Dienstag, 27. Juli 2010

Schlechte Nachrichten

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Wenn Joe nach Hause kam, begrüßte Nadja ihn für gewöhnlich bereits an der Türe. Spätestens, wenn er hinaufging um sich etwas Bequemeres anzuziehen als den Anzug, welchen er im Büro immer trug, kam sie ihm entgegen. Heute jedoch nicht.

Joe schaute etwas sehnsüchtig, die Treppe hinauf. Aber nichts regte sich. "Geoffrey? Wo ist Nadja?", fragte er fast etwas unwirsch. Der Butler reagierte kühl und gelassen. "Miss Nadja ist in ihrem Zimmer.", sagte er neutral. Joe presste die Lippen aufeinander. Er hatte Geoffrey nicht beleidigen wollen. Es war nun wirklich nicht seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass ihn seine Geliebte an der Treppe begrüßte.

"Tut mir leid, Geoffrey. Der Ton war rüde.", entschuldigte er sich sofort und ging die Treppe bereits hinauf. "Miss Nadja hat heute Post erhalten. Und ich hörte Schluchzen aus dem Zimmer.", erklärte Geoffrey gütig. Er hatte sich von früheren Herrschaften ganz andere Dinge gefallen lassen müssen. Joe war der reinste Waisenknabe. Und, dass er sich für so eine Nichtigkeit entschuldigte amüsierte ihn.

Joe stürmte die Treppe hinauf. Ein Brief konnte nur von ihrer Mama angekommen sein. Und Schluchzen war sicher nicht das Geräusch, das darauf hätte folgen sollen. Gewappnet klopfte er zart an die Türe. Nun konnte auch er es hören. Das waren keine Schluchzer. Nadja heulte, wie ein Schlosshund.

Bestürzt riss er die Türe auf und fand Nadja auf dem Bett sitzend. In ihren Fingern hielt sie einen handgeschriebenen Brief auf den ihre Tränen tropften. So einige Kleckse hatten sich schon auf dem Papier breit gemacht. Joe setzte sich neben sie und drückte wortlos ihren zarten Körper an sich. Ihm fehlten die Worte. Er wusste ja nicht im Mindesten, was geschehen sein könnte. Er schielte auf das Briefpapier und gab aber den Plan sofort auf. Der Brief war natürlich auf Ukrainisch geschrieben. Was sollte er da entziffern?

Wilde Gedanken durchzuckten seinen Kopf. Ob jemand gestorben war? Oder eine andere Katastrophe. Nur ganz allmählich beruhigte Nadja sich und es wurde seltener, dass sie mit der Stimme aufkiekste um zu einem neuen Geheul anzusetzen. "Sagst du mir, was passiert ist?", bat er leise. "Gleich.", sagte Nadja entschlossen.

Sie schmiegte sich noch einmal fest an ihn und stand dann entschlossen auf um ins Bad zu gehen. Sie wusch sich gründlich das Gesicht. "Ich seh' ja schrecklich aus.", sagte sie zu ihrem Spiegelbild. Ihre Augen waren vollkommen verheult und rot unterlaufen.

Sie hatte sich so sehr gefreut, als sie endlich den Brief mit der handgeschriebenen Adresse bekam. Wie Joe gesagt hatte, war der Brief nur mit dem Standartporto frankiert. Also hatte er schlichtweg keinerlei Vorzugsbehandlung erfahren und war förmlich mit der Schneckenpost geliefert worden. Und dabei hätte sie doch das, was darin stand so viel früher wissen müssen. Doch was hätte das geändert? Und jetzt sollte sie es Joe erzählen? Was würde der sagen?

Zögerlich kam sie durch die Spiegeltüre zurück ins Zimmer, nachdem sie die schlimmsten Folgen ihrer fast zweistündigen Heulerei mit kaltem Wasser beseitigt hatte.

Kommentare:

  1. grrr...weißt du was Lynchjustiz is?

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  2. So... endlich kann ich was schreiben. Mein Browser hat einfach alles verschluckt.

    Uuuuuuuuund: Ich kann es gar nicht leiden, wenn ich so lange hingehalten werde, jawollja! Julie, ich lynche mit. Nein, besser, ich zahl die Munition, den Strick oder was auch immer du brauchst :-)

    Hoffentlich ist das nur pubertierende Dramaturgie von Nadja und nix Wildes. Sicher weiß Joe ne Lösung, wofür auch immer. Und wenn wir morgen nicht erfahren, was nun los ist, dann.. dann.. äh.. gibts Ärger, jawoll!

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