Samstag, 22. Januar 2011

Der erste Eindruck

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Liuetenant Brady öffnete die Tür zum Vernehmungsraum und stellte den Kaffee auf den Tisch. Dann rückte sie sich ihren Stuhl zurecht und setzte sich hin. Den Notizblock legte sie vor sich ab. Zwar wurde das gesamte Gespräch von einer Anlage, die so empfindlich war, dass sie sogar geflüsterte Worte entlarven konnte, und außerdem von zwei Kameras aufgezeichnet, doch fand Brady, dass es doof aussah, wenn man so völlig ohne irgendwelchen Kram eine Vernehmung durchführte. Außerdem notierte sie sich bei solchen Gelegenheiten auch immer wieder Details. Zum Beispiel, wann sie das Gefühl hatte, angelogen zu werden. Das waren Dinge, die man nachher auch auf der besten Aufzeichnung nicht mehr sehen konnte.

Sebastian hatte den Kopf gehoben, als die Türe aufgegangen war. Zitternd saß er noch immer auf seinem Stuhl. Um Fassung bemüht richtete er sich auf und schluckte noch einige Tränen herunter. Sein Gesicht war immer noch nass und glänzte im Neonlicht. Noch hatte keiner ein Wort gesagt.

Brady kostete diese Sekunden stets aus. Der erste Eindruck war nicht nur bei Dates entscheidend, sondern auch bei einer Vernehmung. Manche Kollegen kamen wie die Berserker herein, schlugen die Türe zu und traten den Stuhl durch den Raum. Etliche Schrammen und Kerben in den metallenen Wandpanelen zeugten von dieser Taktik. Doch Brady hielt nichts davon. Nicht zuletzt, weil sie, mit gerade 1,70m Körpergröße und schmalem Wuchs, dabei höchstens lächerlich aussehen würde.

Sie verzog keine Miene, ordnete den Block und schrieb das Datum auf das erste Blatt. Dann legte sie den Stift ab, nahm einen Schluck Kaffee, verschränkte die Hände und sah den zitternden Sebastian eiskalt an. "Deine Belehrung hast du verstanden?", begann sie in ruhigem, emotionslosem Tonfall. Diese Art zu sprechen, hatte sie sich lange antrainiert. Oft saßen ihr Männer gegenüber, die bei einer Frau schon die geringste Schwäche zu spüren vermochten. Und Zorn war eine Schwäche. Damals war sie oft eine ganze Vernehmung lang provoziert worden. Das passierte ihr nun nicht mehr.

"Ich denke schon.", stammelte Sebastian. Er war auf alles gefasst gewesen, doch nicht auf diese vollkommen nüchterne Umgebung. "Zur Sicherheit erkläre ich es dir nochmal. Du kannst jetzt etwas sagen, musst es aber nicht. Wenn du nicht reden möchtest, kannst du jetzt schweigen. Du brauchst keinen Ton zu sagen. Aber wenn du etwas sagst, kann man es vor Gericht gegen dich verwenden. Dazu wird das gesamte Gespräch auch aufgezeichnet. Verstanden?" Sebastain nickte eifrig. Bloß die Polizistin nicht wütend machen.

"Dann erzähl mir mal was.", meinte Brady gelassen, lehnte sich zurück und nahm noch einen Schluck von ihrem Kaffee. Eine Welle Gänsehaut rollte über Sebastians Körper. "W... Wa... Was wollen Sie denn hören?" Jetzt begann er auch noch zu stottern. Brady zuckte aber nur die Schultern und sah ihn eindringlich über ihren Kaffeebecher hinweg an. Wieder spürte Sebastian, wie sich alle seine Rückenhaare aufzustellen schienen. Außerdem war sein gesamter Körper von einer leichten Schweißschicht überzogen. Wo er gerade die Hände auf den Tisch gelegt hatte, waren jetzt zwei feuchte Flecken. Verlegen wollte er sie mit der Faust verwischen, doch verteilte er damit nur noch mehr Feuchtigkeit auf dem Tisch. Ein Schluchzer machte sich bereit und sein Zwerchfell kontraktierte vollkommen unwillkürlich. Er konnte spüren, wie ihm erneut Tränen in die Augen schossen. Doch machen konnte er nichts dagegen.

Brady genoß das Schauspiel, ohne es sich anmerken zu lassen. Für eine Sekunde hatte sie befürchtet, die erneute Belehrung könnte zur Folge haben, dass er tatsächlich die Klappe hielt, was in der aktuellen Situation aus seiner Sicht zweifellos das beste wäre. Doch mit den Schluchzern kamen auch die ersten Worte nach oben. "Das war doch alles nicht geplant. Die können mich doch nicht erst heiß machen und dann nicht wollen."

Kommentare:

  1. Oooooch. Jetzt versucht er die Kleine-Jungen-Tour. Hat sicher früher bei Mama geklappt. Aber Brady ist nicht Mama, mein Scheißerchen :-)

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  2. Einmal bitte ein Live Stream zu KayGee wenn sie eine neue Episode liest :D Vor allem wenn irgendwelche Polizisten irgendwelche Zettel übersehen...

    Ich stell mir das total lustig vor, wie sie sich erst hämisch freut und anschliessend wie Rumpelstilzchen im Zimmer rumhüpft und sich ärgert *gnihihi*

    Julie

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  3. Pfffffffffffffffffffft!!
    *arme verschränkt und beleidigt zur Seite guckt*

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  4. *knufft das KayGee mal*

    Schmollen gibt hässliche Falten, lächel lieber :)

    Julie

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