Mittwoch, 3. Oktober 2012

Formell verzichten

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Pierce räusperte sich kurz um auf sich aufmerksam zu machen. Mykola und Pjorczyk fuhren herum. "Ich würde Sie gern kurz sprechen.", meinte er ruhig. "Worum geht es denn?", hakte der Anwalt nach und erhob sich bereits aus seinem Stuhl. "Meine Mandantin würde sich gerne mit Ihrem Mandanten außergerichtlich einigen. Sie war von diesem Prozess und dem plötzlichen Auftauchen ihres Ex-Manes so überrascht, dass sie gar nicht wusste wie sie mit der Situation umgehen soll. Nun würde womöglich ein klärendes Gespräch und eine mögliche Einigung die Sache aus der Welt schaffen. Ich bin recht sicher, dass auch eine anwaltlich abgesegnete und beglaubigte Einigung zwischen den Beiden der Auflage des Gerichts genügen wird."

Pjorzcyk sah seinen Gegner völlig perplex an. "Wie steht es um Ihren Mandanten? Ist er zu einem Gespräch bereit? Wir würden das gern heute Nachmittag vereinbaren, vielleicht für ein frühes Abendessen?", fuhr Pierce fort. "Ich muss das mit meinem Mandanten besprechen.", brachte Pjorczyk nun endlich heraus. Pierce nickte. "Wir warten vor dem Saal." Damit zog er sich zurück.

"Was wollte der?", bohrte Mykola nun nach. "Er hat einen Besprechungstermin vorgeschlagen. Ihre Ex-Frau möchte sich wohl mit Ihnen einigen. Ohne ein Gericht! Ein Vertrag zwischen Ihnen beiden, der das Zukünftige Sorgerechtsverhältnis regelt." Mykola schüttelte ungläubig den Kopf. "Und was machen wir nun?" "Nun, das müssen Sie wissen? Wollen Sie sich mit Ihrer Ex-Frau einigen oder nicht?" Mykola überlegte. So ganz hatte er den Plan noch nicht verstanden. Doch er konnte ja im Zweifelsfall gehen, ohne etwas zu unterschreiben. "Ich bin dabei! Wann soll das sein?", sagte er schließlich. "Heute wohl zum Abendessen. Ich kläre die Details mal gerade ab."


Der Tisch in dem kleinen Nebenraum war für 18 Uhr reserviert. Der Raum hatte zwar keine Tür sondern einen offenen Durchgang, doch der lag bereits in einer Ecke des Gastraumes. Von keinem anderen Tisch aus, konnte man hier hinein sehen. Und wenn man sich gedämpft unterhielt war es auch nicht wirklich möglich belauscht zu werden. Pierce hatte diesen Tisch schon oft für außergerichtliche Einigungen verwendet. Das Restaurant mit vornehmlich italienischer Küche verströmte eine beruhigende Atmosphäre und nach einem Wein konnte man vieles lockerer angehen, als am Fuße eines Richtertisches.

Pierce traf als erster ein und regelte die letzten Details mit dem Kellner. Joe hatte vorher bereits zugesagt, die Rechnung zu übernehmen. So würde man sich also nicht um kleinliche Spesen zanken müssen.
Der Versuch mit Lelya vorab das genaue Angebot und die Verhandlungsgrenzen festzulegen war daran gescheitert, dass sie am liebsten überhaupt nichts bezahlen würde. Nur eins hatten sie festlegen können: Mykola musste das Land verlassen und formell auf sein Sorgerecht verzichten.

Kommentare:

  1. Das ist eine klare Aussage von Lelya, aber ob er da mitmachen wird? Er hat zwar nur ein Touristenvisum aber bei einer Familienzusammenführung mit Nachweis über das Sorgerecht könnte für ihn ja die Möglichkeit bestehen, hier zu bleiben und ein Aufenthaltsrecht zu erwirken. Hofft er darauf? Wenn ja, dann hat Lelya ein Problem.

    Ist es aber wirklich nur die Kohle, die er will, dann sind die Chancen gut. Verzicht auf das Sorgerecht und Ablfug :-) So ein Verhalten kann man kaufen und da sollte Lelya schon mal darüber nachdenken wollen, wieviel sie bereit ist zu zahlen.
    Gibt sie keinen Vorschlag ab, wird Mykola einen V0rschlag machen. Dann gibt es ja immer noch Verhandlungsspielraum, aber Lelya steht mit dem Rücken an der Wand. Wenn Mykola nicht will, dann hat sie ein massives Problem.
    Jetzt wird es wieder spannend. *seufz und hibbel*

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  2. Mykola scheint von einem Gesprächsvorschlag etwas verwundert und überrascht. Hat er womöglich doch nicht nur vor, Geld zu scheffeln? Will er sich nur an Lelya rächen und sie ins Gefängnis bringen? Aber ich denke mit Joes Hilfe werden sie eie Summe finden, bei der Mykola schwach wird und doch Leine zieht. Hoffe ich zumindest.
    Im Zweifelsfall kann Joe bestimmt Thorsten nach diskreten Leuten fragen, die das Problem entgültig aus der Welt schaffen. Und sei es nur, Mykola etwas anzuhängen, so dass er angeklagt wird und für eine laaange laange Zeit gesiebte Luft atmet^^

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