Donnerstag, 23. Juni 2011

Heiraten ist dämlich

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Ein wenig schämte sich Joe so in Freizeitklamotten in das Sternerestaurant zu gehen. Aber als sie am Tisch saßen und der Oberkellner die Bedienung übernahm und ihn obendrein auch noch mit Namen ansprach, verging das Gefühl. "Woher kennt der deinen Namen? Bist du hier öfter?", wollte Nadja leise wissen. Auch sie kam sich in ihrer Jeans, die noch Wasserflecken von der Rafting Tour hatte, etwas deplatziert vor. "Ich bin hier noch nie gewesen.", schwor Joe, "Aber es gibt für Restaurants so Büchlein, wo man nachschlagen kann ob man den Gast kennen sollte. Scheinbar haben die hier so eins."

Nadja errötete sichtlich. An das Gefühl, dass Joe ein Millionär war, hatte sie sich längst gewöhnt. Es war auch irgendwie nicht mehr wirklich präsent. Er verfügte halt über ausreichend Geld für Personal und ein unanständig großes Haus. Wieviel weitere Millionen auf der Bank lagen hatte für Nadja nicht die geringste Bedeutung. Sie reagierte in der Schule auch jedes mal genervt, wenn sie jemand wieder mal darauf ansprach. Innerhalb des Freundeskreises um Mary, Linda, Gretchen und Ashley hatte sich das Thema aber ohnehin zum Glück erledigt. Das äußerste war, dass dumme Witze darüber gemacht wurden, wenn Nadja eine Runde Kaffee ausgab.

Aber nun wurde Joe auch noch erkannt, was ihm in gewisser Weise einen Prominentenstatus verlieh und das gab Nadja ein ziemlich merkwürdiges Gefühl. Sie war froh, dass er um einen Tisch im Separee gebeten hatte. Dort saß man nahezu unbeobachtet von allen übrigen Gästen. Es gab sogar einen Vorhang, den man zuziehen konnte. "Das ist ziemlich edel hier.", gab sie schließlich betreten zu. So ganz wollte das merkwürdige Gefühl nicht vergehen. "Ich hoffe es schmeckt so gut, wie es hier edel aussieht.", grinste Joe und versuchte sich zu entspannen.

Auch für ihn war es vor Nadja nicht wirklich angenehm, so aufzufallen. Die Intimität die das Separee verlieh war damit schon fast wieder aufgehoben. Doch als der Kellner die Getränke gebracht hatte, blieb er dezent im Hintergrund und sie waren ab da ungestört. Immer wieder ließen sie die einzelnen Achterbahnen Revue passieren und amüsierten sich auf diese Weise noch einmal fast genauso gut wie während der Fahrten selbst. Joe versuchte weiterhin seine Nervosität zu verbergen. Die Jacke hatte er an einen Haken gehängt, wo er sie gut im Blick hatte. Nun ärgerte er sich darüber, denn er müsste umständlich an der Innentasche fummeln um an den Ring zu kommen.

Vielleicht musste Nadja ja gleich mal auf Toilette. Dann würde es problemlos gehen. Doch bislang machte sie keine Anstalten. "Wie läuft es denn jetzt eigentlich im letzten Jahr für euch alle?", versuchte er das Gespräch wieder aufzugreifen, dass während des Essens etwas eingeschlafen war. "Ach es läuft prima. Aber wir bekommen demnächst einen neuen Mathelehrer. Das find ich ärgerlich. Ich mochte Mr. Bush." "Wieso geht er denn weg?", erkundigte sich Joe. "Er heiratet und zieht zu seiner Frau. Heiraten ist dämlich.", schmollte Nadja und stützte ihr Kinn auf die Hand.

Kommentare:

  1. Eieiei... ein guter Hinweis für Joe, erst einmal Nadjas Grundeinstellung zu prüfen und mit seiner Frage noch ein wenig zu warten, um peinliche Situationen zu vermeiden.

    Natürlich kann ihre Einstellung aus ihrer Verärgerung kommen, einen guten Lehrer zu verlieren. Es ist ja nicht unbedingt auch dämlich, selbst einen Antrag zu bekommen. Tja, verzwickt. Armer Joe.. so langsam dürfte seine Torschlusspanik Flügel bekommen.

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  2. und wieder kann ein kleiner satz...die ganzen pläne vom anderen zunichte machen :D
    aber wenisgtens kann er da jetzt drauf rumreiten warum, wieso,weshalb findest du das dämlich willst du gar nicht heiraten, jetzt hat sie ihm ja eine perfekte vorlage geliefert das thema aufzugreifen :)

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  3. und jetzt wird der gute sicherlich entmutigt sein und sie doch nicht fragen, weil das vorlaute fräulein mal wieder den bagger zu weit aufgerissen hat...

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