Sonntag, 26. Dezember 2010

Noctambule: Angstvolle Lust

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule

"Habe ich dir nicht genug Freiraum gegeben für deine Bedürfnisse? Hast du nicht genug Vertrauensvorschuss von mir bekommen? Reichen dir schöne Kleider und ein Haus voller Diener nicht aus?" Er riss ihren Kopf in den Nacken und zwang sie, in seine nun zornig glühenden Augen zu sehen. Wieder wimmerte sie leise. Flehend starrten ihre blauen Augen in seine Schwarzen. Das alles würde sie sofort hinwerfen, wenn er dafür nur diesen Zorn ablegen würde. Aber wie sollte sie ihm das beweisen?
"Bitte bestraf mich, Herr! Tu mit mir, was du willst! Aber glaub mir, ich wollte dich nicht lächerlich machen!"


Armand starrte sie lange an. Ihre Stimme war flehend und stammelnd. In ihren schönen Augen schimmerte es feucht und gleichzeitig leuchtete ihm ihre Angst entgegen. Ihr Herzschlag trommelte laut in seinen Ohren und so nah an ihrem Hals war der Duft ihres rauschenden Blutes betörend. Sie konnte sich kaum auf den Zehenspitzen halten. Jetzt hatte er sie wieder soweit, dass sie vor Angst bebte. Aber diesmal war es eine andere Angst. Nicht Todesangst, nicht Furcht vor ihm als Vampir und reißende Bestie. Sie hatte Angst, ihn zu verlieren. Und diese Erkenntnis traf ihn tief.
Als hätte sie ihn schmerzhaft gebissen, drückte er sie grob auf ihre Knie zurück und ließ sie los. Während er in langen Schritten im Raum auf und ab ging, registrierte er wie sie stöhnend wieder ihre alte, kniende Haltung einnahm und sich auf die Lippen biss. Sie würde stumm seine Entscheidung abwarten, wie auch immer sie ausfallen würde. Aber erst musste er seine Beherrschung zurückgewinnen.
Anya hatte ihn nicht ausgelacht. Sie war betroffen von dem, was sie bei ihm angerichtet hatte. Und damit hatte er nicht gerechnet. Seine Erfahrungen mit Frauen beschränkten sich auf wenige, tiefe Beziehungen. Und am Übelsten hatte ihm Adaliz mitgespielt und sein ohnehin schwankendes Bild der Frau in ein noch schlechteres Licht gerückt.
Marie hatte ihm einen Teil des Vertrauens in Frauen zurückgegeben, aber er war nie das Gefühl los geworden, dass Marie nur ihre eigenen Bedürfnisse interessiert hatten. Anya hatte bisher alles versucht, um seine eigenen Wünsche zu erfüllen und ihm zu gefallen. Bis zu dieser Geschichte heute.
Die Zeit von Anyas Ausflug hatte er mit Grübeln verbracht und seine verletzten Gefühle weiter aufgeputscht. Er hatte Anya alles Mögliche unterstellt: Häme über seine Dummheit, sie einfach auf die feine Gesellschaft loszulassen; berechnende Verlogenheit, um vielleicht seinen Fängen zu entwischen und sogar boshafte Freude darüber, ihn belogen und ihm Neuigkeiten verschwiegen zu haben. Denn auch Schweigen empfand er als Lüge und Vertrauensbruch. Und er hatte sich vorgenommen, ihr sehr deutlich ihren Platz zu zeigen, auf den sie dank ihrer Falschheit in Zukunft gehören würde.
Dass sie nun so erschüttert war, verwirrte ihn. Sein Plan, sie tief zu demütigen, geriet ins Wanken. Sein Wunsch, sie unter seinem Zorn leiden zu lassen, wandelte sich in den erregenden Plan, sie gezielt zu quälen und sich an ihrer angstvollen Lust zu weiden. Der Gedanke an ihren berauschenden Geschmack löste ein Ziehen in seinen Lenden aus und er leckte sich kurz unbewusst über die Zähne, während sein Blick mit gierigem Lauern zu ihr schoss.

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