Mittwoch, 11. Juli 2012

Eine selbstbewusste junge Frau

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Konrektor Jordan sah die Sozialarbeiterin über seine Brille hinweg an. "Wie meinen sie das?" "Sie war ziemlich aufsässig und hat sich auf die Beratung nicht wirklich eingelassen.", erklärte Hillary dem stellvertretenden Schuldirektor. Der ließ sich in seinem Schreibtischstuhl zurücksinken und nahm seufzend die Brille ab. "Ich kenne Nadja selbst nicht besonders gut. Ich hatte sie höchstens vertretungsweise im Unterricht. Warum hat sie sich denn auf die Beratung nicht eingelassen?" "Das hat sie nicht gesagt. Sie hat mich nur die ganze Zeit angezickt und jeden meiner Vorschläge ausgeschlagen. Schließlich ist sie dann einfach gegangen."

"Und sie meinen also wirklich, da sei noch Beratungsbedarf? Sie können das Mädchen nicht zu seinem Glück zwingen. Außerdem ist die Schule in acht Wochen für Nadja vorbei. Und dann ist das auch nicht mehr unser Problem. Bis dahin ist ja wohl nicht mit einer Niederkunft zu rechnen." "Sie hat nicht einmal erzählen wollen, wer der Vater ist. Ich habe meine Zweifel, dass sie das überhaupt weiss.", meinte Hillary eindringlich. "Sie hat hier auf keinen Fall den Ruf eines Flittchens. Eher das krasse Gegenteil!" "Das sind oftmals die Schlimmsten!", warf Hillary sofort zurück. Konrektor Jordan seufzte deutlich und rollte insgeheim mit den Augen. Ihm passte das überhaupt nicht. Er hatte Nadja nie als problematisch eingeschätzt. Anlässlich dieser Beratung hatte er allerdings noch einmal die Akte durchgesehen und ein paar Unstimmigkeiten gefunden.

Zum Beispiel war als Elternteil nur die Mutter angegeben worden. Das hatte man allerdings erst mitten in ihrem ersten Schuljahr nachgetragen. Außerdem hatte die Mutter eine andere Adresse als Nadja und war auch nicht diejenige die das Schulgeld bezahlte. Letzteres gehörte bei Nadja zu den üppigsten der ganzen Schule. Die Gebühr wurde nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt und reichte vom symbolischen Dollar bis zu mehreren tausend im Monat. Und für Nadja wurde die höchste Kategorie bezahlt und jährlich noch ein üppiger Betrag obendrein gespendet.

Etwas kritisch schaute Konrektor Jordan auf den Eintrag vom letzten Sommer und hatte es sofort wieder im Gedächtnis. Eine unsägliche Geschichte um zwei Jungs die ziemlich viel Scheiße fabriziert hatten, bis hin zu Alkoholmissbrauch und Vergewaltigung und Nadja mittendrin. Geendet hatte die Sache mit einer Gefängnis- und einer Bewährungsstrafe und zwei Schulverweisen, wobei der eine davon überflüssig gewesen war, da der junge Mann im Gefängnis ohnehin keine Chance hatte die Schule weiter zu besuchen. "Was würden Sie denn gerne noch unternehmen?", richtete er sich nun wieder an die Sozialarbeiterin.

"Ich würde mich gern mit Nadjas Klassenlehrer oder Tutor unterhalten. Vielleicht ist der- oder demjenigen ja etwas aufgefallen, was von Belang sein könnte. Außerdem hätte ich gern Nadjas Privatadresse um nochmal bei ihren Eltern vorsprechen zu können." "Nadja ist fast 18. Sie hat in sieben Wochen Geburtstag. Wir reden hier nicht von einer 13jährigen, sondern über eine sehr selbstbewusste junge Frau." Das hatte bei Hillary gesessen. "Eine sehr selbstbewusste junge Frau, die vermutlich einen Haufen Probleme mit ihrer ungewollten Schwangerschaft hat, die sie nicht zu lösen in der Lage ist." Jordan gab nach. "Sprechen Sie mit Mrs. Jonas."

Kommentare:

  1. diese aufdringlichen leute sind oftmals die schlimmsten... mal sehen wie joe mit ihr fertig wird, wenn diese dame vor seiner tür steht oder wie lelya reagiert, falls sie da auftauchen sollte... bin gespannt.

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  2. Hm...
    Hillary hat natürlich die ganze Szene etwas anderes dargestellt, als sie sich tatsächlich zugetragen hatte. Welchen Grund gäbe es für Jordan, seiner Mitarbeiterin nicht zu glauben? Wahrscheinlich hat sie bisher zuverlässige Arbeit abgeliefert. Zudem ist er ein Mann und kommt wohl gar nciht auf die Idee, dass hier reine Neugier und ein Teil verletzte Berufsehre dahinter stecken könnten. Es gibt auch keinen Grund für ihn, das anzunehmen.

    Jordan sitzt zwischen zwei Stühlen. Zum einen sieht er sehr realistisch, dass Nadjas Schulzeit in wenigen Wochen zu Ende ist. Dann hat die Schule mit ihr nichts mehr zu tun und auch keine Obhutpflicht. Wobei in Deutschland die Obhutpflicht keineswegs eine Schwangerschaftsberatung beinhaltet. Aber das mag in den USA ja anders sein.
    Nun hat er also einerseits vernünftige Gründe, den Willen der Schülerin zu respektieren bzw. mögliche Probleme einfach zu ignorieren, da sie eh bald nciht mehr seine sind. Dafür spricht ein spendenfreudiger Zahler des höchsten Schulsatzes. Allerdings waren die letzten Zahlungen sehr wahrscheinlich auch die letzten, sodass es kein Beinbruch wäre, würde man diesen Zahler verärgern. Aber wenn diese Geldquelle beschließt, den Nachwuchs in eine Eliteschule zu schicken, könnte man darauf hoffen, wieder als erste Wahl da zu stehen, wenn man ihn nun nicht verärgert. Hach ist das schwer. Denn er muss sich auf das Urteil einer Fachkraft verlassen. Und das tut er leider.
    Nun wird bei ihrer Privatadresse also bald eine äußerst aufdringliche Person namens Hillary stehen. Sie wird von einem Butler begrüßt werden, der sie höflich in die heiligen Hallen einlassen wird oder aber abwimmelt, weil der Hausherr leider arbeitet und nicht zugegen ist. Sollte er sie abwimmeln, wird sie wieder kommen, dann aber abends und auch Nadja vorfinden. Hoffentlich hat Nadja bereits ihrem Joe von ihr berichtet, damit Joe sie so richtig schön rund machen kann!
    Mal wieder bin ich gespannt *grummel*

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  3. Ziemlich geil, diese Endlose Geschichte!

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