Mittwoch, 2. März 2011

Vorschuss

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Martin saß im Büro seines Anwaltes. "Das ist ja wohl gründlich schiefgegangen.", maulte er. Sie waren direkt nach dem Prozess dort hingefahren. "Ich hatte den Staatsanwalt schon fast im Sack. Der hätte ohne Sebastian zu Ende gemacht. Aber der Nebenkläger wollte nicht verzichten.", erklärter er schulterzuckend. Martin presste die Lippen aufeinander. Der Plan, den Prozess ohne Sebastians Aussage zu beenden hatte ihm sehr gut gefallen. So hatte er den Anwalt den Termin genau in Sebastians Urlaub legen lassen. Auch wenn Martin ein schlechtes Gewissen gehabt hatte, damit der Polizei zu offenbaren, dass Sebastian Urlaub in Mexiko machte.

"Bist du denn sicher, dass er zurückkommt?", hakte der Anwalt nach, "Ich meine: Mexiko?" Er schaute vielsagend. Martin legte den Kopf etwas schief. "Ich weiß es nicht.", gab er gedehnt zurück "Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass er in Mexiko bleibt. Was soll er dort machen? Soweit ich gehört habe, hatte er es jedenfalls nicht vor. Aber wer weiß, vielleicht überlegt er es sich ja anders, wenn es ihm dort gefällt?" Der Anwalt nickte. "Wenn er nicht, oder zu spät wiederkommt bist du aus dem Schneider. Nocheinmal verschiebt der Staatsanwalt die Geschichte ganz sicher nicht." Martin nickte. "Hoffen wir einfach."

Gerade wollte er gehen. "Dein Vorschuss ist übrigens aufgebraucht. Wenn du willst, dass ich beim nächsten Termin auch wieder auftauche, dann musst du die Rechnung ausgleichen. Den Vorschuss habe ich schon abgezogen und einen neuen dazugefügt. Diesmal aber weniger.", wurde er aufgehalten. Der Anwalt streckte ihm einen Umschlag hin. Martin schluckte. Der Vorschuss waren 250$ gewesen. Neben seinem Taschengeld hatte er ja nur die 500$, die er für den Artikel erhalten hatte. Es waren einmal 1000$ gewesen, doch der Seattle Intelligencer hatte das Honorar bereits zurückgefordert. Und sein Vater hatte klargemacht, dass er keinen Cent für dieses Gerichtsverfahren bezahlen würde. "Dann gehst du eben ohne Anwalt.", war seine plumpe Ansage gewesen. Zu oft hatte Martin schon wegen vor dem Richter gestanden, weil er mit Marihuana erwischt worden war, als dass er hier auf Unterstützung zählen konnte.

"Scheck oder Bargeld?", fragte er und versuchte sich möglichst ruhig zu geben. Derweil faltete er die Rechnung auf. 51$ hatte er noch zu bezahlen und er sollte für den zweiten Gerichtstermin einen weiteren Vorschuss von 150$ einzahlen. Ingesamt also 201$. "Wenn du gedeckte Schecks verteilst auch gern einen Scheck. Wie gesagt, wenn ich keine Kohle habe, bis übernächste Woche Montag, wirst du allein Gerichtssaal sitzen." "Ich schreibe Ihnen einen Scheck!", erklärte Martin schnell und zog seine Schecks aus dem Rucksack und füllte das Formular aus. Der Anwalt nickte zufrieden. "Die Firma dankt. Wenn du noch etwas hast zwischendurch, ruf einfach an. Ansonsten sehen wir uns übernächste Woche Montag." Martin nickte heftig. Dann ging er hinaus.

Alles hatte völlig anders laufen sollen. Er wollte nächstes Jahr seinen Abschluss auf einer Elitehighschool machen und danach auf ein College gehen. Er hatte einen Artikel geschrieben wo die Wahrheit drinstand und obwohl er wirklich Potenzial gehabt hatte, waren nur 500$ dabei herumgekommen. Jetzt stand er vor Gericht und war wegen Beihilfe zur Vergewaltigung angeklagt. Und das Honorar schon fast aufgebraucht. Würde er deswegen verurteilt werden, flog er mit 100 prozentiger Sicherheit von der Schule. Ganz zu schweigen davon, dass noch ein Zivilverfahren wegen Verleumdung gegen ihn lief. Wütend kickte er einen Stein weg, und stieg in sein Auto.

Kommentare:

  1. Tjaaaaa... dann hätte man wohl nicht so überheblich sein und sich seine Freunde vielleicht ein bisschen besser aussuchen sollen. Shit happens! Vielleicht lern er draus.

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  2. Er hat doch einen reichen Freund: Sebastian.
    Soll der ihm doch mit dem Geld helfen.
    Er "schuldet ihm doch noch was".
    ;-)

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  3. Geld regiert die Welt :)
    aber ich denke nicht das Basti sein Urlaub abbricht, außer das Gute im Autor ist so stark, dass er ihn zurückholt *kicher*

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