Montag, 11. April 2011

Noctambule II: Wo ist Maurice?

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule Band Zwei. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule II


Sie sog scharf den Atem ein, als sie ihr Halsband näher betrachtete, das vom Comte achtlos dorthin zurück geworfen worden war.
"George hatte es Armand geschickt." Erklärte Sergej kurz. Anya warf ihm einen verwirrten Blick zu. Was hatte George damit schon anderes bezwecken wollen, als Armand noch einen Seitenhieb zu verpassen? Mit fast zärtlichem Griff hob sie das Halsband auf und legte es sich wieder um ihren schlanken Hals.


Sergej beobachtete sie lächelnd dabei und beneidete Armand einen kurzen Moment um diese Hingabe, die Anya immer wieder zeigte. Mit einem knappen Nicken wandte er sich ab und verließ vor ihr das Zimmer, um nebenan vorsichtig aus dem Fenster hinunter auf die Straße zu spähen.
Hinter ihm huschte Anya lautlos in Armands Schlafzimmer zurück und fischte aus dem Sekretär die letzten notwendigen Papiere. Sie rollte alles zusammen und band es mit einem von Armands ledernen Haarbändern zusammen. Mit einem kleinen Lächeln schob sie die Papiere in ihre Bluse. Dann seufzte sie leicht und Sergej wandte sich mit fragendem Blick zu ihr um.
"Was ist?"
"Ach, ich lasse das alles so ungern zurück. Unsere Kleider, das Klavier, das…" sie stockte, aber ihr Blick flog verräterisch zu dem geheimen Zimmer. Sie errötete und senkte den Blick. Sergej machte einen Schritt auf sie zu und strich sanft über ihre Wange.
"Was von alledem kannst du mitnehmen, wenn du stirbst?" raunte er in ihr Ohr. Während Anya darüber nachdachte, bückte sich Sergej und griff unter das Bett. Nach tastendem Suchen fand er die kleinen Beutel voller Geldmünzen, die Armand im Bettgestell versteckt hatte. Er verstaute sie in seiner Weste und schaute fragend über die Schulter zu Anya zurück.
"Na komm, Kleine. Lassen wir Armand nicht länger warten." Meinte er aufmunternd. Anya nickte. Während sie ganz normal durch das Haus gingen, sah Anya sich noch einmal genau um.
"Was machen wir wegen Maurice?" fragte sie schließlich. Sergej blieb stehen und dachte nach.
"Warte hier. Ich sehe oben nach. Wenn er nicht hier ist, können wir nichts weiter tun." Meinte er und verschwand im Dunkel des Treppenhauses. Anya lauschte angestrengt, aber von den leisen Schritten Sergejs abgesehen konnte sie nichts weiter hören. Es dauerte nicht lange, bis Sergej wieder bei ihr auftauchte und den Kopf schüttelte.
"Keine Spur von ihm." murmelte er. Seufzend folgte Anya ihrem Freund durch das Haus zurück in die Küche und sprang hinter Sergej hinaus in den Garten, wo sie abfedernd landete. Die letzten Hürden waren rasch genommen und bald hatten sie den wartenden Armand wieder erreicht.
"Wohin gehen wir?" fragte Anya nun leise. Auch Sergejs Blick lag neugierig auf Armand.
"Ich fürchte, wir müssen uns auf die lästige Suche nach einem verlassenen Haus oder Hof machen. Am Stadtrand werden wir wohl eher fündig. Und sicher müssen wir Marseille verlassen. Mir ist egal wohin, wenn es nicht gerade Paris ist." überlegte Armand und legte seinen Arm um Anyas Schulter. Seine Nase blähte sich leicht, als er den Kopf zu ihr senkte und den Duft ihrer Haare einatmete. Dann drehte er den Kopf zu seinem Freund.
"Was ist mit dir. Wirst du uns begleiten?" fragte er leise. Sergej stieß ein kurzes, schnaufendes Lachen aus.
"Ein Stück bestimmt. Ich kann euch Beide noch nicht guten Gewissens alleine lassen." feixte er und erntete ein Grinsen seines Freundes.
"Dann lasst uns auf die Suche gehen. Wir brauchen eine Unterkunft für den Tag." erklärte Armand und schob Anya vor sich her durch das Tor.

Kommentare:

  1. Sie hat ihr Halsband wieder. Müsste Armand das Leder davon nicht riechen können?

    Naja, er wird es wohl bald ertasten und ich bin recht sicher, dass er sich darüber arg freuen wird. Und Jetzt bin ich mal gespannt, wohin es nun gehen wird.

    Vielleicht muss Anya ja auch eine neue Sprache lernen?

    Gruß
    Joe

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  2. auf nach tibet für die nächsten jahre da können sie sich erstmal wieder erholen, zeit haben sie ja jetzt mehr als genug :)

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