Donnerstag, 23. August 2012

Nach der Frühschicht

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Lukas legte sein Handy tagsüber in ein kleines Schließfach. In der Autowerkstatt wo er arbeitete, wurde es nicht gern gesehen, wenn man mit dem privaten Handy während der Arbeitszeit herumspielte. Aber er hatte ohnehin mehr als genug zu tun, da konnte er nicht auch noch Ablenkungen durch private Nachrichten brauchen. Wenn es etwas Wichtiges gäbe, konnte man in der Werkstatt anrufen und ihn so erreichen. Alles andere hatte auch Zeit bis nach Feierabend.

Heute hatte er Frühschicht gehabt und war schon um halb sieben in der Werktatt gewesen. So fand er Lelyas Nachricht am frühen Nachmittag, als er seine Arbeit beendete und den Arbeitsoverall in seinen Spind hängte und die privaten Sachen dort herausholte. Die Nachricht, dass sein Vater in der Stadt wäre, rief ihm die Zeiten ins Gedächtnis, bevor sie alle nach Seattle gezogen waren. Das alles schien so viel weiter weg zu sein als die 18 Monate die sie tatsächlich hier lebten.

Er hatte nie wirkliche Probleme mit seinem Vater gehabt. Aber ebensowenig hatte es ein ernsthaftes Verhältnis gegeben. Mykola hatte immer erst angefangen, sich für seine Kinder zu interessieren, wenn sie den Kindertagen entwachsen waren und man sich auf einer etwas erwachsenen Basis miteinander unterhalten konnte. Bei Lukas war er früh daran gescheitert ihn für einen Beruf in der Fabrik wo er selbst arbeitete zu begeistern. Schon damals wollte Lukas lieber in einer kleinen Werkstatt arbeiten.

Nach ein paar Versuchen, den halbwüchsigen Lukas mit zur Arbeit zu nehmen, die allesamt in Streit endeten hatte Mykola damals aufgegeben und seinem Sohn kaum noch aufrichtiges Interesse geschenkt, sondern sich der Planung von Nadjas Zukunft verschrieben, welche ja bekanntermaßen damit geendet hatte, dass Nadja die Familie verlassen hatte. Und bevor er Marias Zukunft ebenfalls in seine ungeschickten Hände nehmen konnte hatte sich Mutter zum einen scheiden lassen und zum anderen hatten sie Kiew, und damit auch Mykola, für immer den Rücken gekehrt.

Lukas biss sich nervös auf die Unterlippe. Dass Mykola nun in Seattle sein sollte, kam ihm völlig unwirklich vor. Gerne hätte er ihm gezeigt, wie gut er es nun hatte. Er bewohnte mit seiner Freundin Anna eine hübsche zwei-Zimmer-Wohnung in einem etwas älteren Appartemnkomplex und hatte einen gute bezahlten Job in einer Autowerkstatt. Es kam so viel Geld dabei rum, dass es dafür reichte, Anna auf ein Community-College zu schicken, wo sie eine Ausbildung zur Erzieherin machte. Wenn sie damit erst ferig wäre, würden sie ein wirklich gutes Leben führen können. Das alles wollte er ihm so gern unter die Nase reiben.

Doch wie sollte es danach weitergehen? Wo würde Mykola dann hingehen? Würde er ab jetzt ständig hier auftauchen?

"Alles okay?", fragte sein Kollege von der Frühschicht, der nun ebenfalls in den Umkleideraum kam und sah, wie er dort saß und auf sein Handy starrte. "Jaja. Alles okay.", log Lukas und schob das Handy in die Hosentasche. Dann band er sich de Schuhe zu, verabschiedete sich vom Kollegen und setzte sich in sein Auto. Hier atmete er noch einige Male tief durch. Dieser Typ war aus seinem Leben gestrichen, wie konnte er es wagen hier einfach wieder aufzutauchen?

Kommentare:

  1. Das ist eine berechtigte Frage! Entweder et ist einfach unglaublich dreist oder er ist einfach dreist und als dritte Möglichkeit hätte ich noch, dass er einfach dreist ist...
    Allerdings kann er eh machen was er will. Wäre er nie nach Seattle gekommen hätte ich ihn feige genannten :-)

    Und was macht Lukas Nun? Hinfahren? Das wäre schön denn dann wäre gleich die ganze Familie zusammen. Je mehr desto besser. Da kann er auch gleich mal sehen wie eine intakte Familie funktioniert. "das hättest du auch haben können Depp!"

    LG Kay

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  2. Lukas kann Stolz auf das sein, was er in der kurzen Zeit in Seattle erreicht hat. Kein Wunder, dass er das gerne seinem Vater zeigen möchte: "Schau her, auch ohne Dich habe ich was geschafft". Die Beziehung der Beiden war ja wohl nicht ganz so gut, umso größer ist dann der Triumph.
    Mykola wird sich bestmmt schwarz ärgern, wenn er erfährt, wie gut es seiner Familie nun, ohne ihn, geht. Aber selber schuld^^.

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