Mittwoch, 15. August 2012

Süße, beeil dich!

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Mykola drehte sich immer wieder um. Schließlich aber war der tanzende Lichtkegel der Taschenlampe aus dem Sichtfeld verschwunden und er ließ sich wieder auf die nächste Bank fallen. Er hatte nicht vor dort zu schlafen. Dafür hatten die Polizisten sich zu deutlich ausgedrückt, dass es verboten wäre im Park zu schlafen. Aber er hatte nicht vor bis zu der angegebenen Adresse zu latschen, ohne vorher herauszufinden was die Worte bedeutet hatten.

Er zückte sein kleines Taschenwörterbuch und rief sich den Klang des Wortes ins Gedächtnis und überlegte, wie man das im Englischen wohl schreiben würde. Dann blätterte er im Wörterbuch und wurde schnell fündig. "Obdachlos?", lachte er in sich hinein, "Die halten mich für einen Obdachlosen. Naja - in gewisser Weise bin ich das ja auch." Dann klappte er das Wöterbuch wieder zu und steckte es weg. Allerdings hatte er nicht vor, der Aufforderung Folge zu leisten. Er würde garantiert nicht in einem Obdachlosenheim übernachten.

Wenn man also nicht im Freien schlafen durfte, musste ein neuer Plan her. Er sah auf seine Uhr. Es war gerade ein Uhr in der Früh. Noch jede Menge Zeit um zu schlafen, wenn man erst ein Bett gefunden hätte. Mühsam klappte er seinen Stadtplan auf und oriengierte sich noch einmal neu. Vielleicht gab es im Umkreis ja ein billiges Hotel zu dem man gelangen konnte?


Lelya stand an der Tür ihres Appartements und sah ungeduldig zu, wie ihre Tochter sich die Skates an die Füße schnallte. "Süße, beeil dich!", drängte sie inzwischen mit einem erheblich energischen Tonfall. Die allmorgendliche Trödelei ihrer Tochter auf dem Weg zur Schule ging ihr regelmäßig ziemlich auf den Keks. "Ich mach ja schon. Aber die müssen auch fest sitzen.", motzte Maria zurück und fing sich einen vernichtenden Blick ihrer Mutter ein. Das klingelnde Telefon zerriss diesen aufkeimenden Disput und Lelya nahm etwas verdutzt das Mobilteil aus der Ladestation und meldete sich.

"Guten Morgen, Misses Musarova. Bob Janeczyk hier. Wir haben uns neulich beim Elternabend getroffen. Ich war in meiner Polizeiuniform da." "Oh natürlich - Guten Morgen. Was kann ich für Sie tun?" Lelya scheuchte ihre Tochter mit wortlosen Gesten eilig aus der Tür, nicht ohne ihr noch einmal mit einem Blick den Unmut vermittelt zu haben, den die Verspätung verursacht hatte. Dann drückte Sie die Tür zu. "Ich möchte Sie etwas fragen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, sie leben ja ohne den Vater von Maria hier in Seattle, so hatte ich Sie jedenfalls bei unserm kurzen Gespräch verstanden." "Das ist richtig. Aber worauf wollen Sie hinaus?" "Nun, Ihr Nachname ist nun nicht gerade einer von denen, dieman häufig liest. Und gestern Abend habe ich ihn gelesen."

Völlig erstarrt saß Lelya auf dem Sofa. Das Telefon lag in ihrem Schoß. Erst hatte sie die Idee des Polizisten, er könnte ihrem Ex-Mann über den Weg gelaufen sein, als Spinnerei abgetan. Doch nachdem sie den Vornamen verglichen hatten und auch ein paar grobe Details zu seinem Aussehen, bestand kein Zweifel mehr. Mykola streunte durch Seattle. Plötzlich kam Bewegung in Lelya. Maria war nun allein da draußen. Panisch wählte sie das Handy ihrer Tochter an.

Kommentare:

  1. 1...2...3 Mykola kommt vorbei :D

    der neueste Horrofilm^^

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  2. Um Nadja mach ich mir weniger sorgen.
    Zu ihrem Haus kommt der Herr Vater nicht so einfach
    ;-) Das hatte Hillary schön demonstriert.
    Doch Mutter und kleine Schwester laufen eher Gefahr, dass er vor der Tür stehen könnte.
    Die Frage ist aber noch immer: Welche Tochter?
    Er sucht nur nach "seiner Tochter", nicht nach seiner Frau oder dem Sohn.
    Und was will er?
    Ganz gleich bei wem er auftaucht und egal was für eine Ausrede er hat, bei seiner Familie ist er auf keinen Fall erwünscht.
    *überleg* In wie weit war der Sohn über seinen Vater aufgeklärt?

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  3. Ich kann Lelyas Sorge absolut verstehen. Hat Mykola vielleicht draußen schon gestanden und die kleine Maria abgefangen? Was soll die Kleine schon groß tun, wenn Papa plötzlich vor ihr steht? Von ihrem Verhältnis zu ihrem Vater wissen wir leider nicht allzu viel. Allerdings vermute ich schon, dass sie ihrer Mutter genug Fragen gestellt hat und auch Antworten erhielt um ihn nicht besonders zu vermissen. Warum auch? Ihr geht es besser denn je in Seattle.

    Was aber, wenn Papa plötzlich vor ihr steht und alte Autorität, geprägt durch eine intensive Kindheit wieder greift? Auch ich habe einen gehörigen Schreck bekommen. Diesem Arsch traue ich alles zu und er wird es nicht beim Sehen aus der Entfernung belassen. Dafür hat er sicherlich nicht die ganzen Strapazen auf sich genommen.

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  4. Zum Glück ist Lelya nun vorgwarnt und kann Maria und auch Nadja warnen. Die beidn werden auch aus allen Wolken fallen und tierisch erschrocken sein. Bleibt die Frage, welche seiner Töchter er sucht und warum? Will er sie nur wiedersehen, einen auf heile Familie machen oder hat er gar für die gsuchte einen gutbetuchten Ehemann gefunden und will sie verheiraten? Der Hammer wäre natürlich, wenn er noch eine uneheliche Tochter hat, die rein zufällig auch in Seattle lebt^^. Fragen über Fragen, es bleibt spannend.

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