Donnerstag, 20. Januar 2011

Noctambule: Rückblick - Armand lernt

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Rom 1268

Sergej erholte sich gut. Er war Armand natürlich dankbar über die Rettung, viel mehr aber war er fasziniert von diesem charismatischen Mann, der schon so lange als Vampir lebte und doch aus seiner Sicht noch halb blind war. In langen Gesprächen hatte er Armands Geschichte erfahren und das auch nur, weil Armand zögernd begann, Vertrauen zu ihm aufzubauen.


Die Geschichte von Armand und Adaliz führte bei Sergej zu einem traurigen Kopfschütteln.
"Wir haben leider sehr viele miese Charakter unter uns. Wir sind den Menschen derart vielfältig überlegen, dass wir zu Arroganz und Ignoranz neigen. Mich hätte diese Adaliz aber wirklich mal interessiert." er grinste vor sich hin und malte sich eine temperamentvolle Schönheit aus, die er in seiner Fantasie mit Leichtigkeit gebändigt hätte.
"Aber noch mal zu George. Du hast ihn einfach verjagt? Du weißt nicht, wo er ist und er hat keine Ahnung, wo du bist?" Armand nickte leicht unsicher. Noch immer nagte der Zwiespalt in ihm. Und Sergejs missbilligendes Schnalzen verschlimmerte alles nur noch.
"Also rennt da draußen ein Hitzkopf herum, der gar nicht weiß, was er anrichten kann." murmelte Sergej vor sich hin. "Und er hasst dich. Nicht so gut." In Armand wuchs der Drang zu einem hysterischen Lachen. Seine Augen funkelten, als Sergej ihn an sah.
"Und du ihn auch." stellte er gelassen fest. Dabei lehnte er sich zurück und griff sich vorsichtig zwischen die Beine. Die Verbrennungen hatten auch seine Genitalien nicht verschont. Aber offenbar konnte er nichts Schmerzendes mehr ertasten und seufzte erleichtert.
"Was ist, wenn George ähnlich wie du über die Fähigkeit verfügt, andere Vampire aufzuspüren?" Armand stockte der Atem. An diese Möglichkeit hatte er noch gar nicht gedacht. Entgeistert starrte er seinen neuen Begleiter an. Sergej nickte ihm zu.
"Du musst ihn entweder ausschalten oder auf deine Seite bringen. Aber ein Mord reicht eigentlich. Verzwickt. Weiß George von unseren Gesetzen? Kennt er sie?" Armand zuckte die Schultern.
"Ich habe ihm das gesagt, was ich von Adaliz wusste. Auch, dass Vampire sich nicht gegenseitig töten. Aber wie weit er sich daran halten wird oder mir überhaupt glaubt nach alldem, das weiß ich nicht." Er seufzte schwer. Ihm war inzwischen klar, dass er sein ganzes langes Leben lang bereuen würde, George nicht gleich im Park getötet zu haben.
Sergejs entschlossene Handbewegung riss ihn aus seinen trüben Gedanken.
"Völlig egal, was er tut. Du musst einiges lernen. Und wir sollten bald damit anfangen." entschied er. Armand war bereit. Von jetzt an hatte er einen Lehrer, dem er vertraute und der nicht im eigenen Interesse handelte.

Die beiden Männer verließen Rom sobald Sergej wieder völlig hergestellt war. Es lang im Interesse von Beiden, soviel Abstand wie möglich zur "Familie" zu bekommen, um nicht aufgespürt zu werden. Während ihrer Reise nach Norden begriff Armand allmählich, dass es mehr als die körperliche Überlegenheit gab, die ihn vom Menschen unterschied.
Sergej lehrte ihn, mit seinem Willen Menschen wirklich zu manipulieren. Nach vielen Übungen begriff er, dass er bei direktem Kontakt den meisten Menschen seinen Willen aufzwingen konnte. Sie gehorchten wie Marionetten.
"Das macht zwar nicht so viel Spaß wie das richtige Jagen, aber man kann es brauchen." erklärte Sergej mit leichtem Grinsen. Tatsächlich öffneten diese Übungen Kanäle in Armand, die ihm ermöglichten, Sergej auch auf große Entfernungen hin wahrzunehmen und aufzuspüren. Ebenso begriff er, dass er selbst Rufe aussenden konnte, die ein Artgenosse auffangen und zu ihm leiten würde. Während sie das übten, lebte Armand in der Sorge, damit George zu sich zu rufen.
"DA mach dir mal keine großen Hoffnungen. George hat keinen Lehrer. Zumindest hoffe ich das. Es muss aber eigentlich überhaupt niemand auftauchen, wenn's Recht ist." erklärte Sergej zufrieden.
"Und deshalb ist es jetzt Zeit für dich zu lernen, eine Kontaktaufnahme abzublocken. Heute Abend kannst du mal versuchen, mich zu finden. Und wag dich ja nicht, Erfolg zu haben! Ich such mir ne Frau!" Sein breites Grinsen brachte Armand zum Lachen. Es weckte aber auch den Ehrgeiz in ihm, seinen Lehrer unbedingt zu finden.
Die ganze Nacht streifte er durch die sehr schwach besiedelte Region. Ohne Ergebnis. Sergej schien vom Erdboden verschluckt zu seine. Als er am frühen Morgen zufrieden neben Armand auf sein simples Strohlager fiel, trafen sich die Blicke der beiden Männer.
"Hat nicht geklappt, wie? Ich zeig dir später wie das geht. Ich brauche Schlaf." erklärte er zufrieden, schloss die Augen und war sofort eingeschlafen.

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