Donnerstag, 12. Mai 2011

Noctambule II: Rückblick - Belagert

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule Band Zwei. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule II

In der Stadt summte es wie in einem Bienenstock. Vor den Mauern der Stadt wurden weiträumig alle Bäume gefällt und in der Stadt aufgeschichtet, um zu verhindern, dass die Belagerer Katapulte und Rammböcke bauen konnten.
Das Holz konnte man später noch immer gut zum Feuern oder Wiederaufbau verwenden. Brunnen, die von einem kleinen, unterirdischen Fluss gespeist wurden, der vor der Stadt noch an der Oberfläche war, wurden zum Verschließen vorbereitet, damit die Bewohner kein vergiftetes Wasser zu sich nahmen.

Große, eigens für diesen Zweck reservierte Flächen wurden für das Vieh eingezäunt, wenn man es nicht mehr vor die Stadt auf die saftigen Wiesen bringen konnte und die Gräben vor den Mauern wurden vertieft und mit Salzwasser geflutet, sodass die Belagerer sie nicht so einfach mit Erdreich und Holz auffüllen konnten, um sie zu überwinden.

Die Schläge der Schmiede hallten durch die Gassen, denn Unmengen von Speer- und Pfeilspitzen mussten hergestellt werden, Armbrüste und Rüstungen brauchten Aufbesserungen. Frauen und Kinder sammelten Harz und stellten damit zahllose Fackeln her, junge Männer wurden abkommandiert, um in Öl getränkte Bündel für die Katapulte anzufertigen, mit denen man dem Feind Feuer unter dem Hintern machen wollte, alte Männer und Frauen mussten Kalkgeschosse herstellen, die zu Verätzungen und Erblindung führen konnten.
Die Berichte über die nahenden Mongolen wurden immer düsterer. Obwohl jeder wusste, wie unzuverlässig und oft maßlos übertrieben die Berichte sein konnten, waberten die Gerüchte von tausenden und abertausenden von Feinden durch die Stadt wie kalter Nebel.
Die Passagierschiffe, die nun ablegten, waren überfüllt mit Flüchtlingen, die der Belagerung noch auszuweichen versuchten und hofften, dass auf dem Meer keine Mongolen oder Piraten lauerten.
Armand und Sergej hatten lange überlegt, ob sie die Stadt wie so viele andere noch rechtzeitig verlassen sollten. Doch um effektiv den Kämpfen aus dem Weg zu gehen, hätten sie die beiden Mädchen hier lassen müssen.
Zudem hatten weder Armand noch Sergej Lust dazu, ihr gerade eben neu aufgebautes, sesshaftes Dasein wieder zu beenden. Also schwiegen sie über die angedachten Pläne und nutzten die Hektik im Hafenbereich aus, um dort zu jagen.
Schließlich kam der Tag, an dem die Mongolen nah genug waren, um die Staubwolken ihrer Truppen zu erkennen. Noch wenige Stunden zuvor hetzten die letzten Reisenden panisch auf die Stadt zu und baten um Aufnahme.
Von ihnen stammten die Berichte über schreckliche Fratzen auf Pferden und Elefanten, von fürchterlichen Waffen in einem wahren Meer aus Soldaten. In dieser Nacht starrten die Bewohner über die Ebene nach Norden und sahen das Lichtermeer der Fackeln, noch weit entfernt und doch so groß, dass die Angst ihnen die Luft abschnürte.
Schließlich verstummte die Stadt, als das stetige, gleichförmige Trommeln erklang, das über viele Wochen nicht mehr aufhören und die belagerte Stadt zermürben sollte.

Siti und Ebru waren nach Hause geeilt, als die Trommeln erklangen, und in die Arme ihrer Herren geflohen, die schon auf sie warteten. Die Straßen waren schlagartig leer und still, Fensterläden wurden geschlossen, Türen verriegelt und letzte Hammerschläge schlossen die Brunnen. Dann legte sich Stille über die Stadt. Wahrscheinlich waren Sergej und Armand die Einzigen, die gelassen und in normaler Lautstärke sprachen.
"Kein Grund zur Sorge. Erst einmal wird es Verhandlungen geben und der Stadtrat wird sich nicht beugen. Das dauert einige Tage. In dieser Zeit werden Bäume und Baumaterial herangeschafft, wenn sie nicht sogar schon mitgebracht worden sind. Aber bauen müssen sie trotzdem noch. Sie können ja nicht einfach durch die Tore marschieren. Ihr müsst überhaupt keine Angst haben." beruhigten die Freunde ihre Mädchen und warfen sich schon abenteuerfreudige Blicke zu.

Während die Stadt ihre Fackeln anzündete und die Bewohner sich für die erste, unruhige Nacht in der Belagerung in ihre Betten legten, verließen Armand und Sergej fröhlich das Haus. Da sie die Lage ihres Hauses absichtlich am Rand der Stadt gewählt hatten, waren sie der massiven Stadtmauer umso näher. Und gemäß ihrer Eigenart, stets Fluchtmöglichkeiten im Hinterkopf zu haben, hatten sie natürlich auch die Mauer nach Stellen abgesucht, die für Menschen schwer, für sie aber leicht zu erklimmen waren.
Die breite Mauer hatte natürlich oben einen Gang und Zinnen, auf denen Soldaten ihre Patrouille schoben. Aber gerade in der ersten Nacht war die Aufmerksamkeit der Soldaten mehr auf die Feinde vor den Toren gerichtet und die Anspannung so enorm, dass man lieber in Gruppen stand und beratschlagte. Niemand rechnete damit, dass von der "falschen" Seite jemand hoch kommen wollte und das auch noch ohne Leitern, Enterhaken oder ähnliche Kletterhilfen.
Sergej als der Wendigere von Beiden übernahm die Führung, nachdem sie die Stelle erreicht hatten. Hier bildete die Mauer eine Ecke, in die man einen Turm gebaut hatte. Es schien mit Abstand der älteste Teil des Stadtwalls zu sein, denn einige sehr dicke Weinstränge rankten die Wand hinauf und boten einem geschickten Vampir gleich mehrere Sprung- und Kletterhilfen.
Bei Sergejs schnellen Sprüngen raschelte der gerade im Frühling treibende Wein nicht einmal. Direkt unter dem Sims angekommen verharrte er lauschend.
Die beiden Gänge der Mauer trafen von rechts und links auf den Turm und man konnte diesen Turm nur über eine schmale Balustrade umrunden, die breit genug für einen Mann war. Schließlich war der Turm nicht dafür gedacht, hier die Aussicht zu genießen sondern bot beiden Seiten der Mauer einen Zugang und erleichterte den Wachwechsel, der aber offensichtlich nicht anstand.
Armand folgte seinem Freund und beide zogen sich in den Schatten des Turms zurück, um die Situation zu prüfen. Während die eine Seite der Mauer völlig leer war, standen auf der anderen drei Soldaten und deuteten gestikulierend nach draußen. Sofort schoben sich die Freunde auf die ungefährliche Seite und blickten hinunter.
Als die Beiden sich ansahen, waren sie froh, dass Ebru und Siti die Situation nicht sehen konnten und atmeten tief durch.


Kommentare:

  1. Jetzt bin ich gespannt, inwieweit die beiden die Geschicke des Krieges lenken werden.

    Übrigens sehr schön, wie du die Belagerungsvorbereitungen beschreibst. Städte haben teilweise Jahrelange Belagerungen überstanden. Nicht zuletzt Troia.

    Aber interessant ist die Frage, wie eine Stadt mit Hafen sich verteidigen lässt. Die Hafeneinfahrt ist immer ein Tor. :)

    Gruß
    Joe

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  2. hm lecker frisches mongolen blut...literweise :P

    ich glaub den beiden ist doch die welt um sie herum egal, also mir wäre sie das wenn ich ein vampir wäre...die menschen mögen ein eh nicht und die paar die mich mögen ok auf die kann man ja aufpassen, also folglich ebru und siti...aber die anderen naja was solls :) ... so is der gang der zeit...mal gewinnt man mal verliert man

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  3. Jetzt bin ich gespannt, inwieweit die beiden die Geschicke des Krieges lenken werden.

    Übrigens sehr schön, wie du die Belagerungsvorbereitungen beschreibst. Städte haben teilweise Jahrelange Belagerungen überstanden. Nicht zuletzt Troia.

    Aber interessant ist die Frage, wie eine Stadt mit Hafen sich verteidigen lässt. Die Hafeneinfahrt ist immer ein Tor. :)

    Gruß
    Joe

    (Kommentar wiederhergestellt durch Blogadmin - Originalkommentar vom 12.11.05 - 09:07)

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  4. hm lecker frisches mongolen blut...literweise :P

    ich glaub den beiden ist doch die welt um sie herum egal, also mir wäre sie das wenn ich ein vampir wäre...die menschen mögen ein eh nicht und die paar die mich mögen ok auf die kann man ja aufpassen, also folglich ebru und siti...aber die anderen naja was solls :) ... so is der gang der zeit...mal gewinnt man mal verliert man

    (Kommentar wiederhergestellt durch Blogadmin - Originalkommentar vom 12.11.05 - 13:08)

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