Freitag, 31. August 2012

Du hast nur ein Touristenvisum

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Lelya bereute inzwischen Mykola so viel Bühne eingeräumt zu haben. Vor allem hatte sie die Befürchtung, dass er erheblich zuviel Einfluss auf Maria ausgeübt hatte. Sie holte tief Luft und blickte ihn erneut besonders feindselig an. "Ich will dich hier nicht mehr haben! Wenn du es in Amerika schaffen willst, dann ohne uns! Wir sind geschieden. Du hast zu viele Dinge in der Vergangenheit gemacht, die ich dir nicht verzeihen kann und für die du dich auch heute noch nicht entschuldigt hast. Du drückst hier nur auf die Tränendrüse.

Das ist mir aber egal. Ich habe auch nicht auf die Tränendrüse gedrückt, als es mir schlecht ging. Sieh zu wie du klar kommst. Ich werde dir nicht helfen und ich will, dass du dich von den Kindern fernhälst. Notfalls setze ich das per Gerichtsbeschluss durch. Die einzige Hilfe die du von mir bekommen könntest wäre ein Rückflugticket nach Kiew." Nadja hatte einfach nur gelauscht und zwischendurch immer wieder genickt. "Genau!", setzte sie jetzt noch nach, "Keine Entschuldigung und ich weiß nicht mal, warum ich dir überhaupt glauben sollte, was du heute erzählt hast. Es ist mir aber auch egal. Du bist hier nicht mehr willkommen!", fauchte sie.

Lukas nickte ebenso. Er hatte schon ansetzen wollen, als Nadja ihm zuvor gekommen war: "Du hast dich früher nicht um uns gesorgt, jetzt sorgen wir uns nicht um dich. Wir haben uns ein neues Leben aufgebaut, in dem du keinen Platz mehr hast!"

Maria schaute etwas geknickt. Aber sie wagte jetzt auch nicht dagegen aufzubegehren. Lelya nahm ihre Hand, drückte sie sacht und strich ihr über die Haare. Dann erhob sie sich. "Wir gehen jetzt. Die Rechnung hier bezahle ich. Das wars! Kommt!", verlangte sie von den anderen. Auch Lukas, Nadja und Anna erhoben sich und folgten im Gänsemarsch aus dem Lokal. Lelya legte einige Scheine auf die Theke und nickte dem Kellner zu um anzudeuten, dass er den Rest behalten könne. Dann verließ auch sie das Lokal. Doch bevor die Tür zufiel vernahm sie noch einmal Mykolas Stimme.

Seit er die Absagen erhalten hatte, hatte er nichts mehr gesagt, sondern nur noch gequält geguckt. Doch jetzt erhob er seine Stimme, so dass es bis zur Tür schallte: "Ich würde an deiner Stelle nicht zum Gericht gehen.", meinte er mit fiesem Unterton und blickte jetzt mit schmalen Augen hinüber zu Lelya. Die konnte nicht anders, als sich noch einmal umzudrehen. Sie erschrak ein bisschen. Der Mann der eben noch so geknickt gewirkt hatte, sah auf einmal wieder gefährlich aus. Es war nicht die wilde Rage, in der er früher öfter auf sie losgegangen war. Es war ein kalkulierender Blick und er war sehr feindlich.

Schnell drehte sie sich wieder zurück und machte eine abweisende Handbewegung. "Wenn ich dich nochmal an der Wohnung sehe, rufe ich erst die Polizei und dann einen Anwalt an! Du hast nur ein Touristenvisum. Vergiss das mal nicht!", sagte sie ohne sich umzudrehen. Dann straffte sie sich wieder und trat zu den anderen hinaus auf die Straße.

Kommentare:

  1. Mykolas Heul-Arie kam nicht wie geplant an. Also kann er ja auch wieder die alte Drohmasche hervorholen, da er nichts weiter zu verlieren hat. Das sollte die Familie nicht schrecken, denn das kennt sie ja schon. Maria ist wahrscheinlich die Einzige, die ihren Vater nicht gut genug kennt.

    Unterschätzen würde ich ihn allerdings sicherheitshalber auch nicht. Was kann er meinen? Schon blöd, wenn man die Gesetze der USA nicht so gut kennt. Worauf will er hinaus? Auf Familienzusammenführung? Hat er ein Recht darauf, seine minderjährigen Kinder zu sehen? Sehr wahrscheinlich, aber was bringt ihm das?

    Zudem hat Lelya recht, er besitzt nur ein Touristenvisum. Wem würde man im Notfall mehr glauben? Einer ukrainischen Mitbürgerin, die sich perfekt integriert hat, im Wohlstand lebt und keinerlei Verbrechen begangen hat oder einem mittellosen Touri, den man schon nachts verbotenerweise auf der Parkbank gefunden hat?

    Ich bin froh, dass die erste Spannung abgefallen ist. Die war ja kaum auszuhalten. Aber wie geht es nun weiter?

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  2. Irgendwas hat er doch noch in der Hand, sonst würde er nicht so überheblich sein. Nur was? *grübel*.
    Es wäre gut zu wissen, ob die anderen mittlerweile einen amerikanischen Pass haben oder noch nicht. Nicht dass die anderen auch noch ausgewiesen werden könnten, wenn er Mist baut.
    Aber im Notfall haben Nadja und ihre Familie ja noch Joe und auch Thorsten. Die beiden werden schon alles regeln, falls es ungemütlich wird. Geld regiert die Welt^^.

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