Dienstag, 5. Oktober 2010

Noctambule: Stunden des Stolzes

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule

Anya fror erbärmlich. Ihre Zähne klapperten aufeinander, ihre Beine versagten zitternd den Dienst. Hunger und Durst quälten sie, aber viel mehr noch diese höllischen Klammern und der Plug, dessen Größe mit jeder Stunde zu wachsen schien. Beides verstärkte zunehmend das Gefühl, dass er über jeden Winkel ihres Körpers die Herrschaft hatte.

Stunde über Stunde hatte sie sich gegen die demütigende Erkenntnis gewehrt, dass es ihr besser gehen würde, wenn sie endlich ihren Stolz überwand und zugeben konnte, dass ihr gefallen hatte, was er in ihr ausgelöst hatte. Sie wusste, sie wollte sich ihm hingeben, sie sehnte sich nach seinen Armen, nach seinem unendlich wohl duftenden Körper und dieser herrlichen Stimme. Sie war der raubtierhaften Ausstrahlung sofort erlegen und begann den Grund für ihre Gefangenschaft hier in diesem Käfig zu erkennen. Sie war geflohen. Alleine das war schon Grund genug für eine Strafe.
Aber darüber hinaus hatte sie ihn angegriffen, seine Macht verleugnet und seine Position angezweifelt. Nie wieder würde sie sich diesen Frevel erlauben. Nie wieder würde sie seinen Unmut erregen. Sie spürte, dass sie dafür geschaffen war, ihm zu dienen und mit ihrem ganzen Körper für sein Wohlergehen zu sorgen. Und nur er war in der Lage, diese Pein hier zu beenden.


Seine große Figur war von außen nicht zu erkennen, denn das Zimmer, in dem er stand, war dunkel. Mit ernstem Blick und maskenhaft starrem Gesicht stand er seitlich am Rand des Fensters und sah genau auf den Käfig. Seine dunklen Augen lagen betrachtend auf dem nackten Körper seiner Gefangenen.
Sie hatte den Kopf gehoben und an nach oben gestreckten ihren Oberarm gelehnt. Ihre Augen fixierten den Punkt, an dem er aus ihrem Sichtfeld verschwunden war und er las darin die verzweifelte Hoffnung, dass er zurückkam. Ihre Unterlippe bebte, ganz offensichtlich kämpfte sie mit den Tränen, die in ihren herrlichen Augen brannten.
Sein Blick hing auf der pulsierenden Ader ihres schlanken Halses und leichter Hunger meldete sich. Er hatte sich einen tiefen Biss in ihren Hals versagt. Dennoch war er seiner Gier erlegen. Zu süß und frisch hatte ihr Blut in dem Moment ihres Höhepunktes gerochen, als dass er hatte widerstehen können.
Hastig hatte er seine Zähne zurückgezogen und erleichtert festgestellt, dass er gerade noch rechtzeitig seine Beherrschung wiedererlangt hatte. Sie zu töten oder gar zu einem Wesen wie ihn zu machen, lag nicht in seiner Absicht.
Und doch hatte der Biss in ihm etwas Neues ausgelöst. Zu köstlich hatte ihr Blut geschmeckt, er atmete tief ein, als ihn die Erinnerung daran beutelte.
So vielen Menschen hatte er bereits das Leben entzogen, sich genährt und gesättigt an ihnen. Aber noch nie, nicht ein einziges Mal, hatte alleine der Geruch der Angst solch ein Begehren in ihm ausgelöst. Und schon gar nicht dieses körperliche Verlangen, das ihm fast den Verstand raubte. Diese Kleine dort draußen hatte keine Ahnung davon, wie sehr er ihr bereits verfallen war.

Nun stand sie dort, bebend ihrer Lust überlassen, die sie noch nicht bereit war zuzugeben. Oh, er spürte sehr genau, was sie empfand. Der Plug würde bald zu einem quälenden Störfaktor werden, die Klammern würden einen dauerhaften Druckschmerz ausüben und die Striemen seiner Schläge erinnerten sie jetzt schon an die Folgen ihres Ungehorsams, die sie auch in Zukunft erwarten würden.
Die Demütigung, die ihr zuteil wurde, würde ihr jetzt mit jeder Minute klarer bewusst werden. Er war neugierig, wie lange sie brauchen würde, um zu erkennen, dass sie den ihr zugewiesenen Platz annehmen wollte, dass die Demütigung und Unterwerfung genau dem entsprach, was sie brauchte und ihr Leben lang gesucht hatte.


Feine Regentropfen an den Fensterscheiben trübten seinen Blick auf seine kleine Dienerin in dem Käfig. Ein kurzes Lächeln zuckte um seine Mundwinkel. Sie begann zu stöhnen, als die kalten Tropfen ihre erhitzte Haut trafen. Ihre blonden Haare wurden zusehends nasser, strähniger und hingen in ihr Gesicht.
Die Kälte erzeugte eine Gänsehaut auf ihrem Körper, die Nässe wusch den Schmutz ihrer Flucht in kleinen Bächen von ihrem Leib. Durstig hob sie den Kopf und ließ die Tropfen in ihren geöffneten Mund fließen. Sein Blick legte sich lüstern auf ihre gestreckte Kehle.

Was für ein Bild. Er zügelte seine Gier und zwang sich zur Geduld. Reglos blieb er hinter dem Fenster verborgen und überließ sie dem beängstigenden Gefühl der Einsamkeit. Sie musste lernen, wie wohltuend seine Nähe für sie war, sie musste erst die Schutzlosigkeit empfinden um seinen Schutz anerkennen und genießen zu können und sie musste die Demut erfahren, die sie ihm zu zeigen hatte, wenn sie in Kürze bereit war, sich ihm zu unterwerfen.
Längst hatte der Regen aufgehört und die kälteste Zeit der Nacht brach an. Eine Stunde vor Sonnenaufgang. Immer wieder hob er unruhig seinen Blick an den Horizont. Die aufgehende Sonne würde ihn in ein Dilemma bringen.
Er würde sie nicht mehr schützen können, nicht mehr zu ihr hinauseilen und sie in seine Arme schließen können, wenn ihr Wille nicht rechtzeitig nachgab. Konnte in diesem kleinen, zarten Körper so viel Kraft stecken?
Wusste sie, wo seine Schwäche lag? War diesem winzigen Biest da draußen bewusst, wo der einzige Faktor war, der sie siegen lassen würde? Mit leichtem Bedauern neigte er ein wenig den Kopf.
Sie würde auf jeden Fall verlieren. Sollte sie nicht nachgeben, musste er sie holen. Aber dann hatte sie auch keinen Wert mehr für ihn. Nach einer einzigen lustvollen Nacht würde er sich an ihr laben und ihren Körper wie alle anderen auch verschwinden lassen. Das wäre zu schade.

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