Freitag, 12. Oktober 2012

Hallo Papa

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Mykola saß in der Lobby des kleinen Hotels, wobei 'Lobby' für die paar abgeutzten Polstersessel, die man dem Anmeldetresen gegenüber aufgestellt hatte, schon arg geschmeichelt war. Etwas nervös trommelte er mit den Fingern auf der Lehne herum. Er saß schon seit über einer halben Stunde hier unten herum. Auf keinen Fall wollte er verpassen, wenn er abgeholt wurde. Nachher würden sie einfach sagen, er sei nicht da gewesen und ihn ohne Verabschiedung morgen in den Flieger setzen.

Er wurde etwas wehmütig und dachte nun zurück an seine Zeit in Seattle. Alles hatte so ganz anders laufen sollen. Er hatte so viel auf sich genommen um hier her zu kommen. Und nun schickten sie ihn einfach quasi unverrichteter Dinge wider in die Ukraine zurück, wo er zur Zeit nicht mal eine Wohnung hatte. Sicherlich war es naiv gewesen, anzunehmen, dass er in der Familie noch einmal einen Platz bekommen könnte. Doch diese Erkenntnis traf ihn dennoch härter, als er selbst geglaubt hatte.

Alles was er von Lelya und den anderen gesehen hatte, war ein höchst unerfreuliches Treffen im Cafe, ein Gerichtstermin und dann noch der Abend an dem er sich eine Menge Geld für sein Verschwinden gesicher hatte. Nun stand noch der Zoobesuch und ein Abendessen aus und dann war er wieder allein.

Die Woche hatte er im Wesentlichen mit Besichtigungen verbracht. Es war für ihn nicht ganz einfach mit seinen paar gebrochenen Worten Englisch durchzukommen, doch es wurde zunehmend besser. Außerdem brauchte er ja nun nicht mehr sein Geld so extrem zusammen zu halten und konnte sich das ein und andere leiste. So stellte er fest, dass Seattle tatsächlich eine Menge zu bieten hatte. Der Nahverkehr funktionierte gut und so kam er auch überall hin, wo er wollte. Dennoch war die Woche so völlig ohne Gesellschaft lang gewesen. Und mehr als einmal hatte er sich in der Nähe von Marias Schule herumgedrückt, dann aber doch zurückgesteckt. Wenn das herauskam, stand sein Geld auf jeden Fall auf dem Spiel.

Sein Blick fiel durch die schmutzige Scheibe auf das Auto dass gerade herangerollt war. "Wow. Wer so ein Auto hat, wohnt doch eher im Vier Jahreszeiten, als hier in der letzten Adresse, welche Seattle zu bieten hat.", ging es ihm durch den Kopf. Doch dann stieg tatsächlich Nadja aus der Fahrertüre. Er stand rasch auf und lief auf den Parkplatz. "Hallo Kinder.", versuchte er sich freundlich zu geben. "Hallo Mykola!", sagte Nadja sehr demonstrativ mit einem ziemlich finsteren Gesichtsausdruck.

Auch Lukas blieb kühl aber Maria zeigte sich einmal mehr ungezwungen. "Hallo Papa!" Mit den Worten umarmte sie ihn sogar. Lukas und Nadja rollten mit den Augen. Doch das half nichts.

Kommentare:

  1. Maria zeigt das echte Gesicht eines Teenagers. Ihrem angekratzten und ohnehin noch nicht ausgebautem Ego passt es nicht, dass man sie übergangen hat, also verbrüdert sie sich mit dem Feind, um ihre Familie zu ärgern. Und das kann sie natürlich gerade bei Mykola wunderbar damit begründen, dass sie ja wohl ihren eigenen Vater zur Begrüßung umarmen darf.

    Sie hat leider nur vergessen, dass selbst bei einer absolut demokratischen Abstimmung zwar ihre Stimme hätte gezählt werden müssen, aber diese Stimme nun halt sowieso überstimmt gewesen wäre. In ihrem Alter gibt es bei diesen Fragen nur eben mal keine Demokratie. Da entscheiden die Eltern. Pech gehabt, junge Dame.

    Nadja nennt ihren Vater also beim Vornamen. Ich vermute, sie degradiert ihn auch vom Vater zum Erzeuger, womit sie ja nicht ganz Unrecht hat. Ich kann ihr Verhalten absolut verstehen. Mykola wird es schwer haben, eine gute Stimmung aufzubauen (wenn er das überhaupt wollte) wenn zwei Eisberge dabei sind.
    Aber er wollte es ja so. Also ab ins fragliche Vergnügen! Hehe..

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  2. Das sieht nach dem Beginn eines sehr lustigen Nachmittages aus. Die Stimmung bei Nadja und Lukas scheint ja gerade überschäumend vor Begeisterung zu sein. Die Einzige die sich auf den Tag freut ist Maria. Bin mal gespannt wie Mykola mit der Situation umgehen wird. Er hat seine Kinder lange nicht gesehen und davor hat er sich aus der Erziehung bestimmt auch sehr rausgehalten. Er wird bestimmt mit Marias gezicke schon recht bald überfordert sein. Für Maria wäre es fast das Beste wenn ihm mal die Hand ausrutschen würde. Dann würde sie sich bestimmt mehr freuen, dass er bald wieder weit weit weg ist und ihn auch nicht mehr so schnell wieder sehen wollen.

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