Donnerstag, 26. Juli 2012

Das ist aber weit

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Haben Sie denn Ihre Papiere dabei?", fragte Ursula, die Dame hinter dem Tresen, und Mykola begann an seiner Jacke herumzunesteln. Wenig später zog er seinen Pass hervor. Er hoffte, richtig verstanden zu haben. Die Dame nahm den Pass an und blätterte verwirrt durch. "Sie sind Ukrainer?" "Aus Ukraine!", bestätigte er mit einem heftigen Nicken. "Aber Sie haben nur ein Touristenvisum. Was ist mit ihrer Arbeitserlaubnis? Haben Sie einen Vermittlungsschein?" "Arbeit auf Schiff nach Amerika.", erklärte Mykola gutmütig, "Finde meine Tochter." Zu diesen Worten zog er ein zerknittertes Foto hervor und legte es zu dem Pass auf den Tresen.

Ursula war völlig überfordert. Es kam immer wieder mal vor, dass jugendliche Draufgänger bei der Heuerstelle auftauchten und das Weite suchten. Die Gründe dafür reichten von Streit mit den Eltern bis zur Trennung von der Freundin. Inspiriert von Timm Thaler, welcher als Steward von zu Hause getürmt war, oder auch einfach voll romantischer Vorstellungen von der Seefahrt wollten sie selbst auf ein Schiff und weg von Daheim. Doch eigentlich konnte sie in diesen Fällen nichts machen.

Die Zeiten, in denen auf einem Schiff ein Heer von Leichtmatrosen ohne Ausbildung gebraucht wurde, war lange vorbei. Die größten Containerriesen die im Hafen einliefen wurden oft von weniger als einem Dutzend Leuten betrieben. Und diese verfügten normalerweise alle über eine hochwertige Ausbildung. Vom Kapitän bis zum Maschinisten waren heutzutage alles Speziailsten. Und auch auf Kreuzfahrtschiffen hatte sich der Standard längst geändert. Dies war von Deutschland aus ein Sprungbrett für junge Hotel- und Restaurantfachleute oder für Köche. Auch dort war ungelerntes Servicepersonal die absolute Ausnahme.

Überhaupt waren alle getätigten Vermittlungen auch eher langfristige Geschäfte. Die Fälle der letzten Zeit, in denen eine Reederei anrief und spontan jemanden für ein auslaufendes Schiff brauchte, konnte sie an einer Hand abzählen. Außerdem stand einer Vermittlung entgegen, dass der Mann vor ihr überhaupt keinen Anspruch auf irgendeine Leistung eines deutschen Arbeitsamtes besaß. So ganz konnte sie noch nicht glauben, dass sie hier gerade einen Ukrainer vor sich hatte, welcher, scheinbar ohne Geld, auf der Suche nach seiner Tochter war.

Doch Ursulas Herz schmolz dahin. Sie nahm das Foto vorsichtig in die Hand als könnte sie es zerbrechen. Es zeigte ein bildhübsches blondes Mädchen. "Ihre Tochter?", vergewisserte sie sich. Mykola nickte eifrig. "Meine Tochter jetzt in Seattle." Das letzte Wort hatte er zu undeutlich ausgesprochen und erntete einen Fragenden Blick seines Gegenübers. "Wo?" Mykola nahm einen Stift vom Tresen und Ursula reichte ihm einen kleinen Zettel. Dann schrieb er es auf. 'Seattle' Ursula bekam große Augen. "Das ist aber weit.", kommentierte sie nur verwirrt. Doch in ihrem Kopf begann sich eine Idee zu formen.

Kommentare:

  1. Nein, nein, nein!! Ich will keine netten Leute im öffentlichen Dienst! Die gibt es gar nicht! Die sind alle böse, unfreundlich, faul und überhaupt nicht hilfsbereit!! *auf'n Tisch hau*

    Die können den überhaupt nicht auf ein Schiff vermitteln. Steht ja da! Er hat keine Arbeitserlaubnis, keinen festen Wohnsitz und kann sich nicht mal arbeitslos melden! Wie will die blöde Ursula den denn vermitteln? Geht nicht! Glaubs einfach Ursula! Der kommt nicht auf ein Schiff! Und auch nicht, wenn man lange genug ein hübsches Mädchen auf einem Bild angafft!
    Es sei denn natürlich... ja genau! Er kann ja dem Kapitän während der Fahrt regelmäßig einen blasen *Hände reib*

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  2. Ich weiß nicht was für Angestellte/ Beamte im öffentlichen Dienst du kennst, aber da gibt es wirklich durchaus nette Persönchen. ^^

    Eigentlich gönne ich es Mykola, dass er nach Seattle kommt und dann verbal richtig was von Nadja um die Ohren kriegt, so wie die werte Sozialarbeiterin. Verdient hat er es, brauchen wird er es auch und vor allem Nadja braucht es, denke ich, auch ihrem Vater mal gehörig die Meinung zu sagen, weil letztendlich ist sein Plan sie zu verheiraten Schuld an dem schrecklichen Schicksal in Deutschland.

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  3. wobei mykola das schicksal in deutschland ja auch nicht hat kommen sehen, klar es gibt weit aus bessere menschen und keine ahnung genau was nun sein motiv ist nach seattle zu kommen will ich trotzdem das er da ankommt :)

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