Mittwoch, 22. September 2010

Verliebt

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Immer noch wie gelähmt saß Nadja auf dem Sofa im Wohnzimmer und starrte zur Türe, durch die Joe gerade verschwunden war um seinen Vater zu begrüßen. Was hatte Mama da gesagt? Sie wäre die Frau im Haus? Hastig versuchte sie ihre Gedanken zu ordnen. Bisher hatte sie nie über eine Rollenverteilung zwischen ihr und Joe nachgedacht. Sie fühlte sich in der Position als Anhängsel sehr wohl.

Ihr Streit damals um den Autounfall und ihre mangelnde Bereitschaft sich zu entschuldigen hatte sein Übriges dazu beigetragen, dass sie auch nicht gegen Joes Entscheidungen aufbegehrte. Es war sein Haus, in das sie eingezogen war und sein Geld, dass sie ausgab. Welches Recht hatte sie, hier Regeln aufzustellen oder gar die Geliebte seines Vaters hinauszubitten, wenn Joe selbst das nicht wollte?

Maria sah sie gelangweilt an. Sie hatte natürlich die Worte verstanden, was Lelya und Nadja geredet hatten. Aber worum es dabei gegangen war hatte sie nicht wirklich kapiert. "Was ist denn los mit der Freundin von Joes Papa?", erkundigte sie sich jetzt und riss Nadja aus ihren Gedanken. Die wandte den Kopf wie in Zeitlupe hinüber. "Nichts ist los. Magst du spielen gehen? Ich komm gleich zu dir.", bat Nadja dann. Maria schob schmollend die Unterlippe vor aber spürte, dass es hier besser wäre auf die große Schwester zu hören und tapste von dannen um sich dem zahlreichen Spielzeug in ihrem Zimmer zu widmen.

Nadjas Gedanken kreisten immer weiter und wollten einfach nicht zur Ruhe kommen. Sie dachte an die ersten Tage im Haus, und wie sie sich daran gestört hatte, von seiner Gnade abhängig zu sein. Und sie spürete, dass dieses Gefühl nach und nach gewichen war. War sie nun wirklich seine 'Frau', mit oder ohne Ring? Eine Gänsehaut lief ihr über den Rücken. Das Gefühl der ersten Tage war wieder da. Sie hatte ein Ende der Beziehung nie in Betracht gezogen. Zu sehr war sie noch, wie am ersten Tag verliebt in 'ihren' Joe. Aber war er wirklich ihrer? Oder war nicht vielmehr sie seine Gespielin? Ein hübsches Püppchen, dass im Haus gehalten wird und von dem die Öffentlichkeit nie die wahre Rolle erfahren durfte?

Ihr Gesicht wurde abwechselnd heiss und kalt. Sie ballte die Hände zu Fäusten, bis die Knöchel weiss wurden und es weh tat. Eine einzige Bemerkung ihrer Mama hatte die letzten Monate und all ihre Gefühle, ja die ganze Beziehung, in Frage gestellt. Warum mussten Familienangelegenheiten immer so verflucht kompliziert sein?

Sie hörte Stimmen vor der Türe und konnte gerade noch aufspringen und durch die andere Türe in den hinteren Teil des Hauses entwischen. Schnell flüchtete sie sich in die Gästetoilette und klatschte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Sie mahnte sich zur Ruhe und trocknete sorgfältig das Gesicht. Ratlos setzte sie sich auf den Toilsettendeckel. Jetzt musste sie dringender denn je allein mit Joe reden. Und ausgerechnet jetzt saß er bei seinem Vater im Wohnzimmer den er monatelang nicht gesehen hatte. Wie sollte sie ihn da wegbekommen? Möglichst ohne seinem Vater oder der Sekretärin zu begegnen.

Ihr kam eine Idee und sie zückte ihr Handy aus der Hosentasche. Schnell tippte sie eine SMS: 'Ich sitz in der Gästetoilette vor dem Ausgang zum Garten und ich muss dringend mit dir reden. Allein. Bitte komm her.' Mit Herzklopfen sendete sie die Nachricht ab. Sie entriegelte die Türe, damit Joe hereinkommen könnte und wartete.

Oben im Haus piepste ein Handy, dass auf dem Tisch lag. '1 Neue Nachricht' stand im Display.


Garry goss neuen Champagner in die Gläser und reichte Eleonore Eines. Sie waren nun seit Stunden in seiner Wohnung und kaum, dass sie sich ausgezogen hatte, war ihm wieder eingefallen, warum er sie abgeholt hatte. Eleonores Körper war trotz ihres Alters makellos. Er wusste nicht, ob sie nachhelfen lies. Aber eigentlich war es ihm auch egal. Er genoss ihr Liebesspiel, bei dem sie sich devot seinen Wünschen hingab. Nur wenige Frauen ließen sich so wollüstig von ihm benutzen. Zu Willen waren ihm alle seine Gespielinnen. Doch Eleonore war etwas Besonderes. Er musste seine Wünsche nichteinmal aussprechen. Sie las ihm jede Forderung von den Augen ab und setzte sie mit spielerischer Selbstverständlichkeit um.

Die Gläser klirrten aneinander und der zweite Grund warum er sie nicht wegschicken konnte fiel ihm ein. Eleonore hatte Klasse. Sie war eine intelligente Frau und kein hirnloses Flittchen, dass man nach dem Sex am liebsten nach Hause schicken mochte. Und so oft er behauptete, gerade das seichte Gemüt machte die Frauen erst attraktiv, so sehr sehnte er sich doch danach mit Eleonore zu reden und die Beziehung nicht auf das Bett beschränkt zu halten.

Er trank einen Schluck aus dem teuren Glas als ihn der dritte Schlag des Abends traf. Er hatte sich verliebt.

Kommentare:

  1. Wie jetzt? Erst will er sie loswerden und hatte keinen Gedanken an Eleonore verschwendet, solange sie nicht in seiner Nähe war. Dann beschließt er, sie noch einmal zu benutzen und dann vor die TÜr zu setzen. Und nun hat er sich verliebt? Weil sie gut im Bett ist und man danach mit ihr reden kann? Fehlt da nicht ein bisschen was von Charakter und Gemeinsamkeiten, von Freude über den Menschen an seiner Seite und von Vermissen, wenn dieser Mensch nicht da ist? Ich glaub, Garry ist mir unsympatisch :-)

    Tja, und Nadja wird wohl lange auf der Gästetoilette sitzen müssen, bis sie mal von Joe entdeckt wird. Der ist ja wie ich und lässt sein Handy überall rumfliegen *lach*

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  2. also die widersprüche häufen sich hier gewaltig....

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