Freitag, 10. Dezember 2010

Noctambule: Rückblick - Gefangene Adaliz

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule

Toulouse 1238

Die Beziehung hatte sich verändert. Armand hatte sich verändert. Seit jener Nacht behielt er die temperamentvolle Adaliz im Auge. Seine Wut hatte sich zwar mit den Jahren wieder gelegt, aber in ihm ruhte seit ihren verletzenden Worten eine gewisse Aggressivität. Immer öfter stritten sich die Zwei, dass die Fetzen flogen. Fast immer endete es in heftigem, fast gewaltsamem Sex und es schien Armand beinahe so, als würde sie genau das provozieren.
Teilweise neigte sie zu verächtlichen Worten, dann wieder wählte sie verletzende Begriffe, die seinen Zorn wieder aufflammen ließen. Kräftemäßig war er ihr weit überlegen. Dafür war sie schneller und weniger und er musste aufpassen, dass sie ihm nicht entwischte, wenn er sie zu bändigen versuchte.


Genau das aber führte zu den Kämpfen, die für Adaliz ein Spiel zu sein schienen. Armand hingegen meinte es völlig ernst. Sie gehörte ihm. Immer wieder verkündete er diesen Besitzanspruch und jedes Mal lachte sie ihn dafür aus.
"Ich gehöre nur mir selbst!" war ihre Antwort, meistens begleitet von ihrem silberhellen Lachen. Sie lachte ihn noch aus, wenn er sie an die Wand donnerte und dort festhielt. Er brauchte Kraft, aber schon längst kannte er ihre kleinen Tricks und achtete darauf, ihr keinen Spielraum zu geben. Und sie lief Gefahr, zu weit zu gehen mit ihren Sticheleien.
Auch jetzt, so viele Jahre nach diesem Vorfall, ließ Armand seine rothaarige Gefährtin nicht aus den Augen. Nicht einmal bei der Jagd, was sie extrem störte. Aber sie hatte aufgehört ihn mit kleinen Tricks loswerden zu wollen. Er war immer in der Nähe, das wusste sie. Nun hoffte sie darauf, sein Vertrauen dadurch zurück zu gewinnen, indem sie spürbar davon ausging, nicht mehr alleine loszuziehen. Sie wollte ihn damit langweilen, bis er sie alleine los schickte.
Aber Armand glaubte sie zu durchschauen und setzte auf seine neu gewonnene Dominanz.
"Wir gehen heute nirgendwo hin." bestimmte er eines Tages in aller Ruhe, während beide vor dem Kamin in den Sesseln lümmelten. Armand genoss ein Glas Wein und stierte ins Feuer. Adaliz funkelte ihn aus ihrem tiefen Sessel an.
"Achja? Ich bin seit Tagen unruhig, ist dir das nicht aufgefallen?" zischte sie verärgert. Armand nippte genussvoll an seinem Glas und ließ sich mit der Antwort viel Zeit.
"Du bist immer unruhig, Adaliz. Und da ich heute nicht jagen will, werden wir nicht losziehen." bestimmte er ruhig und betrachtete sie durch die halb gesenkten langen Wimpern. Adaliz bleckte kurz ihre scharfen Zähne und stieß ein Fauchen aus.
"Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Mit welchem Recht bestimmst du meine Jagdzeiten, du…"
"Ich.. was? Ich Unreiner? Bastard? Abschaum? Hör auf damit, es trifft mich nicht mehr. Du hast es zu oft gesagt." er deutete ein gelangweiltes Gähnen an, das er vornehm hinter der Hand versteckte. Er wusste, dass er Adaliz damit noch mehr reizte. Sie beugte sich vor und stütze ihre Ellbogen auf ihre schlanken Oberschenkel.
"Wenn du immer nur faul im Sessel hängst, ist es kein Wunder, dass du nicht hungrig bist. Ich brauche was! Los, komm schon!" Sie versuchte ein lockendes Schnurren in ihre Stimme zu bringen und fixierte Armand mit ihren grünen Augen. Er musterte sie ungerührt und streckte bequem die Beine noch weiter aus.
"Ich sagte, ich habe keine Lust." erklärte er ruhig. Adaliz Kopf ruckte ein wenig weiter zu ihm herum.
Mit einer hitzigen Bewegung schnellte sie aus dem Sessel hoch, doch ihr Wegdrehen wurde abrupt gebremst, weil seine Hand vorschoss und ihr Handgelenk wie eine Eisenklammer umschlang.
Adaliz' grüne Augen begannen sich in Sekundenbruchteilen zu verändern und funkelnd zu leuchten. Mit einem wütenden Fauchen holte sie aus, um mit ihren Fingernägeln eine lange Kratzspur über seinen Handrücken zu ziehen.
Armands Reaktion war sogar für Adaliz' Augen zu schnell. Alles geschah gleichzeitig. Das Weinglas flog in den Kamin und der Inhalt verdampfte zischend. Armand schoss aus dem Sessel hoch, fing ihre freie Hand ebenfalls ein und schleuderte sie auf den Fußboden.
Die Wucht ließ sie einige Meter über das Parkett schlittern. Wieder hatte sie keine Zeit zu reagieren, denn wieder war er sofort über ihr.
Breitbeinig kniete er über ihr und griff zu seinem lockeren Zopf, der von einem ledernen Band gehalten wurde. Mit einem einzigen Ruck riss er es ab, schüttelte es auf und begann, ihre Hände damit zu fesseln. Ihr wütendes Strampeln schien ihn überhaupt nicht zu stören.
"Lass mich los! Bastard!" Ihr messerscharfes Gebiss versuchte nach seinen Händen zu schnappen und mit den Beinen strampelnd mühte sie sich ab, ihn von sich herunter zu schleudern. Amüsiert grinsend fesselte er ihre Hände fest zusammen und stand auf. Ohne sichtbare Anstrengung zerrte er die am Boden Liegende einfach hinter sich her bis zur Wand. Dort zog er sie an den Fesseln hoch und hängte sie mit Schwung an einen Haken, der früher ein massives Holzregal gehalten hatte.
Zappelnd trat sie um sich als er mit einem amüsierten Grinsen zurück trat. "Was soll das? Du weißt genau, dass ich mich so befreien kann!" giftete sie und zog bereits die Beine an, um sich von der Wand abzustoßen. Seine Hand schnellte vor und packte ihren linken Fuß. Er riss ihn wieder herunter und nahm ihr damit die Stütze zum Absprung. Sie hing hilflos an ihren Armen.
Was bis eben noch ein einfaches Machtspielchen gewesen war, löste mit einem Schlag bei Armand eine ihm völlig neue Art der Erregung aus, als er sie wehrlos dort hängen sah. Ihr Gesicht wurde von den feuerroten Locken umrahmt, was ihre blasse, zarte Haut noch mehr hervorhob. Ihre schönen Augen schienen Funken zu versprühen, als sie versuchte, ihren Fuß zu befreien.
Armand griff einfach nach dem Vorhang neben sich und riss ihn herunter. Polternd landete die Vorhangstange zu seinen Füßen. Er schüttelte den Stoff und fischte eines der beiden Vorhangbänder aus festem, schwerem Brokat heraus, das er sofort fest um den bestiefelten Knöchel zu binden, den er immer noch festgehalten hatte. Das war nicht ganz einfach, denn noch immer zappelte sie und versuchte, ihn zu treten. Mit einiger Anstrengung band er die Vorhangstange an dem Knöchel fest und suchte nach dem zweiten Band.
Nachdem er auch ihren zweiten Fuß an der Stange gefesselt hatte, hing Adaliz mit weit gespreizten Beinen hilflos an der Wand. Atemlos funkelte sie ihn an. Sie wusste, dass sie wieder einmal verloren hatte, aber das Spiel hatte sich verändert. Das hier war kein gemeinsamer Kampf mehr. Sie war ihm ausgeliefert und diese Erkenntnis traf sie wie eine heiße Welle.

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