Dienstag, 28. August 2012

Neu anfangen?

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Lelya warf ihrer jüngeren Tochter einen etwas vorwurfsvollen Blick zu. Schließlich war die Anweisung unmissverständlich gewesen. Sie hatte in der Wohnung bleiben sollen und genau nicht an dieser Gesprächsrunde teilnehmen. Aber es war ihr auch bewusst, dass der Ungehorsam vermutlich auf das Konto von Nadjas Anwesenheit ging. Die Mädchen waren noch nicht ganz am Tisch, als Mykola bereits aufstand und auf die beiden Zuging. "Nadja, Maria...", ließ er nur hinaus und es war deutlich zu hören, wie beeindruckt er war.

"Hallo!", sagte Nadja und sandte mit jedem Blick kleine Blitze an ihn. Mykola hielt dem nicht stand und beugte sich zu Maria herunter. "Mein Kind, geht es dir gut?", fragte er sanft. Maria drückte sich kurz eng an Nadja und sah verzweifelt zu ihrer Mutter. "Ja. Alles gut.", ließ sie vorsichtig hinaus. Lelya seufzte und ließ sich wieder auf ihren Stuhl fallen. "Na kommt, setzt euch.", forderte sie dann. Nadja nickte. "Hallo Mama." Demonstrativ gab sie ihr einen Kuss auf die Wange und drückte sie kurz an sich.

"Was willst du hier?", wollte jetzt auch Nadja wissen, kaum, dass alle am Tisch saßen. Noch bevor Lelya etwas sagen konnte, war Mykola schon dabei: "Ich möchte, dass wir wieder eine Familie werden.", verkündete er. Doch von Nadja erntete er den gleichen wütenden Blick als Antwort gepaart mit dem bösen Lachen, dass er auch von Lelya erhalten hatte. Es war allerdings nicht zu übersehen, dass über Marias Gesicht ein leichtes Lächeln huschte. Der Gedanke wieder in einer vollständigen Familie zu leben und einen Vater zu haben, war sehr verführerisch. Und konnte es nicht sein, dass ihr Vater sich geändert hatte und hier in Seattle nicht mehr so streng und böse sein würde.

"Die Chance hast du verspielt.", fauchte Nadja ihren Vater an, "Du hättest darauf hören sollen, als ich sagte ich will Ivan nicht heiraten. Du hättest darauf hören sollen, als ich es nochmal gesagt habe, nachdem ich fast ein halbes Jahr weg war. Auch hättest du Mama den Unterhalt nicht streichen sollen! Und das sind nur die Sachen, die mir spontan einfallen!" Mykola seufzte vernehmlich und nickte. "Das wäre wohl besser gewesen.", gab er zu. Dann wandte er sich sehr deutlich an Maria und griff nach ihrer Hand. "Wir können doch vielleicht noch einmal neu anfangen?" Maria sah prüfend zu ihrer Mutter, doch es war ihrem Gesicht schon zu entnehmen, dass sie nicken wollte. Mykola triumphierte innerlich.


Lukas stellte sein Auto in eine Parkverbotszone. Er hatte keine Lust für die Parkplatzsuche noch mehr Zeit zu verplempern. "Ist mir egal, wenn wir ein Ticket bekommen.", kommentierte er Annas vorwurfsvollen Blick. Sie verstand die Aufregung nicht so recht. Dennoch war sie natürlich mitgekommen. "Da vorn ist es.", meinte sie dann beim Aussteigen, aber Lukas war schon ein paar Meter voraus gerannt. Anna trottete ein wenig kopfschüttelnd hinter ihm her.

Kommentare:

  1. Das habe ich befürchtet. Maria ist die Schwachstelle, die ohne es zu wollen ihrer Familie in den Rücken fallen kann.
    Das ist ihr nicht einmal zu verübeln. Sie hatte keine schlechten Erfahrungen mit Papa und hat sehr vieles nur am Rande mitbekommen ohne es zu verstehen. In dem Drang, das Nesthäkchen zu schützen haben Mutter und Geschwister ihr vieles nicht erzählt und das rächt sich nun.
    Allerdings sind Teenies in diesem Alter ja nicht dumm. Zwar noch in vielem egoistisch hoch zehn, aber nicht dumm. Maria spürt ja, dass hier tiefe Feindseligkeiten herrschen, die sie nicht versteht. Sie ist wohl einfach nur unvorbereitet und mit der Situation überfordert.

    Mykola gibt zwar zu, dass er vielleicht einiges hätte anders machen sollen, aber eine Entschuldigung ist das wahrlich nicht! Glaubt er tatsächlich, mit diesem Verhalten Nadja auf seine Seite ziehen zu können? Und glaubt er außerdem wirklich, dass es genügt, Maria auf seine Seite zu ziehen? Im Notfall wird sie einfach überstimmt und hat sich mit der Situation abzufinden. Mykola ist gerade im Begriff, die Familie wieder gegeneinander auszuspielen und in zwei Parteien splitten zu wollen. Glaubt er wirklich, damit zu punkten? Kapiert der eigentlich auch mal, dass er es sich damit erst recht verspielt?

    Gott, ich hoffe ja wirklich auf Lukas, dass der auf den Tisch haut und seinem Vater klar macht, dass er das Feld zu räumen hat.

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  2. Nadja hat völlig recht. Er hat seine Chance gründlich verspielt, aber Maria wird wirklich das schwächste Glied der Famlie sein und sich am ehesten wieder auf ihren Vater einlassen. Ihre Erinnerungen werden wohl noch die besten sein und siewird auch viel von dem damaligen Stress vergessen haben.

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