Donnerstag, 26. Mai 2011

Du bist doof

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Drei Mal fiel Nadja an diesem Tag mit ihrer Träumerei in der Schule auf. Die anderen machten sich bereits darüber lustig. Doch Nadja war das egal. In der Mittagspause saß sie mit Mary zusammen am Kantinentisch und stocherte lustlos in ihrem Essen. "Was ist denn heute mit dir los?", fragte Mary und stibitzte sich einen kleinen Fleischklops von Nadjas Teller. "Hee.", kam sofort der Protest, wenn auch zu spät. "Also bist du doch kein Roboter. Dem wäre nämlich egal, wieviel Fleischklopse er kriegt. Aber vielleicht bist du ja ein Zombie?", überlegte Mary weiter.

"Du bist doof.", erklärte Nadja und sah ihrer Freundin jetzt in die Augen. "Und du bist ein Zombie.", wiederholte Mary nur. Sie merkte deutlich, dass Nadja irgendwelchen Kummer hatte. Und wie gewöhnlich wollte sie damit nicht rausrücken. "Jetzt lass doch mal das Zombiegequatsche.", meinte Nadja genervt und lehnte sich zurück. "Dann sag mir, was los ist.", meinte Mary gelassen. Nadja holte tief Luft. "Ich weiss es doch selbst nicht." "Worum geht's denn?", ermunterte Mary sie. "Ums College." Mary machte eine fordernde Handbewegung und tatsächlich ließ Nadja sich darauf ein.

"Joe und ich haben überlegt, auf welches College ich gehen könnte. Und ich habe das Gefühl er möchte mir vorschreiben, dass es hier in Seattle sein soll." Mary zuckte die Schultern. "Und?", fragte sie, als sei das vollkommen belanglos. "Ich will nicht, dass er mir das vorschreibt.", maulte Nadja etwas verständnislos. "Süße, das braucht er gar nicht!" Nadja starrte ihre Freundin mit offenem Mund an. "Du bist doch mit deinem Joe sowieso so gut wie verheiratet. Und außerdem hältst du es doch gar nicht aus, irgendwo anders auf ein College zu gehen? Wir waren keine zwei Wochen in San Diego und du hast jeden Tag mit ihm telefoniert. Zum Ende des Urlaubs fast eine halbe Stunde. Wie willst du es da aushalten vier bis fünf Monate am Stück irgendwo anders zu sein, wo du so viel zu tun hast, dass zumindest in den ersten Semestern nicht einmal Zeit bleibt zu telefonieren? Und du hättest viel zu tun. Denn wenn du woanders auf ein College gehen würdest, dann sicher eine der Eliteschmieden. Und da kann man sich vor Arbeit kaum retten. Um auf ein Standardcollege zu gehen brauchst du nicht wegzuziehen."

Nadja klappte mehrfach den Mund auf und zu. Mary schien einmal mehr alles genau zu wissen. Und diesmal suchte Nadja vergeblich nach einem Punkt um sie auszuhebeln. Doch was sie gesagt hatte, war absolut plausibel. Sie selbst hatte schon überlegt, wie sie eine Zeit ohne Joe wohl überstehen sollte. Doch irgendwie wollte sie Mary den Triumph nicht gönnen. "Übrigens hat Seattle drei Universitäten und eine hervorragende medizinische Fakultät.", ergänzte Mary, nachdem von Nadja nicht gleich eine Antwort kam. Langsam staute sich der Frust auf. "Du weisst wohl immer alles ganz genau? Woher willst du wissen, dass ich es nicht doch schaffe!", maulte Nadja ihre Freundin an. Doch als Mary das so gar nicht zu berühren schien ließ sie ihre Gabel auf den Teller fallen, packte ihr Tablett und stand wortlos auf.

Mary lief ihr nicht nach. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden war schließlich kein Weltuntergang. Und Mary war es gewohnt, dass sie mit ihrer besserwisserischen Art zuweilen aneckte. Sie würde Nadja nach dem Unterricht abpassen und ihr sagen, dass es ihr leid tat. Jetzt einer beleidigten Nadja hinterherzurennen brachte ohnehin nichts. Außerdem hatte sie nur die Wahrheit gesagt.

Nadja kämpfte mit den Tränen, als sie aus der Kantine lief. Die Mittagspause dauerte noch über eine halbe Stunde. Stumm verzog sie sich in eine Ecke der Bibliothek. Jetzt wollte sie mit niemandem reden.

Kommentare:

  1. Ach, ich mag Mary! Pragmatisch, nicht auf den Mund gefallen, intelligent und nennt die Dinge beim Namen. Nadja hat gerade eine Pubertätskrise? Sollte die nicht bald mal vorbei sein? Oder beginnt sie, zu einer Nobelzicke zu mutieren?

    Ach, Mary rückt ihr den Kopf schon wieder gerade *g*

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  2. jaja die gaaanze welt ist gegen ein manchmal, auch wenn man das bloß selber denkt :)

    aber nadja wird schon einsehen das da ganz viel wahres grad dran ist, aber halt nicht gleich.

    vielleicht sollte sie als ausgleich einfach mal etwas sport machen ...das lenkt ab und macht einen freien kopf :)

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