Dienstag, 9. Oktober 2012

Ich rate Ihnen das anzunehmen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Pjorczyk und Mykola tuschelten eine ganze Weile. Lelya hatte relativ schnell aufgegeben, zu verstehen, was da geredet wurde. Es war einfach zu leise und bei ihr kam nicht viel mehr als Rauschen und einzelne Wortfetzen an. Endlich trennten sich die Köpfe wieder und Pjorczyk sah auf die andere Seite des Tisches. "Wir würden gern zuerst ihr Angebot hören.", erklärte er trocken.

Pirce nickte und ließ seine Finger knacken. "Monatlich 100 Dollar. Zahlbar entweder jetzt direkt in einer Summe oder in einer monatlichen Überweisung. Die Vereinbarung endet, wenn Maria 18 wird und die Sorgerechtsfrge obsolet ist. Dafür verlässt ihr Mandant mit der nächsten Maschine die Vereinigten Staaten Richtung Kiew oder sonstwohin. Jedenfalls wird er Seattle nicht mehr betreten und sich auch sonst von seiner ehemaligen Familie fernhalten. Das Flugticket übernehmen wir. Business Class.", erklärte Pierce ganz ruhig.

Die monatlichen 100 Dollar waren weit weniger, als Lelya würde erübrigen können, aber man musste ja nicht sofort das gesamte Pulver verschießen. Das mit dem Flugticket war Joes Idee gewesen und auch hier hatte Pierce den Rahmen nicht ausgereizt. Joe hatte ein FirstClass-Ticket angeboten. Pjorczyk runzelte die Stirn. Dann übersetzte er das Angebot auf Ukrainisch und wartete Mykolas Reaktion ab. "Wieviel sind 100 Dollar in Hrywnja?", war seine direkte Frage, welche Pjorczyk sofort weitergab. Joe hatte das natürlich recherchiert. "Das sind etwas über 800 Hrywnja.", gab er sofort zurück.

"Das ist nicht genug zum leben.", erklärte Pjorzcyk nach kurzer Beratung mit Mykola und kaum hatte er das ausgesprochen durchfuhr ihn ein Schreck. Lelyas Augen blitzten zornig auf. "Dieser Scheißkerl solls ich gefälligst Arbeit suchen! Wissen Sie, was er mir überlassen hat, nachdem er wieder geheiratet hatte? 610 Hrywnja hatte ich monatlich für mich und meine Tochter! Das war alles, was er mir gegben hat. Und nun bekommt er ein Angebot für mehr als 800 Hrywnja und weint, das sei für ihn allein nicht genug zu leben?" Pjorczyk musste schlucken.

Er hatte diesen Fall nun einmal angenommen und musste da nun durch. Doch als Mykola in seinem Büro angekommen war, hatte alles so ausgesehen, als wäre Lelya mehr oder minder bei Nacht und Nebel mit zwei Kindern verschwunden für die er auch das Sorgerecht gaehabt hatte. Doch alles was er seit Beginn des Prozesses gehört hatte, stellte das Bild völlig anders dar. Mykola war ein Mistkerl, der seine Frau um ihren Unterhalt gebracht hatte und seine Kinder eigentlich nie wirklich hatte sehen wolle. "Mein Mandant hat derzeit keine Arbeit.", gab Pjorczyk leise zurück.

"Dann legen wir eine einmalige Zahlung von 3000 Dollar obendrauf.", gab Pierce zu. Er warf einen Blick zu Joe. "Das sind über 24.000 Hrywnja.", warf der auf sein Stichwort ein. "Das sollte genügend Zeit verschaffen, um sic eine Arbeit zu suchen. Und ab dann sind 800 Hrywnja im Monat ein satter Batzen dazu." Pjorczyk nickte knapp und übersetzte das für Mykola. "Ich rate Ihnen, das anzunehmen. Sie fliegen bequem in der BusinessClass zurück nach Kiew mit einem dicken Batzen Geld in der Tasche und bekommen jeden Monat 800 obendrauf."

Kommentare:

  1. Auch wenn mich die niedrige Höhe des Angebotes überrascht, so finde ich es richtig, es erst mal so niedrig anzusetzen. Das Argument von Lelya ist schlüssig.
    Er hat ihr deutlich weniger Unterhalt für zwei Personen gezahlt und schämt sich nicht einmal deswegen. Er sollte sich mal jetzt schämen, überhaupt eine Forderung zu stellen und dann noch zu meckern, weil es nicht reichen könnte.

    Mykolas Anwalt ist ja lächerlich! Keinem vernünftigen Anwalt platzt so eine unqualifizierte Anwort heraus wie die, dass der Betrag nicht zum Leben reicht! Es soll keinen Unterhalt darstellen sondern eine Abfindung! Und davon muss niemand leben, es ist eine Auszahlung.. Und dabei ist mir völlig wurscht, ob es dem Herrn Anwalt passt, so einen Mandanten zu haben oder nicht, er hat sich selbst nicht genügend im Vorfeld informiert. Da ist ganz und gar sein Problem.

    Gut hingegen ist der Rat von Pjorczyk den Vorschlag anzunehmen. Hätte sich der Depp mal informiert, wüsste er vielleicht, dass da ein Millionär sitzt. Hat er aber nicht! Gut für Lelya. Schlecht für Mykola. Ich male mir schon das Gesicht von ihm aus, wenn er später mal erfährt, wen er da bei sich am Tisch hatte und wer einmal sein Schwiegersohn sein wird. Hähä!

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  2. Da muss ich Kay wirklich Recht geben. Die Summe erscheint auf den ersten Blick zwar gering, ist aber auch nicht als Unterhalt gedacht sondern als Anreiz zu verschwinden. Ausserdem bekommt er diese Summe ja eine ganze Weile, es dauert ja noch etwas bis Maria 18 ist. Dazu die Einmalzahlung, da kommt er auf ein nettes Sümmchen - und das fürs Nichtstun *grummel*. Ich gönn ihm das ja so gar nicht, aber Hauptsache er geht wieder. Wenn er clever ist, geht er woanders hin als zurück nach Kiew und fängt noch einmal ganz von vorne an. Er hat keinen Job, keine Wohnung, keine Familie, aber ein schönes Anfangskapital.

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