Samstag, 3. September 2011

Lass mich nicht dumm sterben

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja ließ sich von Mary in den Arm nehmen. Sie seufzte einmal sehr tief und hoffte damit die Tränen doch noch aufhalten zu können, doch vergeblich. Längst rannen sie in Strömen aus ihren Augen und nach und nach mischten sich auch Schluchzer dazu. Mary kapierte nicht, was gerade passierte. Stumm stand sie neben Nadja und hielt sie einfach nur fest. Nadja drückte sich schließlich in den Arm ihrer Freundin und hielt sie einfach nur fest. Auch wenn sie nicht die geringste Ahnung hatte, was gerade mit Nadja los war.

Schließlich löste Nadja sich und kramte in ihrem Rucksack nach einem Taschentuch und versuchte sich wieder zu sammeln und in Ordnung zu bringen. Einmal mehr war sie froh, dass sie in der Schule keine Schminke trugt. Diese wäre spätestens jetzt bereits ruiniert gewesen. "Was ist denn los?", fragte Mary immer noch ganz perplex, "Ich wollte doch bloß wissen, wie das so mit dir und Jurina wirklich war und woher ihr euch kennt und so.", meinte sie etwas kläglich. Nadja seufzte noch einmal.

"Das ist alles nicht so einfach zu erklären.", meinte sie sehr fest, "Und ich habe es dir bisher nicht erzählt, weil es auch für mich schwer ist, darüber zu reden." Mary nickte stumm. Sie hatte keine Ahnung, was sie darauf sagen sollte. "Ich sage es dir, wenn ich soweit bin. Okay? Kannst du es bis dahin aushalten? Frag mich bitte nicht danach. Ich möchte dir nichts vorlügen. Es ist eigentlich alles wahr gewesen, was ich dir erzählt habe. Und auch was Jurina gestern über sich und mich erzählt hat. Aber es fehlen eben einige Informationen, ohne die das, wie du ja gemerkt hast, keinen Sinn macht."

"So schlimm?", flüsterte Mary betreten. Nadja nickte: "Bitte.", schob sie noch einmal eindringlich hinterher. Jetzt nickte auch Mary. "Okay. Das Thema ist vom Tisch. Aber lass mich nicht dumm sterben, ja?", vergewisserte sie sich noch einmal. Nadja musste etwas lachen und tupfte die letzten Tränen aus ihrem Gesicht. "Versprochen! Aber jetzt muss ich erstmal in den Waschraum bevor ich nach hinten an die Tribüne komme. Magst du vorgehen?" Mary nickte wieder und ihre Wege trennten sich.

Mary wusste nicht recht, was sie davon jetzt halten sollte. In ihren Gedanken sponnen sich die wildesten Storys zusammen, wie das so alles gekommen sein könnte mit Nadja und Jurina und warum sie auf einmal auftauchte. Warum sie jünger als Nadja war und dennoch nicht zur Schule ging. Da war viel zu erklären. Aber ihr spukte auch Nadjas heftige Reaktion im Kopf herum. Entweder war Nadja eine verflucht gute Schauspielerin, oder es war wirklich mehr an der Geschichte dran, als sich auf den ersten Blick wohl zeigte. Seufzend schob Mary das Thema in ihrem Kopf beiseite und widmete sich den Freundinnen an der Tribüne und ihren fehlenden Geschichtshausaufgaben.


Nadja ließ sich kaltes Wasser in die Hände laufen und wusch immer wieder damit ihr Gesicht. Doch die Spuren des Weinens ließen sich davon nicht so wirklich beeindrucken. Es war mehr ihre natürlich kurze Dauer, die sie langsam verschwinden ließ. Als sie mit ihrem Anblick wieder zufrieden war, wischte sie sich das Gesicht noch vorsichtig mit den Papierhandtüchern trocken. Der Gedanke Mary einzuweihen in die Vergangenheit war gleichzeitig erleichternd und bereitete ihr Übelkeit.

Bei den Neuigkeiten über ihre Verlobung hatte sie kaum den Mund halten können. Aber die Wahrheit, wie sie Jurina kennengelernt und zu Joe gekommen war, war eben etwas anderes. Das waren keine frohen Nachrichten, die man gern erzählte. Dennoch wäre es etwas, was sie mit Mary tief verbinden würde, wenn sie sie einweihte. Nur wusste sie nicht, ob sie das je könnte. Sie hatte diese Kapitel ihers Lebens ganz tief in ihren Erinnerungen vergraben und nun drangen sie wieder an die Oberfläche. Und was sie dabei an Gefühlen mitbrachten war keineswegs angenehm.

Kommentare:

  1. Da muss ich ja mal meinen Hut ziehen vor Nadja. Das hat sie gut hinbekommen. Nun ist Mary für einige Zeit verstummt und sie selbst muss nicht lügen.
    Eigentlich ist Jurinas Auftauchen das Beste, was Nadja passieren konnte. Bisher hat sie einfach nur verdrängt und früher oder später wäre es sowieso noch einmal an die Oberfläche geraten. Und dann vermutlich zu einem völlig unpassenden Moment.
    Jetzt rückt gedanklich das Baby doch ein wenig in den Hintergrund, weil etwas viel tieferes verarbeitet werden muss. Ich hoffe ja doch, dass Jurina da ein wenig helfen kann, denn auch Jurina hat einen gewissen Pragmatismus. Wie gut, dass gerade zwei Menschen da sind, die ihre Vergangenheit kennen und ihr beistehen können.
    Ich hoffe ja nur, dass nun nicht Nadjas Schulleistung darunter leiden muss. Da können die Gedanken schon einmal unerwünscht oft abschweifen.

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  2. Ich finds komisch, dass Nadja bei allen Problemen und Schwierigkeiten immer gleich heult! Sie ist zwar erst 17, führt aber eine Beziehung wie eine 30jährige sie sich wünschen würde. Dennoch find ich das Geheule manchmal von ihr irgendwie albern. Da wirkt sie dann eher wie 12. Oder war ich als 17j. auch so?! Hm,... mal überleg...
    C.H.

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