Dienstag, 7. Juni 2011

Nähzimmer

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nervös wartete Lelya auf das Klingeln. Joe war schon öfter bei ihr gewesen und sie war ja auch nach ihrem Umzug einige Male wieder in seinem Haus zu Gast gewesen. Aber da war Nadja stets dabei gewesen. Nun hatte er angekündigt er werde allein kommen und wollte mit ihr unter vier Augen sprechen. Den ganzen Tag schon hatte sie sich die wildesten Gedanken gemacht, worüber er nur würde reden wollen. Und nachdem Nadja neulich wegen des Colleges Probleme angedeutet hatte, war sie sich sicher, dass dies vermutlich der letzte Besuch sein würde.

Schon als sie eine Wohnung gesucht hatte, hatte Lelya darauf geachtet, dass sie drei Schlafzimmer hat. Das dritte Zimmer war derzeit ihr Näh- und Arbeitszimmer. Aber es war auch schon als Gästezimmer eingerichtet. Natürlich hielt Lelya viel von Joe und sie hatte nichts gegen die Beziehung, welche Nadja da eingegangen war. Natürlich war es irgendwie etwas befremdlich, dass sie mit einem zwölf Jahre älteren Mann zusammenlebte. Auch war es merkwürdig, dass sie die Beziehung nicht in der Öffentlichkeit zeigen durften. Trotz alledem hatte Lelya nie etwas gegen den Weg gehabt den ihre Tochter gewählt hatte.

Aber immer hatte sie vermutete, dass eines Tages alles vorbei sein könnte. Es gab einfach so viele Differenzen zu überwinden. Das Alter war ja nicht alles. Auch kam Nadja eben nicht gerade aus geordneten mittelständischen Verhältnissen wie Joe und schon gar nicht hatte sie es bereits zur Millionärin geschafft. Außerdem war Joe ein Jude und Nadja eigentlich eine orthodoxe Christin. Zwar hatte die Religion wohl weder bei Joe noch bei ihrer Tochter je eine dominierende Rolle gespielt. Dennoch war auch dort Konfliktpotenzial enthalten.

Und heute war es eben soweit, da war Lelya sich so gut wie sicher, dass Joe fragen würde, ob Nadja nicht bei ihr einziehen könnte. Er war ein sachlicher und aufrichtiger Mensch und würde sicherlich erst das Umfeld klären, ehe er Nadja aus dem Haus haben wollte. Vor Nervosität hatte Lelya sogar schon angefangen das Nähzimmer aufzuräumen, damit Nadja so schnell wie möglich sich dort ein Zimmer einrichten konnte. Es tat ihr natürlich leid, dass es soweit gekommen war. Aber sie hatte irgendwie schon damit gerechnet. Aber Nadja war jung und nun in Amerika. Sie würde sicher auch einen neuen guten Mann finden. Lelyas Vertrauen in das Leben in den Staaten war inzwischen ungebrochen. Sie hatte hier in weniger als einem Jahr das geschafft, was ihr in der Ukraine nie gelungen war. Sie dachte nur noch mit einem milden Lächeln an ihre eigene Zeit des Zweifelns zurück, als sie sich nicht sicher war, ob sie nicht doch lieber zurück in die Heimat fahren sollte.


Nadja saß wieder über ihren Hausaufgaben. Aber so recht wollte sich die Konzentration nicht einstellen. Immer noch kreisten ihre Gedanken um das was Joe gesagt hatte. Er hatte mit seinem Vater über sie gesprochen? Was sollte das bedeuten? Sie kam einfach zu keinem Ergebnis. Kurz überlegte sie Joe noch einmal anzurufen um ihn danach zu löchern. Aber dann entschied sie sich es heute Abend zu tun, wenn er heimkam. Es ließ ihr einfach keine Ruhe. Sie verschob den Aufsatz auf den nächsten Tag und ließ sich vor dem Fernseher nieder. Heute würde sie eh nichts mehr richtiges zu Stande bekommen.

Kommentare:

  1. Typisch Mutter :D Gleich erst mal vom Schlimmsten ausgehen und schon mal alles vorbereiten, damit das Kind sofort herkommen kann.
    Aber ich denke, die meisten Mütter hätten in diesem Fall mit einem Heiratsantrag gerechnet, weil sie berechnend sind und sich für ihr Kind so etwas wünschen. Welche Tochter aus normalem Hause findet schon so leicht einen Millionär? Das passt eigentlich eher im englischen Königshaus ;)

    Auf jeden Fall wird Mama wohl aus allen Wolken fallen, wenn Joe sie etwas ganz anderes fragt. Hehe.. darauf freue ich mich schon!

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  2. Mir ist grad was aufgefallen ...was ich persönlich ja irgendwie total unromantisch finde :) ...JOE dieser geschäftsmann fliegt früh zum dad, nachmittags zu mum, holt sich den "segen" oder eben den ring ab, lügt dafür seine freundin an...dann abends zu seiner zukünftigen schwiegermutter um, um die hand der tochter anzuhalten und abends machter ihr dann wohl möglich noch den antrag und das alles an einem tag also irgendwie findsch das so naja keine ahnung ... da glaubt man fast er will sie ienfach nur an sich binden und das passiert aus purer angst heraus?!

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