Montag, 31. Januar 2011

Noctambule: Rückblick - Finger weg von Isabelle!

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule

Scheinbar hatten sich hier alle Bewohner des Schlosses versammelt. Der Saal war verkommen und wurde nur spärlich von einigen Fackeln erhellt. Das wenige Licht war angenehm für die empfindlichen Augen und reichte mehr als genug aus, um jedes Detail zu erkennen.
Die Decke war irgendwann in den vergangenen Jahrhunderten eingestürzt und gab den Blick frei in schwindelerregende Höhen. Eingänge der Obergeschosse, die früher in die Räume über dem Saal geführt hatten, waren nun türenlose dunkle Öffnungen, in denen einige ungepflegte Gestalten hockten und mit baumelnden Beinen das Geschehen unter ihnen verfolgten.
Der Saal selbst war nur spärlich eingerichtet. Der Kamin war wohl seit Ewigkeiten nicht gereinigt worden und qualmte daher statt ordentlich abzuziehen. Eine lange Tafel war am Ende des Raumes quer aufgestellt worden, verschiedene verschlissene Sofas und Sessel waren im Saal verteilt. Dort lümmelten Männer und Frauen, tranken Wein oder spielten ein neues Spiel namens Schach. Einige schienen auch restlos bar jeder Scham miteinander zu spielen und Armand konnte die eine oder andere nackte Brust erkennen.


An der Tafel saßen einige Männer zusammen, die sich beim Eintritt der beiden Freunde entspannt zurückgelehnt hatten. Keiner der Anwesenden schien besonderen Wert auf saubere Kleidung zu legen. Der einzige, der einen halbwegs gepflegten Eindruck machte, schien auch gleichzeitig Wortführer oder Anführer zu sein.
Insgesamt zählte Armand 36 Vampire. Sein Herz hämmerte in seinen eigenen Ohren viel zu laut, als er neben Sergej auf den Tisch zuging.
"Seid gegrüßt, werte Genossen. Ich bin Sergej Komarov und mein Freund hier hört auf den Namen Armand Sartous. Wir hoffen, dass es hier noch zwei Plätzchen für einen kleinen Aufenthalt gibt?" Sergej machte eine überschwängliche Verbeugung. Armand nickte lediglich den Männern zu. Ihm behagten die vielen Augenpaare nicht, die gerade auf ihm ruhten.
Der Anführer lauschte Sergejs Begrüßung und lehnte sich ein wenig vor. Bei seinem Grinsen entblößte er sein scharfes Gebiss.
"Sergej und Armand also. Und ihr seid ganz zufällig hier vorbei gekommen?" Seine Stimme hatte einen tiefen, schnarrenden Bass und vermittelte gefährliche Autorität. Aber Sergej schien unbeeindruckt. Er erwiderte das Grinsen gut gelaunt.
"Aber nein! Wir hörten von Eurer Existenz durch den einzigen Überlebenden der Händlertruppe, die hier durchzog. Leider konnten wir Eure Arbeit nicht vollenden, es waren zu viele dabei." Er breitete in vergnügter Entschuldigung die Arme aus und schien die Tatsache zu bedauern, den Berichterstatter nicht erwischt zu haben.
Der Anführer schnaubte und warf einen verärgerten Blick zu einer Gruppe junger Männer. Armand folgte dem Blick und musterte die verwahrlost wirkenden Männer, die ungerührt zurückschauten.
"Idioten! Wenn ihr schon loszieht, dann müsst ihr alle töten!! ALLE! Ihr kapiert gar nichts!" Die Faust des Anführers drosch auf den Tisch, dass die Becher darauf kurz schwankten. Er unterstrich seine Worte mit einem wütenden Fauchen, fasste sich aber schnell wieder und betrachtete die Neuankömmlinge mit langem Blick.
"Wir waren froh, dass endlich mal wieder Händler hier durch wanderten. Nun, das ist nun nicht mehr zu ändern. Ich bin Janis. Und mich überrascht, dass ihr so einen entlegenen Fleck aufsucht. Aber Platz genug ist hier. Ich vermute, ihr seid nicht gerade wild auf städtische Kontakte. Ebenso wenig wie wir." Sergej warf Armand einen vielsagenden Blick zu. Er hatte wohl Recht behalten. Das hier waren alles eindeutig Nefandii. Ausgestoßene.
Janis wandte sich nun Armand zu und musterte ihn unverhohlen.
"Ich habe noch nie einen Mann von solcher Größe gesehen. Beeindruckend. Kannst du auch reden oder fehlte der Natur bei so viel Wachstum noch die Kraft für ein bisschen Hirn?" Armands Grollen kam tief aus seiner Brust. Der mahnende Blick Sergejs war der einzige Grund, sich zurückzuhalten. Allerdings hatte das Grollen Gehör gefunden und Janis lächelte mit bösartigem Funkeln. Armand neigte den Kopf leicht.
"Es reicht aus, um keine Blutspur zur nächsten Stadt zu ziehen. Ihr solltet damit rechnen, dass hier bald brandschatzende Rächer auftauchen und eure Burg angreifen wollen." Janis lachte, warf aber erneut den Männern einen zornigen Blick zu.
"Ja, das ist ärgerlich. Aber sie werden uns nichts tun können. Sie wären willkommen. Wenn wir die Zugbrücke hochziehen, kommt uns niemand zu nahe. Wir denen hingegen schon." Allgemeines Gelächter folgte.
Eine der Frauen stand auf und ging mit lasziven Schritten um die Tafel herum zu Janis. Armand betrachtete sie aufmerksam. Sie war ausgesprochen hübsch. Ihr herzförmiges Gesicht hatte katzenhafte grüne Augen, ihre blonden Haare waren offen und fielen glänzend über die schmalen Schultern auf den freizügigen Ausschnitt ihres Kleides. Was Armand sofort ins Auge stach, war das feste Halsband aus Leder, das eng um den schlanken Hals lag und fast zu schwer wirkte.
Die Frau warf Armand aus den Augenwinkeln einen koketten, lockenden Blick zu, schob sich aber anzüglich auf Janis Schoß, der bereitwillig zurückrutschte und den Arm um sie legte.
"Jetzt lass die Jungs in Ruhe Janis! Es ist nichts Schlimmes passiert. Wir haben noch Platz im Ostturm. Ich finde unsere beiden Gäste in Ordnung. Lass sie bleiben." schnurrte sie und warf Armand einen zweiten lockenden Blick zu. Gleichzeitig begann sie, vorsichtig an Janis' Ohr zu knabbern. Armands Mundwinkel zuckten kurz amüsiert.
Janis nickte und zupfte am Ausschnitt ihres Kleides, um ihre vollen Brüste freizulegen. Aber er sah dabei Armand mit einem finsteren Blick an.
"Einverstanden. Sucht euch einen Platz. Aber es gibt Regeln hier! Es wird gemacht, was ich sage. Fragen sind unerwünscht. Jeder hier hat seine Vergangenheit. Wer sie euch mitteilen will, wird seine Gründe haben. Wer nicht, hat noch viel triftigere Gründe. Wer uns verlassen will, soll einfach gehen. Aber niemand wird ein Wort über unseren Wohnsitz verlieren. Nie! Klar?" Sergej grinste verstehend und nickte, Armand neigte nur knapp den Kopf.
"Und noch was, Langer." Janis sah nun gezielt Armand an. "Finger weg von Isabelle! Sie gehört mir!"

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