Sonntag, 20. Februar 2011

Noctambule: Fluchtversuch

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule

Marseille 1748

Wie durch Watte nahm Anya die ersten Geräusche wahr, als sie aus der gnädigen Ohnmacht wieder zu sich kam. Verbissen hielt sie ihre Augen geschlossen und versuchte, erst einmal herauszufinden, wo sie war und wer in ihrer Nähe war.
Sie lag nicht, sie saß. Ihr Kopf lehnte in einer Ecke zwischen leicht gepolsterter Wand und weicher Rückenlehne. Fesseln konnte sie keine spüren, aber dafür ein polterndes Schwanken, das ihren Körper rhythmisch erschütterte. Sie war in einer schnell fahrenden Kutsche.


George und Isabelle mussten die Kutsche gewechselt haben. Wo und wie, wusste sie nicht. Ihr Kleid klebte noch immer nass vom Regen an ihrem Körper und allmählich setzte ein Frösteln ein. Nur mit Kraftanstrengung konnte sie in verräterisches Schaudern unterdrücken.
Ein weiteres Geräusch drängte sich in ihr Bewusstsein. Aber erst als das Rauschen in ihren Ohren nachließ, erkannte sie das hemmungslose Stöhnen und Keuchen. Vorsichtig blinzelnd linste sie durch ein Auge in ihre Umgebung. In der Kutsche war es dunkel. Entweder war es noch tiefste Nacht oder die Fenster waren abgedunkelt. Aber sie erkannte die gegenüberliegende Bank und das entrückte Gesicht Isabelles.
Das Männerhemd, das die Vampirfrau trug, war bis zum Bauchnabel geöffnet. Ihre schweren Brüste quollen heraus und wurden fest von Georges Händen geknetet. Feste Stöße ließen den ganzen Körper der Vampirin auf und ab schwingen. Isabelle achtete nicht auf Anya. Erregt wühlte sie in den Haaren von George, der sein Gesicht nun in ihre Halsbeuge grub und über die weiße Haut leckte.
Anya erkannte auch den nackten Hintern von George und Isabelles nackte Beine, die sich um seine Beine schlangen.
Ruckartig stieß George immer wieder zu. Seine Ausdauer schien kein Ende zu haben. Erst als Isabelle die Augen schloss und den Kopf stöhnend zurückwarf, ließ auch er sich gehen. Ein letzter, harter Stoß, er grub sich tief zwischen ihre Beine und verharrte so mit tiefem Stöhnen. In ihrem Orgasmus rissen beide Vampire fauchend die Münder auf und Anya erkannte schaudernd die scharfen Zähne.
Die Erinnerung an Armand traf Anya wie eine Schockwelle. Das letzte Bild von ihm hatte sich fest in ihr Gedächtnis gegraben. Blutverschmiert hatte er dort im Regen gelegen. Sein schönes Gesicht war schmerzverzerrt und voller hilfloser Verzweiflung gewesen, als er ihr hinterher gesehen hatte.
Er hatte ihr einmal gesagt, für einen Menschen sei es schwer, einen Vampir zu töten. Sie spürte die entsetzliche Gewissheit, dass auch ein Vampir an diesen tiefen Bauchverletzungen sterben würde. War er schon tot? Oder litt er noch immer und verblutete dort hilflos? Der Gedanke, Armand nun für immer verloren zu haben, traf sie schmerzlicher als die Erkenntnis, dass sie selbst nicht mehr lange leben würde. Sie musste weg, zurück zu Armand und versuchen, ihn zu retten. Etwas anderes konnte sie nicht mehr denken.

Vorsichtig spannte sie nacheinander die Muskeln ihrer Beine, dann ihrer Arme an, bis sie wieder sicher war, dass ihre Glieder ihr gehorchten. Dann atmete sie einige Male tief durch und schielte noch einmal zu den Beiden, die noch immer ineinander verschlungen auf der gegenüberliegenden Bank hingen.
Ihre Augen öffneten sich vorsichtig. Sie erkannte den Türgriff. Ihr Plan war waghalsig. Aber lieber würde sie sich bei einem Sturz aus der fahrenden Kutsche den Hals brechen, als hier einfach untätig sitzen zu bleiben. Dann fuhr sie hoch. Sie schnappte nach dem Griff der Tür und warf sich gleichzeitig dagegen. Die Tür gab nach, schwang auf und Anya flog im hohen Bogen aus der Kutsche.

Als ihr Körper auf die Steine der Straße krachte, stöhnte sie schmerzerfüllt auf. Ihr Kleid hatte sich kurz in den Kutschenrädern verfangen. Der reißende Stoff bremste ihren Sturz ein wenig, aber trotzdem brannten die Schürfwunden an Armen und Händen. Sie rollte in den Straßengraben und spürte das nasse Gras wie eine Erfrischung unter sich.
Aber sie gönnte sich keine Pause. Angestrengt keuchend richtete sie sich auf, raffte ihr nasses Kleid undamenhaft weit hoch und begann zu rennen. Panisch hörte sie hinter sich die Kutsche anhalten und rannte in den Wald.

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