Dienstag, 6. November 2012

Er erwartet Sie

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Henry Rutten, welcher mit bürgerlichem Namen Viktor Prenew hieß, saß vor Joes Büro auf dem Sofa und rührte lautlos in seinem Kaffee. Er sah sich aufmerksam aber unauffällig um, wie er es immer tat, wenn er an einem Ort war, den er noch nicht kannte. Als er seine Umgebung genug in Augenschein genommen hatte und nichts Auffälliges zu Tage getreten war, genoss er seinen Kaffee.

Brenda kam aus dem Büro und lächelte ihn entschuldigend an. "Noch ein klein wenig Geduld, Mr. Rutten." Henry nickte und nahm einen Schluck von seinem Kaffe. "Kein Problem.", antwortete er akzentfrei und lächelte zurück. Er war sicher, dass er noch nie so einen hochkarätigen Kunden gehabt hatte. Und er war keineswegs gewillt seine Fähigkeiten billig zu verkaufen. Da konnte man auch etwas Wartezeit in Kauf nehmen. Das war ja sozusagen einkalkuliert.

Henry war vor 15 Jahren als Viktor aus Weißrussland in die USA gekommen. Damals war er noch Computerspezialist gewesen und war einer festen Anstellung gefolgt. Doch als diese vorbei war, gelüstete es ihn keineswegs wieder danach in die ärmliche Heimat zurückzukehren und er blieb einfach. Anfangs als illegaler Einwanderer, später mit einem ordentlichen Visum. Inzwischen war er verheiratet mit einer Amerikanerin und hatte damit ohnehin die begehrte Greencard erhalten, welche ihm lebenslanges Aufenthalts und Arbeitsrecht zusicherte. Dennoch hatte er vor vier Jahren, auch um seine neue Tätigkeit zu beginnen, das formelle Einbürgerungsverfahren durchlaufen und den Namen seiner Frau angenommen und dazu einen neuen Vornamen. Seitdem war er Henry Rutten, Privatermittler.

Die Tätigkeit war genau sein Traum. Er ermittelte dort, wo die Polizei keine Lust hatte, ihre Arbeit ordentlich zu machen, oder schon aufgegeben hatte. Er fand vermisste Personene, beschaffte Unterlagen oder spionierte auch verdächtig Ehepartner oder Freunde aus. Letzteres waren allerdings Aufträge, die ihm wenig lagen. Er konzentrierte sich lieber auf wichtigere Dinge, als ein wenig Eifersucht.
Immer noch verstand er sich hervorragend auf die Verwendung von Computern und nicht selten konnte er ganze Aufträge von seinem Schreibtisch aus erledigen. Doch er scheute sich auch nicht mit Feldstecher, Nachtsichtgerät und Tarnanzug durch Gebüsche zu kriechen um an eine bestimmte Information zu kommen. Auch vor etwas handfesteren Einsätzen schreckte er nicht zurück, wobei er es ablehnte, eine Schusswaffe zu tragen.

Seine bisherigen Kunden waren alle durchweg aus besser verdienenden Kreisen gekommen, oder es waren kleine Firmen gewesen, die den Industriespion in den eigenen Reihen suchten. Doch in einer Softwarefirma mit ein paar hundert Angestellten beim CEO vorzusprechen, war bisher noch nicht vorgekommen.

Vor allem fragte er sich, was es wohl für ein Auftrag werden könnte. Hier würde man wohl kaum auf seine Fähigkeiten als Computer-Ass zurückgreifen müssen? Doch geduldig wartete er ab. Auch eine Anfahrt für ein Beratungsgespräch konnte man in Rechnung stellen. Endlich nickte Brenda ihm zu. "Es tut mir leid, dass sie so lange warten mussten. Aber Mr. Bernstein hat jetzt Zeit für sie." Die Bürotür öffnete sich noch einmal und ein Mann im Anzug kam heraus. Brenda deutete auf die Tür. "Nur hinein. Er erwartet Sie."

Kommentare:

  1. und wie sieht Mr. Bond äh Mr. Rutten nun aus? ich hoffe ja nicht wie eine ratte :D

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  2. Ein Weissrusse also, ok, hoffentlich spricht er auch ukrainisch und kennst sich genug in der Unterwelt aus und nicht nur am Schreibtisch. Mit Industriespionage hat sein neuer Auftrag ja nicht viel zutun, er wird sich hier auch mal die Hände schmutzig machen müßen. Wird schwer verdientes Geld werden. Er sollte sich aber vielleicht doch eine Schusswaffe besorgen, die ist bestimmt wirkungsvoller gegen Baseballschläger als eine PC-Maus^^.

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  3. Hehe, ich kann Minito nur recht geben. Immerhin kennt er viele in der Stadt und wird seine Informanten in allen Ecken haben. Eine gute Wahl von Joe. Ich frage mich nur, wie er an den gekommen ist. Eine Empfehlung von Thorsten?

    Mir ist recht egal, ob er wie eine Ratte aussieht oder wie ein Grizzly. Hauptsache ist, er arbeitet effektiv :-)

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