Mittwoch, 22. Juni 2011

Noctambule II: Batiste

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule Band Zwei. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule II

Batiste blinzelte leicht. Er versuchte sich zu orientieren und daran zu erinnern, was geschehen war. Er lag auf dem Bauch, das Gesicht auf einen Arm gebettet und spürte kalten Steinboden unter sich. Es war unbequem hier zu liegen, aber warum zur Hölle lag er hier?
Nur langsam kam seine Erinnerung zurück, während er bemüht war, sich erst einmal gar nicht zu bewegen und das seltsame Körpergefühl zu verstehen. Er fühlte sich kraftvoller denn je, ausgeruht und verspürte einen merkwürdigen Hunger, den er nicht einordnen konnte.

Kurz dachte er an ein saftiges Stück Fleisch. Aber entgegen des gewohnten Heißhungers, der ihn dann befiel, lief ihm nicht einmal das Wasser im Mund zusammen.
Er erinnerte sich wieder an den feinen Pinkel, der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Der Kerl hatte unglaubliche Kräfte gehabt und nicht nur das, der Bursche hatte ihn gebissen! Zorn packte ihn. Aus irgendeinem Grund hatte ihn dieser Biss doch tatsächlich aus den Schuhen gehauen. Das war ihm noch nie passiert.
Er hatte einmal gehört, dass Bisse von Menschen schlecht verheilten. Eine Frau hatte ihn einmal im Rausch ihres Orgasmus gebissen. Das hatte sich ziemlich entzündet. Aber dass man solche Schmerzen davon bekam, hätte er nie im Leben gedacht.
Mit einem Ächzen stemmte er sich vom Boden hoch und rutschte auf die Knie.
Verwundert begriff er, dass er nicht mehr auf der Straße gelegen hatte, sondern in einem Raum, der scheinbar zu einem unbewohnten und nicht mehr intakten Haus gehörte. Der Boden war staubig und schmutzig, die Wände heruntergekommen, Putz bröckelte stellenweise ab und die geschlossenen Fensterläden waren so schief und krumm, dass das trübe Tageslicht schwach hindurch schimmerte.
Er konnte überdeutlich den Regen draußen hören und nahm sogar das Krabbeln einer Schabe wahr, die über den Boden huschte. Das erstaunte ihn. Es musste daran liegen, dass es hier so still war. Sonst hatte er diese Viecher nie gehört. Er sah sich weiter um und als er den Blick über die rechte Schulter warf, zuckte er zusammen.
Schräg hinter ihm am Ende des Raumes lümmelte dieser Geck in einem alten Sessel und beobachtete ihn. Sofort packte ihn wieder kalte Wut. Ein tiefes Grollen kam aus seiner Kehle.
"Du!" murrte er und kam sofort auf die Beine. Mit herunterhängenden Armen und gesenktem Kopf stierte er den Fremden an.
"Sag mal, bist du völlig bescheuert? Zu dämlich, vernünftig von Mann zu Mann zu kämpfen, was? Du hast mich gebissen!" fuhr er ihn an. Der Fremde zuckte mit den Schultern und musterte ihn.
"Etwas mehr Respekt, wenn ich bitten darf." verlangte er leise. Batiste schüttelte den Kopf. Dieser Bursche war ganz klar lebensmüde. Diesmal würde er den Kampf verlieren, denn jetzt würde Batiste auf alle Gemeinheiten achten, die nicht in einen fairen Faustkampf gehörten. Er ballte die Fäuste und stampfte auf den Fremden zu.
Doch plötzlich weiteten sich seine Augen ungläubig. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr. Gegen seinen Willen blieb er einfach stehen. Seine Beine fühlten sich steif an, hölzern und ohne dass er es hätte beeinflussen können, begann er lächerliche Schritte seitwärts zu machen, etwas nach vorne zu tippeln und wieder stehen zu bleiben.
Völlig verwirrt starrte er den Fremden an und versuchte, die Gewalt über seine Beine wieder zurück zu bekommen. Der Fremde lächelte leicht.
"Du siehst, Bürschchen, du bist mir nicht gewachsen. Wenn ich will, dass du dich bewegst, wirst du es tun. Wenn ich will, dass du dir in die Hosen pinkelst, wirst du das ebenso tun!" erklärte er mit säuselnder Stimme und einem bösartigen Funkeln in den Augen. Dann stieß er ein Fauchen aus, das Batiste zusammenzucken ließ. Nicht nur das Fauchen erschreckte ihn. Der Kerl riss dabei den Mund weit auf und zeigte Zähne, wie er sie bisher noch nie gesehen hatte.

Kommentare:

  1. Ein Glück für George, dass Batiste so einfach zu beeinflussen ist, und so leicht zu kontrollieren.

    Aber ich hoffe, dass es im Endeffekt nicht nur darauf ankommt, wer mehr Kraft hat, sondern auch wer mehr Köpfchen beweist. Kämpfen ist eine vielschichtige Angelegenheit.

    Aber definitiv wird das für die Truppe um Armand ein schwerer Gegner.

    Gruß
    Joe

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  2. Ja Batiste wird mit Sicherheit ein schwieriger Gegner von Amand sein....aber ich denke, dennoch werden sie mit großer Sicherheit auch diese Hürde, wenn auch mit vielen Hindernissen meistern...

    Gruß LuLu

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