Donnerstag, 30. Dezember 2010

Die ganze Welt verklagen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Joe wollte die ganze Welt verklagen. Er wollte den Intelligencer verklagen, für die Veröffentlichung der Fotos, er wollte Martin verklagen, weil er sie geschossen hatte und er wollte den Sicherheitsdienst der Comunity verklagen, weil sie ermöglicht hatten, dass er trotz strikter Kontrollen mit zwei Fotos nach draußen gelangt war. Es dauerte eine ganze Weile, bis Grant ihn soweit beruhigt hatte. "Wir müssen das mit Verstand angehen, Joe.", entschied er schließlich.

Joe atmete tief durch und ließ sich neben Grant auf das Sofa fallen. "Ich hätte es ahnen sollen.", seufzte er und sah Grant nun etwas gequält an. "Also sag mir, was wir tun können." Grant nickte langsam. "Gegen Martin läuft bereits ein Verfahren, wegen Hausfriedensbruch. Dem Sicherheitsdienst kannst du nicht ans Zeug flicken. Die haben halt einen Fehler gemacht. Aber du weisst selbst, wie klein so eine Speicherkarte ist. Die hätte er überall verstecken können. Sei lieber froh, dass dein Butler so aufmerksam war und es nur zwei so beschissene Fotos gibt. Wäre der nicht gewesen, gäbe es vermutlich mehr als diesen Mist."

Joe zuckte die Schultern. "Dem Intelligencer hat es zur Veröffentlichung gereicht." "Der Intelligencer ist ein Schundblatt! Wir müssen uns nur jetzt für eine Position entscheiden. Wir haben drei zur Auswahl. Erstens: Kein Kommentar, und warten, bis die sache abgeflaut ist. Das kommt allerdings einem Eingeständnis quasi gleich. Zweitens: Ein Eingeständnis und eine Berufung auf die tatsächliche Form der Beziehung. Davon würde ich dir aber auch auf jeden Fall abraten, wenn noch Möglichkeit drei zur Auswahl steht. Nämlich: Abstreiten! Das Problem ist nur, dass wir dann erklären müssen, wer da oben, bei wem, auf dem Schoß gesessen hat. Denn, dass das dein Haus ist kannst du nicht bestreiten."

"Wie soll das denn funktionieren?", maulte Joe. "Wenn es mein Haus ist, wer soll denn dann auf den Fotos sein, außer mir und Nadja." Grant grinste. "In deinem Haus leben doch noch mehr Menschen. Dein Butler schlägt doch sicherlich eine Prämie nicht aus? Gerade, wenn er dafür nur behaupten muss, dass er auf dem Stuhl sitzt und seine Freundin auf dem Schoß!" Joe runzelte die Stirn. "Und du meinst das klappt? Er war es doch, der Martin im Garten festgenommen hat." Grant lehnte sich zurück und machte ein vielsagendes Gesicht. "Du bist der Computerfreak. Du hast gesagt, die Fotos sind manipuliert. Wir müssen es nur verkaufen können. Es kann auch die Köchin mit ihrem Freund sein. Oder Nadja mit einem Teenyfreund und eben nicht mit dir. Wir brauchen irgendeine Zeitung mit etwas mehr Niveau, die, zumindest noch, nicht darüber berichtet hat. Dann ersticken wir die Nummer im Keim und zwingen den Intelligencer zu einer Gegendarstellung."

Einmal mehr atmete Joe tief durch. "Deshalb bist du Anwalt und ich nicht." "Genau! Und jetzt besorg uns mal was zu trinken. Mir klebt ja schon die Zunge am Gaumen." Joe wirkte langsam etwas gelöster, wenn auch noch nicht vollständig beruhigt. Er ging zur Türe. "Brenda, würden sie uns bitte Getränke bringen?", rief er hinaus. "Sehr wohl, Sir.", nickte die Sekretärin. Sie hielt einen Finger an die Kaffeetasse. Er war längst erkaltet. Also goß sie eine neue Tasse voll und stellte auch eine frische Cola aus dem Kühlschrank dazu und stand mit dem Tablett auf. Sie warf einen Seitenblick auf Aaron. Doch der saß brav auf seinem Sofa und spielte mit irgendeinem elektronischen Gerät herum.

Brenda klopfte an die Türe und öffnete sie dann, ohne abzuwarten. So tat sie es immer, wenn sie gerufen worden war. Lächelnd stellte sie die Getränke vor Joe und Grant ab. Dann richtete sie sich wieder auf. Kurz schloss sie die Augen. "Draußen sitzt ein junger Mann von der Seattle Times. Er würde Sie gerne sprechen. Er sagt, seine Zeitung sei davon überzeugt, dass es sich bei den Fotos um Fälschungen handele." Brenda schluckte kurz. Hoffentlich war das nun richtig gewesen. "Sehr gut Brenda. Schicken sie ihn nicht weg. Ich werde mich gleich mit ihm befassen.", übernahm Grant das Antworten. Brenda fiel ein Stein vom Herzen und sie huschte hinaus.

Kommentare:

  1. Wie gut, dass es Grant gibt. Aber das wird ne schwere Sache. Joe muss quasi zugeben, dass in seinem eigenen Arbeitszimmer fremde Leute sitzen und auch noch Schweinkram betreiben. Und das vielleicht, während er schon selig schläft oder im Wohnzimmer Fern sieht.

    So oder so bleibt das eine schwere Angelegenheit. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.

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  2. Aber Nadja wollte doch so gern nicht mehr Lügen wollen !!!

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