Sonntag, 8. Juli 2012

Gequatsche

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Möchtest du etwas trinken? Einen Tee oder eine Cola? Ein Wasser?", bot Hillary freundlich an. Doch auf Nadja wirkte der Tonfall nur aufgesetzt und sie schüttelte den Kopf. "Ich möchte gern wieder in den Unterricht gehen. In nicht einmal acht Wochen sind die Abschlussprüfungen. Das ist mir wichtiger, als irgendwelches Gequatsche hier mit ihnen. Aber wenn das schon sein mus, dann ziehen sie wenigstens schnell ihr Programm durch, damit wir so bald wie möglich damit fertig sind." Feindselig starrte sie Hillary dabei an.

Hillary ließ sich dadurch allerdings nicht im geringsten aus der Ruhe bringen. Sie hatte schon viele dieser Beratungsgespräche geführt und die wenigsten Mädchen nahmen sofort dankbar an, was sie zu sagen hatte. Aufmüpfiges Schmollen war ihr durchaus bekannt. "Dieser Termin könnte wichtiger für dich sein, als du denkst.", wehrte sie sich sanft. Sie lächelte Nadja weiter an und schwieg danach für einen Augenblick um ihr Gegenüber etwas aus der Reserve zu locken. Manchmal reichte das völlig, damit die Mädchen sich von selbst öffneten. Doch Nadja war bockig.

"Wird das heute noch was?", fragte sie mit schief gelegtem Kopf, als Hillary schwieg. "Das liegt ganz bei dir." Sie machte eine kunstvolle Pause, dann fuhr sie fort: "Ich verstehe, dass das eine ganz besondere Situation ist für dich. Und ich möchte dir sagen, dass du damit eben nicht allein bist. Es gibt viele Möglichkeiten, dir zu helfen. Du musst sie nur zulassen.", begann sie nun ganz sanft. Doch erneut biss sie bei Nadja auf Granit. "Ich komme sehr gut klar. Ich habe jede Hilfe die ich brauche.", sagte sie stumpf.

Hillary blieb allerdings beharrlich. "Weiss denn der zukünftige Vater schon von der Schwangerschaft? Und weisst du auch ganz sicher, wer es ist?" Nadjas Augen funkelten zornig. "Wollen sie mir unterstellen ich wäre ein Flittchen, dass es mit jedem treibt?", fauchte sie empört. Dies zauberte nun tatsächlich eine erschrekte Miene in das Gesicht der Sozialarbeiterin. "Nein, natürlich nicht.", gab sie sofort zurück. Doch ehe sie mehr sagen konnte, war Nadja schon wieder gestartet. "Ich weiss von wem das Kind ist. Der Vater weiss es und er freut sich riesig darauf. Ich habe jede Hilfe die ich brauche und ich kann auf ihre Angebote bestens verzichten!"

Hillary zog eine etwas enttäuschte Schnute. Dass die Mädchen sich komisch verhielten hatte sie schon öfter erlebt. Aber das hier war eine neue Art. Nadja gab sich nicht ansatzweise Mühe, die Schwangerschaft zu leugnen. Und sie schien sich ihrer Sache insgesamt sehr sicher zu sein. Und jeden Vorstoss den Hillary wagte, schien sie als Beleidigung aufzufassen. Zweimal atmete Hillary tief durch um nicht selbst die Beherrschung zu verlieren. "Möchtest du mir erzählen, von wem das Kind ist? Und sag mir doch bitte, wie du dein Leben nun weiter geplant hast." "Ich wüsste nicht, was sie das anginge. Und: Nein! Ich möchte Ihnen das nicht erzählen. Ich möchte zurück in den Unterricht, wie ich vorhin bereits gesagt hatte."

Nur mühsam unterdrückte Hillary ein Zähneknirschen. "Gut, lass es mich anders sagen: Ich will wissen von wem das Kind ist und ich will wissen, wie du dir dein Leben vorstellst. Und ehe ich nicht darüber mit dir gesprochen habe, werde ich dich nicht gehen lassen."

Kommentare:

  1. Ich weiß nicht genau, wie das in Amerika ist. Dort gibt es ja die seltsamsten Gesetze. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Gesetz gibt, dass Nadja zur Auskunft verpflichtet. Zumindest nicht einer "Beraterin", die sich noch nicht einmal vorgestellt hat. Von welcher Einrichtung ist sie? Gehört sie zur Schule oder ist sie aus einer sozialen Ecke, Behörde oder sonst was?

    Nadja hat nun meiner Meinung nach das Recht auf ihrer Seite. Die notwendigsten Dinge hat sie sogar berichtet. Die Schule hätte vielleicht die Pflicht, die Mutter oder Joe zu informieren, mehr aber auch nicht.
    Nadja kann es sich also bequem machen und den Rest von Hillarys Arbeitszeit in dem Sessel herumgammeln oder aber sie lässt es darauf ankommen, dass Hillary sie daran hindert, den Raum zu verlassen. Dann sollte sie ihr Handy zücken und Joe informieren. Ich stelle mir gerade vor, wie Joe die Sache dann klären wird *Hände reib*
    Beratung auf Zwang hat noch nie funktioniert. Nun bin ich sehr gespannt, wer hier den längeren Atem hat :-)

    AntwortenLöschen
  2. Oh ja, genau...wie schaut es bei der Dame mit der Schweigepflicht aus?
    Ist sie Ärztin? Oder nur eine Beraterin?
    Diese Berater können nix, außer Reden....
    lässtig und nutzlos.

    Ansonsten währe Nadjas Wortwahl wichtig.
    Sowas wie: ich lebe bei meinem Verlobten und der hat mich geschwängert, wird sonst noch ausgelegt als:
    älterer Mann hat schutzbefohlene vergewaltigt.
    Solche Sozialen legen oftmals die Berichte so aus, wie es ihnen passt.
    :-D Wie war das mit dem Kindergartenkind, dass eine Rakete zeichnete und die Kindergärternin sah darin einen erigierten Penis..die Eltern hatten danach echt stress!

    AntwortenLöschen

Bitte beim Kommentieren höflich bleiben. Es gibt hier die Möglichkeit Anonym zu kommentieren, aber denke bitte kurz nach ob du das wirklich möchtest. Unterzeichne deinen Kommentar doch mit einem Pseudonym oder deinen Initialen, dass man weiß, welche Kommentare alle von dir sind. Oder noch besser, du nutzt nicht die Auswahl "Anonym" sondern "Name/URL" und lässt das Feld für die URL einfach frei. Dann wird dein Kommentar mit deinem selbst gewählten Namen angezeigt.

Vielen Dank.