Samstag, 27. Oktober 2012

Unser Kind

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja bekam den Rest der Untersuchung kaum mit. Die Ärztin sprach auch nicht viel. Sie setzte den Ultraschallkopf immer wieder neu an und klickte af ihrem Gerät herum um verschiedene Dinge zu vermessen. Zwischenzeitlich nickte sie immer wieder zufrieden oder kommentierte kurz, was sie da tat. Joe und Nadja hielten sich an der Hand und starrten gebannt auf den Monitor.

"Ich mach Ihnen auch ein Foto, dass ich ausdrucken kann.", erklärte die Ärztin vergnügt, als sie die Faszination der beiden bemerkte. "Oh ja bitte!", nickte Nadja eifrig. Die Ärztin setzte zu einer besonders schönen Perspektive an und versuchte möglichst viel ins Bild zu bekommen. Dann klickte sie und speicherte das Bild so ab. Diese Untersuchungen gehörten definitiv zu den angenehmsten Seiten ihres Jobs. Auch nach Jahren in ihrem Beruf und unzähligen Untersuchungen konnte sie sich dem Zauber eines Paares, dass voller Vorfreude die ersten Herzschläge ihres Nachwuchses betrachte, nicht entziehen.

Als Nadja sich das Gel vom Bauch wischte, setzte Joe sich wieder aufrecht hin. "Was ist denn mit diesem 3D-Ultraschall?", hakte er nach. Die Ärztin nickte. "Gibt es, habe ich auch ein Gerät für. Besteht aber im Augenblick keinerlei Veranlassung für. Es geht da meistens nur um die Bilder." Joe nickte: "Genau. Die Bilder!" Die Ärztin lachte kurz und herzlich. "Ich kann das natürlich machen, aber ich sage Ihnen ehrlich: Da sieht man derzeit noch nicht viel. Die Auflösung ist zwar sehr gut, aber für einen so keinen Körper reicht es dann doch nicht wirklich. Wenn Sie die Bilder haben wollen, würde ich das bei einem der nächsten Termine machen, wenn der Fötus weiter herangewachsen ist und die Bilder auch wirklich schön werden. In ein paar Wochen ist es soweit."

Während sie geredet hatte, war hinter ihr der Drucker des Geräts in Aktion getreten und spuckte zwei Aufnahmen aus. Joe schaute erst etwas enttäuscht. Die 3D-Bilder, die er im Internet gefunden hatte, sahen so faszinierend aus. Die Ärztin reichte die Fotos herüber und sofort verflog seine Ernüchterung und er sah das Foto wieder fasziniert an. "Diese reichen für heute.", meinte er amüsiert. Nadja zog ihm eines der beiden Bilder aus der Hand. "Schön, dass ich auch mitreden darf.", kicherte sie und gab ihm einen Knuff. Auch sie starrte wieder auf das Bild und legte unwillkürlich die Hand auf den Bauch.

"Wissen Sie schon was es wird? Junge oder Mädchen?", hakte Nadja nach. Die Ärztin schüttelte den Kopf. "Nein. Es ist selten, dass man das auf dem Ultraschall so früh sieht. Beim nächsten Termin könnte es klappen. Was soll es denn werden?" Nadja zuckte die Schultern. "Ein Junge." "Ein Mädchen.", kam es von Joe fast zeitgleich. "Eins von beidem wird es bestimmt.", schmunzelte die Ärztin.

Wenig später verließen Nadja und Joe die Praxis mit einem Haufen guter Ratschläge. Während Joe fuhr betrachtete Nadja immer wieder die Bilder. "Unser Kind.", flüsterte Nadja leise und griff wieder nach Joes Hand, die auf dem Schaltknüppel lag.

Kommentare:

  1. Tja, 50:50 :-) Die Prognose der Ärztin ist wohl nicht zu widerlegen.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass ein solches, erstes Erlebnis, das man als werdende Eltern gemeinsam erlebt, eine noch stärkere Bindung zueinander auslöst.

    Es muss seltsam sein, auf einem Bildschirm das erste Lebenszeichen zu sehen, das man da zusammen gezeugt hat. Sicher wird einem da das wahre Wunder erst richtig bewusst.

    Wahrscheinlich wird Joe nächstes Mal keine Spur von Unsicherheit oder Nervosität haben, wenn er bei der Ärztin im Wartzimmer sitzt, sondern platzen vor Stolz und Vorfreude auf neue Bilder.
    Ich bin sehr gespannt, was es wird. Und welche Namen die Beiden sich wohl ausdenken werden :-)

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  2. Auf jeden Fall, Kay.
    Das Wunder wird einem aber erst wirklich bewusst, wenn man Kreißsaal ist und sein Baby auf den Bauch gelegt bekommt. Bei meinem ersten Ultraschall hab ich geheult, als ich mein Baby sah, vor Glück natürlich.
    Und ich war auch so ungeduldig, weil man erst ab ca. der 18. Woche das Geschlecht erkennen kann.

    Seltsam ist es überhaupt nicht die ersten Lebenszeichen auf einem Bildschirm zu sehen. Es ist seltsamer wenn man die ersten Tritte und Schläge bekommt, weil einem dann erst richtig bewusst wird, dass da jemand in einem heranwächst. So war es zumindest bei mir.

    Ich frag mich auch, welche Namen die Beiden aussuchen. Aber man soll ja nichts vor der 12. Woche entscheiden, weil es Unglück bringen soll. Bei den nächsten Untersuchungen wird Joe sicher wieder gebannt daneben sitzen.

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