Donnerstag, 7. Oktober 2010

Noctambule: Am Kamin

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule

Lange stand er so mit ihr im Arm vor dem Kamin. Noch immer zitterte sie heftig, aber ihre Tränen versiegten und sie begann sich zu beruhigen. Es schien ihn keinerlei Anstrengung zu kosten, ihren kleinen Körper zu halten. Mit einer sanften, weichen Bewegung beugte er sich nun aber doch vor und legte sie vorsichtig auf dem weichen Fell vor dem Kamin ab.

Während Anya sich sofort in eine Embryostellung rollte, ging er durch den Raum und zog die schweren Vorhänge vor die Fenster. So sperrte er das anbrechende Tageslicht aus, dann setzte er sich wenige Schritte von ihr entfernt in einen der tiefen Sessel und betrachtete sie.
Wieder fingen sich ihre Blicke schweigend. Anya wärmte sich an dem Feuer und genoss die Entspannung ihrer Muskeln.
In ihrem Kopf kreisten die Gedanken. Er hatte sie dieser Strafe ausgesetzt und sie ebenso wieder dort herausgeholt. Er schien besorgt um ihr Wohlergehen zu sein und genau abzuschätzen, was er ihr zumuten konnte.
Noch schien sie nicht den Status erreicht zu haben, irgendeine Regung von ihm erfahren zu dürfen. Sie hatte ihn ja noch nicht einmal nackt gesehen. Nicht einmal seinen Schwanz hatte sie gesehen, nur gefühlt. Offenbar gehörte es zu ihren ersten Aufgaben, ihren Status zu verbessern. Nur wie?
Was konnte sie tun, um ihm zu beweisen, dass sie seine Herrschaft anerkannte? Worte würden nicht genügen. Sie brauchte Taten. Und alles, was ihr einfiel, demütigte sie bereits in Gedanken. Hatte sie eine andere Wahl? Vielleicht war genau das der Weg, um seine Anerkennung zu erhalten? Mit einiger Überwindung traf sie ihre Entscheidung.

Er kämpfte immer noch gegen seine Gier an. Nach außen hin scheinbar ruhig und gefasst, tobte in ihm die Lust, über das Mädchen herzufallen, seine Gier an ihr zu befriedigen und endlich seinen Hunger zu stillen. Sie übte einen faszinierenden Zauber auf ihn aus.
Längst war sein Hunger von etwas anderem abgelöst worden, etwas, was er schon lange nicht mehr erlebt hatte und was er sich nicht mehr erhofft hatte. In seinem langen Leben waren immer wieder schöne Frauen aufgetaucht, die eine für ihn kurze Zeitspanne Licht in sein nächtliches Leben gebracht hatten.
Doch noch nie hatte er dieses Verlangen in sich gespürt, diese unbändige Lust, sie zu seinem Eigentum zu machen, sich ihrer zu bedienen und dabei diese brennende Leidenschaft in ihr zu wecken, die dieses Mädchen hier in sich trug.
Er spürte ihr Verlangen, war verblüfft von ihrer tiefen Hingabe, zu der sie fähig war. Sie selbst war sich dessen noch nicht bewusst gewesen. Er hatte es geweckt und nun, so nahe vor seinem Ziel, kochte sein Verlangen hoch und drohte in einer Art und Weise auszubrechen, die beiden schaden würde.
Sie war zu verwirrt und zu sehr mit ihren eigenen Gefühlen beschäftigt, um seine Not zu bemerken. Er hätte sie gern weiter in seinen Armen gehalten, ihr seine Zärtlichkeit gezeigt, zu der er fähig war. Aber er traute seiner eigenen Beherrschung nicht und hatte sie wie kostbares Glas auf das Fell gelegt, um Abstand zu ihr zu gewinnen.
Selbst jetzt, nach seiner Flucht in den Sessel, musste er sich bezwingen. Seine Nasenflügel bebten immer wieder, wenn er ihren Duft aufnahm. Gefühle, von denen er glaubte sie seien mit den anderen Frauen gestorben, brachen auf und verlangten tobend nach Erwiderung.
Aber jetzt musste er aufpassen und mit höchster Vorsicht vorgehen.

Nie wieder würde er seine alten Fehler wiederholen. Nicht noch einmal wollte er durch seine Gier alles zerstören. Seine schwarzen Augen ruhten auf ihr, keine Regung entging ihnen. Nicht ihr vorsichtiges Ausstrecken des zarten Beines, nicht ihr unsicherer Blick zu ihm, als sie begann, sich langsam aufzurichten. Ihre blonden Haare waren am Feuer getrocknet und flossen leuchtend über ihre Schultern.
Sie verdeckten die schönen Brüste, als sie sich mit weichen, weiblichen Bewegungen auf Hände und Knie erhob und begann, zu ihm zu kriechen.
Seine Finger zuckten, würden so gerne nach ihr greifen und sie auf seinen Schoß ziehen, doch er traute ihnen nicht. Mühsam unterdrückte er das animalische Knurren, das ihr scheuer Blick auszulösen drohte, als sie vor ihm kniete.
Er schaffte es nicht.. ein bedrohliches Knurren erklang für drei Sekunden, bevor er sich wieder unter Kontrolle hatte. Es genügte. Anya zog den Kopf ein und stieß ein kleines Wimmern aus. Ihre Haltung blieb geduckt und ängstlich, wieder durchdrang der betörende Duft süßer Angst seine Nase.
"Ich will gehorchen, Herr! Ich weiß, dass ich dir gehöre.. ich habe verstanden" stieß sie hervor und hob den Kopf wieder zu ihm. Irgendetwas in ihm löste sich, die konzentrierte Anspannung ließ nach und machte der freudigen Anspannung Platz.
Er hatte gewonnen! Nur das Wichtigste fehlte noch. Er brauchte ihr Vertrauen. Sie musste aufhören, ihn als Bestie zu sehen und sich ihm aus freien Stücken völlig verschreiben. Ein hartes Stück Arbeit. Eine Herausforderung.

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