. Und wieder einmal spurtet Mykola ohne Plan los. Das Leben wirds schon richten :)
    Ich bin gespannt, ob er einen ruhigen, entspannten Schlaf hat und morgen weiter marschieren kann. Oder ob eine Gang ihn aufmischt, ausraubt und gerade noch am Leben lässt. Schließlich ist das kein abgesperrter sicherheitsbereich mit Wachdienst. Wenigstens ist es warm. Und seine Tochter hat gerade nicht allzu weit von ihm entfernt ihren Spaß mit einem Millionär während die andere wohl artig in ihrem Bettchen liegt.

    AntwortenLöschen
  2. Sooo ein Pech aber auch, dass seine Glückssträhne nun reisst *grins*. Mich wundert ja nur ein bissl, wie einfach er in die USA einreisen konnte, wenn man die Sicherheitsbestimmungen bedenkt. Aber nun ist er in Seattle und beginnt mit der Suche. Ich denke aber, dass die Übernachtung auf der Parkbank keine gute Idee war, schnell wird er verhaftet oder kommt in einen heftigen Regenschauer :-).

    AntwortenLöschen

Bitte beim Kommentieren höflich bleiben. Es gibt hier die Möglichkeit Anonym zu kommentieren, aber denke bitte kurz nach ob du das wirklich möchtest. Unterzeichne deinen Kommentar doch mit einem Pseudonym oder deinen Initialen, dass man weiß, welche Kommentare alle von dir sind. Oder noch besser, du nutzt nicht die Auswahl "Anonym" sondern "Name/URL" und lässt das Feld für die URL einfach frei. Dann wird dein Kommentar mit deinem selbst gewählten Namen angezeigt.

Vielen Dank.