Mittwoch, 12. Oktober 2011

Heimfahrt

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja und Mary saßen noch eine Weile stumm nebeneinander. Dann endlich schüttelte Mary die Gedanken ab. "Wir wollten doch was für die Schule machen?", schlug sie schließlich vor. Nadja seufzte und sah ihre Freundin etwas eindringlich an. "Ist wirklich alles in Ordnung?", hakte sie nach und kletterte nun aber vom Bett. Mary nickte: "Was sollte nicht in Ordnung sein? Meine beste Freundin hat die schlimmste Vergangenheit, die man sich vorstellen kann. Aber sie geht total locker damit um. Und jetzt machen wir den Kram für die Schule."

Mit den Worten sackte sie wieder in sich zusammen und stützte das Gesicht in die Hände. Leise rollten ein paar Tränen aus ihren Augen. Nadja setzte sich nun doch wieder auf die Bettkante zu Mary und schloss sie in den Arm. Das Weinen erfasste nun auch Nadja und siebekam einen dicken Kloß im Hals.
Es dauerte noch eine gute halbe Stunde, bis sie beide wieder soweit waren. Tatsächlich versuchten sie es noch mit ein wenig Geschichte und Mathe. Aber so richtig effektiv waren ihre Versuche dabei nicht. Beide waren erheblich zu aufgewühlt und die Konzentration blieb auf der Strecke.

Mary wurde heute wieder vor dem Abendessen von ihrer Mutter verabschiedet. Jurina blieb klugerweise im Haus, um nicht noch zusätzlich Verwirrung zu stiften. Marys Mutter hatte schon oft genug bohrende Fragen darüber gestellt, warum die beste Freundin ihrer Tochter im Haus eines Millionärs und nicht bei ihren Eltern lebte. Da würde eine Freundin im Teenageralter, vielleicht noch mit einem Baby auf dem Arm, sicherlich nicht gerade zur Beruhigung beitragen. Nach wie vor aufgewühlt, verabschiedete sich Mary von Nadja.

Im Wagen saß sie stumm neben ihrer Mutter. "Alles klar bei dir?", fragte diese nach ein paar Augenblicken. Mary war sonst kaum aufzuhalten und redete, nach Meinung ihrer Mutter, vollkommen ohne Unterlass. Die Tatsache, dass sie nun schon seit dem Einsteigen schwieg, war also ungewöhnlich. Die Frage riss Mary aus ihren Gedanken. "Was?", fragte sie nur verwirrt. "Ob alles klar ist bei dir, wollte ich wissen. Du sagst gar nichts.", setzte ihre Mama nach. "Oh ja, alles klar.", gab Mary zurück und konnte den sarkastischen Unterton nicht ganz verstecken.

"Habt ihr euch gestritten?", kam es nach ein paar Augenblicken vorsichtig. "Nein. Ist schon okay.", gab Mary nun leicht genervt zurück. Dabei hätte sie einfach nur gern gesagt, was ihr auf der Seele lag. Aber zum einen konnte sie ihrer Mutter niemals verraten, wie es um Nadja tatsächlich bestellt war und zum anderen musste sie all das auch erst einmal selbst verarbeiten. Bilder spukten in ihrem Kopf herum, die sie nicht verbannen konnte. Auch wenn Nadja nicht konkret geworden war, so reichten die Informationen doch aus um in ihrem Kopf Grausame Vorstellungen entstehen zu lassen.

Kommentare:

  1. Dass Mary das alles nun erst einmal verarbeiten muss, ist ja ganz klar. Und typisch Mutter: Mama spürt, dass Töchterchen etwas beschäftigt und bohrt.
    Aber da muss Mama nun auch durch und Mary mal Zeit lassen, das Ganze wegzustecken. Dabei finde ich, dass es klar zeigt, wie nah Nadja Mary steht und wie wichtig Mary diese Freundschaft ist, wenn sie so heruntergezogen wird von der Geschichte. Vielleicht bemerkt Mary das ja auch irgendwann einmal und dann wird sie lächeln und freudig zu Nadja gehen, um ihr das zu sagen. Spätestens dann hat sich die Freundschaft gefestigt und wird sich bewähren.

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  2. Aber das ist eben typisch Mama, ich sprech da aus Erfahrung... :)

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  3. vielleicht wäre es für Mary ja besser gewesen, sie hätte nicht alles erfahren. Wenn sie jetzt auch noch wüsste, wie viele Frauen auf der Insel wohnen, alle nackt sind u ständig Besucher kommen, die nicht nur gerne was gemeinsam trinken würden... Das wär glaub zu viel für sie... LG an den Autor, C.H.

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