Donnerstag, 16. August 2012

Ich weiß, wo er ist

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Bleib einfach wo du bist! Versteck dich in irgeneinem Hauseingang. Ich hole dich gleich ab und bringe dich zur Schule!", beharrte Lelya. "Warum machst du denn so einen Wind? Was ist los? Ist ein Tiger aus dem Zoo ausgebüchst? Wenn das so ist, dann macht das nix. Hier sind eine Menge fettere und langsamere Menschen als ich." Marias Stimme klang übermütig und Lelya konnte hören,wie der Fahrtwind am Mikrofon vorbei strich und ein heftiges Rauschen erzeugte. "Bitte! Es ist wichtig.", mahnte Lelya während sie mit dme Telefon in der Wohnung hin und her lief und ihren Kram fürs Büro ungeordnet in die Tasche warf.

Endlich hörte das Rauschen auf und Maria war offensichtlich stehengeblieben. "Wo bist du? Ich bin in zwei Minuten da und sammle dich ein." "Drei Blocks weit. Ich stehe vor dem Kino.", erklärte Maria etwas pampig. "Ich bin gleich da. Ich erkläre dir im Auto was los ist." Dann legte Lelya auf. Sie warf noch einen kurzen Blick in die Aktentasche, ob sie alles hatte. Dann flitzte sie in die Tiefgarage des Appartementhauses und ließ wenig später den Wagen über die Straße rollen und hielt Ausschau nach ihrer Tochter.

Glücklich entdeckte sie Maria im Eingang des Kinos und hielt am Straßenrand. Mit schmollendem Gesicht und den Skates noch an den Füßen ließ die Kleine sich auf den Beifahrersitz fallen. Normalerweise waren Skates im Auto für eine einseitige Diskussion gut. Doch Lelya war nicht danach. Erleichtert drückte sie Maria an sich. "Jetzt sag mir endlich was los ist. Du schaust mich ja an als wäre ich eben dem Tode entronnen. Ist es nun ein Tiger oder ist ein Supervirus ausgebrochen? Was soll das?", maulte Maria etwas versöhnlicher. Die Sorge ihrer Muter war offensichtlich echt.

"Ich rufe jetzt Nadja an und warne sie auch. Hör einfach zu.", erklärte Lelya und steckte ihr Telefon in die vorgesehene Halterung in der Mittelkonsole. Mit ein paar kurzen Tastendrücken wählte sie Nadja an. "Guten Morgen Mama.", war wenig später eine überraschte Nadja zu hören. "Morgen, mein Schatz. Bist du grad allein? Hör mir gut zu." "Ja, ich sitze im Auto auf dem Weg zur Schule. Was ist denn passiert?"

"Papa ist in der Stadt!", ließ Lelya nun die Bombe platzen und konnte das erschreckte Einatmen ihrer beiden Töchter hören. "Das kann doch nicht wahr sein. Woher willst du das wissen?", fand Nadja als Erste ihre Sprache wieder. "Er ist gestern Abend einer Polizeistreife in die Arme gelaufen. Er hat im University Park auf einer Bank geschlafen. Sie haben ihn ins Obdachlosenasyl geschickt. Aber der eine Polizist hat eine Tochter in Marias Klasse. Als sie ihn kontrolliert haben, ist ihm sein Name aufgefallen und er hat mich heute Morgen angerufen. Wir haben uns kurz ausgetauscht. Kein Zweifel, er ist es."

"Ich glaube, ich weiß, wo er ist!", rief Maria nun aus. Lelya sah kurz zum Beifahrersitz. "Was?" "Ich bin an im vorbeigefahren. Aber es ging so schnell. Ich hatte gerade richtig Tempo drauf und er war ein paar Meter neben mir. Er kam gerade um die Ecke. Ich habe noch gedacht: 'Der sieht ja aus wie Papa', aber sonst nicht drauf geachtet. Das muss er gewesen sein."

Lelya stoppte den Wagen und wendete. Nadja hatte noch die eindringliche Warnung bekommen, gut auf sich aufzupassen. Doch sie war sich ziemlich sicher, dass Nadja wenig passieren konnte. Auf dem Schulgelände konnte man sich nicht so einfach herumdrücken. Dort fiel man Lehrern oder Schülern auf und wurde recht schnell bekannt. Ansonsten saß Nadja im Auto, wo er nicht an sie herankam, und auch ans Haus von Joe würde er wohl kaum so einfach vorgelassen. Lelya hatte noch Lukas, ihren Sohn anrufen wollen, doch jetzt wollte sie sich erst mal von Maria zeigen lassen, wo sie glaubte ihn gesehen zu haben. Wobei sie keine Ahnung hatte, was sie tun sollte, wenn sie ihn gefunden hatten.

Kommentare:

  1. Wenn Mykola bei Maria um die Ecke gebogen ist, dann hat er auch überhaupt kein Interesse an Nadja, sondern an seiner kleinen Tochter. Lelya hat erstklassig reagiert und Gott sei Dank hat Maria auch brav befolgt, was Mama verlangt hat.

    Offensichtlich sind beide Töchter nicht gerade begeistert von der plötzlichen Anwesenheit ihres Vaters. Freude habe ich zumindest nicht herausgelesen. Ob Nadja ihren Joe informiert? Grant wird da wenig helfen, der ist ja nicht auf Familienrecht getrimmt.
    Aber sich mit Lelya anzulegen ist auch nicht ohne. Sie dürfte neues Selbstbewusstsein aufgebaut haben, denn sie meistert ihr Leben alleine, ist unabhängig und hat bewiesen, dass sie Maria auch ganz alleine aufziehen kann. Eine solche Frau zu reizen, indem man ihr Kind "bedroht", könnte durchaus gefährlich sein.
    Los, Lelya! Mach ihn fertig! Zerreiß ihn in der Luft und wirf die Einzelteile in den Müll, wo sie hingehören :-) Ich bin ganz bei dir!

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  2. Wenn er sich in der Nähe von Lelyas Haus rumtriebt, wird er offensichtlich also Maria suchen. ER hat vielleicht echt einen heiratswilligen, reichen Kerl für sie an Land gezogen und will sie für die Mitgift "verkaufen". Nur gut, dass Maria in den USA durch Nadja und grade durch Joe weniger Angt vor ihrem "netten" Papa haben muss.
    Nur warum sucht Lelya jetzt ihren Ex? Was hat sie vor? Vielleicht kann er ja auch die Ampeln nicht verstehen und läuft uabsichtlich vor ein Auto, vielleicht sogar vor Lelyas^^.

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