Sonntag, 14. Oktober 2012

Verlogener falscher Kerl

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Du nennst mich Hure?", fauchte Nadja weiter und ließ sich wieder normal in den Sitz sinken. Mit einer fließenden Handbewegung schnallte sie ich wieder an und fuhr los. Mykola war von dieser heftigen Reaktion viel zu überwältigt um irgendetwas sagen zu können. Er hielt sich die Wange und das nicht nur aus Reflex. Nadja hatte ihm wirklich weh getan. Der Schlag war ernst gemeint und ziemlich fest gewesen.

"Wenn der Mann, der mich liebt und den ich liebe, mir ein Auto schenkt, nennst du mich eine Hure. Aber wenn der vermaledeite Bastard von Ivan, bei dir vor der Tür steht kannst du gar nicht anders, als ihn hereinzubitten, weil sein Vater schließlich einen Supermarkt besitzt? Dann ist es also einfach nur eine gute Partie und wenn ich den Kerl selbst ausgesucht habe, der mir schöne Sachen schenkt bin ich seine Hure? Du bist ein verlogener falscher Kerl! Du bist ein Arschloch und ich bin froh, dass du morgen verschwunden bist! Und nur damit du was zum nachdenken hast: Derjenige der dafür gesorgt hat, dass ich eine Hure war, bist du!"

Niemand hatte Nadja unterbrochen. Gefährlich lange hatte sie bei dieser Tirade die Augen im Rückspiegel gehabt und ihren Vater fixiert. Auch minuten nach diesem Ausbruch wagte es noch keiner zu sprechen. Maria hatte sich arg an die Seite gedrückt und versucht so zu tun als wäre sie nicht da. Das schöne Bild, dass sie von ihrem Vater hatte begann gerade zu bröckeln. Sicher war es schon komisch, dass Nadja ein so teures Auto fuhr, aber deswegen durfte man doch trotzdem nicht denken, dass Nadja eine Hure ist.

Lukas hatte sich ein wenig das Grinsen verkneifen müssen. Zu gern hätte er seinem Vater etwas Ähnliches verpasst. Doch wenn er das täte würde s vermutlich in eine Schlägerei ausarten. Insofern war er seiner Schwester durchaus dankbar, dass sie ihm diese Arbeit abgenommen hatte. Und die Tatsache, dass Mykola sich nun nicht mehr wehrte, weder verbal noch gar wagte Nadja anzugehen, befriedigte ihn auch sehr.

Stumm stellte Nadja den Wagen auf den Parkplatz des Zoos. "Aussteigen, wir sind da.", sagte sie neutral wie möglich und rutschte vom Fahrersitz. Als alle ausgestiegen waren, verschloss sie den Wagen mit der Fernbedienung und blieb stehen. "Du gehst mit Maria vor. Lukas und ich bleiben hinter dir und behalten euch im Blick.", erklärte Nadja das Prozedere des Tages. "Einverstanden.", nickte Mykola nur und wandte sich zur Kasse. Maria folgte ihm etwas unbehaglich und warf einen verstörten Blick zu ihren Geschwistern. So hatte sie sich den Tag nicht vorgestellt.

Kommentare:

  1. Schöner Vortrag! Und ein durchaus zutreffender Vorwurf. Nur wird Mykola das nicht verstanden haben. Zudem ist er viel zu feige, um nachzufragen, was sie meinen könnte.

    Maria hat offenbar doch mehr begriffen als ich ihr zugetraut hätte. Nicht vom Verstand her, sondern vom Wollen her. Aber wenn Mykola sich ein wenig Mühe gibt und sich leise mit ihr unterhält, wird sie schon wieder auftauen und Verständnis für ihn haben befürchte ich.

    Hoffentlich brennt die Ohrfeige noch lange nach. Gerade bei einem Mann sollte eine Ohrfeige doch wirklich demütigend sein, besonders, wenn sie von einer Frau und noch dazu von der Tochter kommt. Und er scheint ihr sogar das Recht zuzugestehen. Also muss er wissen, dass er im Unrecht ist.

    Nun hat er was zum Nachdenken. Gut so! Mal sehen, ob er es schafft, nachzudenken. Ganz so sicher bin ich mir bei dem nicht.

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  2. Die Fronten scheinen geklärt und klar aufgeteilt zu sein, Nadja scheint in der kleinen Gruppe das Sagen zu haben. Sie macht auf viele Arten, klar was sie von ihrem Vater denkt und sie sich nichts mehr von ihm sagen lässt. Auch die Aussage, dass Maria und Mykola vorgehen sollen und Lukas und sie hinter ihm bleiben und aufpassen werden, zeigt das sehr deutlich. Aber schön zu sehen, dass Mykola ziemlich verdattert und überrascht ist von seiner Ältesten. Auch wird er bestimmt noch etwas über ihren Ausspruch nachdenken, dass er sie zur Hure gemacht hat. Aber ich denke er wird die Hintergründe nicht verstehen und sich in seinem Kopf was falsches zusammenreimen. Hoffentlich bekommt er noch einige diese netten kleinen Seitenhiebe ab, auch um Maria endgültig die Augen zu öffnen.

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