Dienstag, 6. März 2012

Wieder flau im Magen

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Grübelnd saß Nadja auf ihrem Bett. Die Hausaufgaben hatte sie aufgegeben. Ständig schweiften ihre Gedanken zur heutigen Sitzung ab und jegliche Konzentration für den Unterrichtskram war dahin. Die Ärztin hatte schon recht gehabt mit dem, was sie über die Beziehung gesagt hatte. Es war nun mal nicht illegal, was zwischen Joe und ihr war und als unmoralisch hatte es auch noch niemand bezeichnet. Nicht einmal ihre Mutter hatte gegen die Beziehung etwas einzuwenden gehabt. Im Gegenteil, sie hatte sogar ihre Zustimmung für eine baldige Hochzeit gegeben.

Sie hatte nie in Frage gestellt, was Joe von ihr verlangt hatte. Die Beziehung musste heimlich bleiben und es war für sie auch vollkommen plausibel gewesen, dass es nun mal nicht anders ging, wenn ein Mann in Joes Alter mit einem Teenager, wie ihr selbst zusammen war. Aber ging es wirklich nicht anders. Die Geheimniskrämerei gestaltete sich zunehmend schwieriger. Mehr und mehr Leute kamen ihr auf die Spur. Und auch die Selbstverständlichkeit, mit der Ashley ihre Beziehung angesprochen hatte, kam ihr in den Sinn.

Was würde passieren, wenn sie Beziehung öffentlich machten. Nicht mehr lange, und sie würde 18 sein. Doch was änderten diese paar Monate eigentlich? Was änderte der eine Tag, an dem sie vom Teenager zur jungen Erwachsenen wurde? Würden die Leute ab diesem Tag nicht mehr komisch gucken, wenn sie dann 18 und Joe 30 Jahre alt war? Und würden sie überhaupt glauben, dass die Beziehung dann erst angefangen hatte? Es war doch eigentlich klar, dass man nicht an ihrem 18. Geburtstag behaupten konnte, dass sie sich am Abend vorher kennengelernt hatten und jetzt eben zusammen waren.

Und so liebevoll Joe zu ihr war, so sehr er ihr alle Wünsche erfüllte, so hatte er doch niemals gefragt, ob es für sie okay war, wenn sie mit einer solchen Geschichte leben musste. Hatte die Ärztin recht, wenn sie meinte, dass dies mehr Probleme verursachte, als es beseitigte? Wer interessierte sich eigentlich wirklich dafür, mit wem Joe das Bett teilte? War seine Arbeit in der Firma nicht viel wichtiger, als irgendwelche Privaten Eigenheiten?

Immer wieder haderte sie mit sich, ob sie überhaupt mit Joe darüber sprechen sollte. Doch jetzt war sie wild entschlossen, die Sache wenigstens anzusprechen. Vielleicht war er ja verständnisvoll. Außerdem mussten sie erst einmal ausmachen, was es überhaupt bedeuten konnte, die Beziehung zuzugeben? Sie konnten ja schlecht eine Pressemeldung herausgeben. Sehnsüchtig wartete sie darauf, dass er nach Hause käme. Und auch heute war ihr wieder flau im Magen, vor seiner Rückkehr.

Kommentare:

  1. Die Therapie scheint Nadja aufzurütteln und zum Nachdenken über ihr Leben anzuregen. Sie ist wild entschlossen, alles anzugehen, was Dr. Rosenbaum anregt.
    Bin mal gespannt, ob das alles so einfach wird, wie sie sich grade noch vorstellt. Jede Sache hat mehr wie eine Seite.
    Eine Pressemitteilung wird es wohl nicht brauchen, es würde wohl reichen, wenn sich die beiden ganz normal verhalten. Wie ein normales Paar, den Rest macht die Mund-zu-Mund-Propaganda ;-).

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  2. Ich finde schon, dass er sie gefragt hat, denn er sprach von Anfang an davon, dass er diese Beziehung geheimhalten müsse. Sie hat eingewilligt und sich zugetraut damit leben zu können.
    Nun stellt sie aber fest, dass sie das nicht gut kann. Also ist es Zeit, erneut darüber zu sprechen. Aus dieser Sichtweise wäre es doch ein viel einfacheres Herangehen, als nun in eine Vorwurfsschiene zu schliddern, weil sie meint, er habe sie nie gefragt.
    Nadja lässt nichts anbrennen. Fast überstürzt sie ein wenig die Korrekturen in ihrem Leben. Wollen wir hoffen, dass Dr. Rosenbaum weiß, was sie da auslöst :)

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