Dienstag, 13. Juli 2010

Probefahrt

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja erstarrte. Der Wagen war dunkelgrau lackiert und glänzte schon im Licht der Neonröhren atemberaubend. Rote Zierleisten waren am Kühler angebracht und der kleine Schriftzug GTI verzierte den Abschluss der Motorhaube. Sie hatte in der Ukraine schon oft einen Golf gesehen. Aber keiner sah aus wie dieser. Doch was sie wirklich erstarren lies war die große rote Schleife auf der Motorhaube.

"Willst du den verschenken?", fragte sie perplex und drehte sich zu Joe. "Klar will ich den verschenken. Er gehört dir!", lachte er und spielte mit dem Schlüssel. Nadja zog verwirrt die Augen zusammen. "Aber.. Aber.. Aber..", stammelte sie nur immer wieder. Ihr wollten die passenden Worte einfach nicht einfallen.

"Aber was?", fragte Joe schließlich. "Aber was soll ich mit einem Auto?", stieß Nadja hervor. "Na zur Schule fahren zum Beispiel?" Jetzt war Joe verwirrt. "Ich kann doch gar nicht fahren. Ich hab auch keinen Führerschein.", gab Nadja zurück. "Und ich bin doch auch noch gar nicht 18!"

Joe lachte schallend auf. "In Amerika muss man nur 16 sein um Auto fahren zu dürfen. Und du kannst in den Ferien deine Fahrprüfung machen. Und wenn ich mitfahre kannst du auch vorher schon herumfahren. Ich zeige dir, wie man Auto fährt." Er strahlte sie an. Nadja wusste immer noch nicht, wie ihr geschah. "Du meinst..." Wieder gingen ihr die Worte aus. Sie schaute immer wieder zwischen dem Auto und Joe hin und her.

Bis gerade hatte sie noch gedacht der Tag könnte nicht schöner werden. Das Zimmer hatte ihr schon sehr gefallen. Das Haus war wunderschön und auch wenn sie sich noch daran gewöhnen musste Personal im Haus zu haben, so war der Gedanke doch auch jetzt schon nicht unangenehm. Und nun stand er auch noch mit ihr in der Garage und spielte mit einem Autoschlüssel. Für ein nagelneues Auto, dass er ihr schenken wollte. "Willst du ihn nicht?", frage Joe verunsichert, als sie so gar nicht reagierte.

In Nadja stiegen Tränen auf und langsam verlor sie ihre Beherrschung. Das war zu viel. Sie lehnte sich an Joe und umklammerte ihn mit den Armen. "Das ist alles zu viel.", flüsterte sie und verbarg ihr Gesicht an seiner Schulter. Joe war ein bisschen verunsichert ob er etwas falsch gemacht haben könnte. Aber er hatte es doch nur gut gemeint. Sie brauchte doch ein Auto. Die Schulen die er für sie im Sinn hatte, waren allesamt weiter weg und mit dem Schulbus zu fahren kam doch für sie nicht in Frage.

Fest drückte er sie an sich. Es dauerte nicht lange und Nadjas Tränen versiegten und das Schluchzen hörte auf. Scheu hob sie den Kopf und tastete mit den Lippen an sein Gesicht und er reagierte prompt und sie bekam den Kuss den sie wollte. Als sie sich voneinander lösten starrte sie erneut auf das Auto. Der Gefühlsausbruch hatte ihre Gedanken etwas ins Reine gebracht. "Und du willst mir wirklich das Auto schenken?", fragte sie und ein leichtes Grinsen umspielte ihre Mundwinkel.

Auto zu fahren hatte sie schon immer fasziniert. In besseren Zeiten hatte sie sogar mit Papa einmal Sonntags auf dem Parkplatz des Supermarktes ein bisschen fahren geübt. Das war allerdings schon über drei Jahre her. Und der alte Lada von Papa hatte mit diesem Geschoss wahrscheinlich nichts gemein. Sie löste sich vollends von Joe und strich über den Lack. "Klar schenke ich ihn dir. Willst du mal Probefahren?", lachte er nun wieder.

"Du meinst jetzt?" Nadjas Augen funkelten. Ein bisschen glaubte sie, sie müsse nun jede Sekunde aufwachen. All das war zu fantastisch. Aber Joe hatte schon die Schleife von der Motorhaube genommen und drückte auf den Schlüssel. Die Blinker leuchteten einmal auf und es klackte vernehmlich. "Ich fahre ihn dir raus. Die Einfahrt zur Garage ist eng."

Kommentare:

  1. Hammer! Sie braucht ein Auto? Gibts da keine Schulbusse? Hach ja, in Amerika ist alles anders. Auch das Verständnis dafür, was man dringend braucht und was nicht.
    Aber im Auto ist es natürlich sicherer, als in einem Bus, was böse Menschen betrifft. Wollen wir mal hoffen, dass Nadja auch gut damit umgeht und vernünftig fährt.
    Mein erstes Auto war ein gebauchter, verbeulter Opel *seufz*

    AntwortenLöschen
  2. wenn ich so an deutsche autobahnen denke... da is man vor "bösen menschen" auch nich sicher... xD

    nur nen golf.. tzä... n golf findet man doch quasi in jeder cornflakes packung :) aber naja... sie is halt aus der ukraine... solche leute sind eben leicht zu beeindrucken xD

    AntwortenLöschen

Bitte beim Kommentieren höflich bleiben. Es gibt hier die Möglichkeit Anonym zu kommentieren, aber denke bitte kurz nach ob du das wirklich möchtest. Unterzeichne deinen Kommentar doch mit einem Pseudonym oder deinen Initialen, dass man weiß, welche Kommentare alle von dir sind. Oder noch besser, du nutzt nicht die Auswahl "Anonym" sondern "Name/URL" und lässt das Feld für die URL einfach frei. Dann wird dein Kommentar mit deinem selbst gewählten Namen angezeigt.

Vielen Dank.