Freitag, 9. März 2012

Personalchef einer Provinzklitsche

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Etwas bedröppelt saß Joe in seinem Büro. Er hatte nicht besonders gut geschlafen, etwas, dass ihn selbst am Meisten überraschte. Seine Gewohnheit, die Sorgen in der Nacht abzulegen hatte mit den Problemen, mit denen Nadja ihn konfrontiert hatte einfach nicht funktioniert. Er hatte nie verstanden, was Schlaflosigkeit bedeuten konnte, und jetzt hatte er sie am eigenen Leib erfahren. "Grant, kommst du bitte mal rauf?", forderte er am Telefon.

Wenig später saß ihm Grant gegenüber. "Was gibt es denn? Du sagtest, es ginge um Nadja?" "Es geht ihr nicht so gut. Es ist viel über ihr zusammengebrochen. Die Geschichte mit dem Vater ihrer Freundin hat ihr jetzt den Rest gegeben. Sie geht jetzt zu Dr. Rosenbaum in eine Therapie." Grant strich sich kurz übers Kinn. "Ist doch prima. Rosenbaum ist gut, die bekommt das schon wieder hin."

"Die Frage ist eher, zu welchem Preis. Scheinbar ist sie der Meinung, dass Nadja unter dieser Geheimniskrämerei leidet. Jedenfalls hat mich Nadja gestern darauf angesprochen. Und unabhängig davon, ob es nun wirklich das ist, was ihr Probleme bereitet, stellt sich die Frage, wie wir das eigentlich nach ihrem 18. Geburtstag angehen wollten." Grant zuckte die Schultern. "Du nimmst sie einfach mit zu einem offiziellen Termin. Der Herbstball bietet sich an. Dann hat sie jeder einmal gesehen und es ist klar, dass sie deine Freundin ist."

"Kann sich dann nicht ohnehin jeder denken, dass wir wohl nicht erst seit gestern zusammen sind?" Grant zuckte wieder die Schultern. "Darauf kommt es nicht an. Die Frage ist, was man dir beweisen könnte, wollte man dir ans Bein pinkeln. Und, wenn das eben erst nach ihrem Achtzehnten ist, dann ist es nichts." "Aber es ist doch auch jetzt schon nichts.", wand Joe ein. Grant war überrascht von dieser Forderung. Er wäre schließlich im Zweifelsfall derjenige, der die Sache durchstehen müsste und sich wieder im Presserecht durchschlagen, wo er sich so wenig auskannte.

"Du rüttelst da an einer Tür, von der du nicht weißt, was dahinter liegt. Wenn der Aufsichtsrat dich absägen will, dann wird auch Thorsten Stahl dich nicht mehr rausboxen können." "Wird mich der Aufsichtsrat denn absägen wollen, weil ich mit einer 17jährigen zusammen bin? Das ist auch nicht schlimmer als mit einer 18jährigen!" Grant winkte ab. "Du hast dich doch schon entschieden. Warum fragst du mich nach meiner Meinung, wenn du sie nicht hören willst.", meinte er beleidigt. "Mach was du willst, aber heul mir nachher nicht die Ohren voll, wenn du statt CEO plötzlich nur noch in irgendeiner Provinzklitsche Personalchef spielen darfst." Joe presste die Lippen aufeinander. "Wenn das das schlimmste ist.", meinte er trocken. Aber so fest, wie beabsichtigt war, klang es leider nicht.

Kommentare:

  1. Tja, Mr. Bernstein. Willkommen im Leben. Da hat man fast zwei Jahre nicht darüber nachgedacht, was man von einem Teenie erwartet, wenn man ihr Stillschweigen auferlegt und nun holt einen alles ein.. ein depressiver Teenie, ein drohender Aufsichtsrat und ein Torsten Stahl, der kein Interesse an einem Mitarbeiter hat, der sein Maul nicht halten kann. Und nu?
    Entweder er entscheidet sich für die Liebe und riskiert alles, das nennt man hoch pokern.. oder er verlangt von Nadja weiteres Schweigen und riskiert eventuelle, dass sie sich von ihm abwendet.
    Und wenn er Punkt 1 nimmt, läuft er vielleicht noch Gefahr, dass sie ihn sitzen lässt, weil er keine Millionen mehr verdient :) Zumindest dürfte ihm das sein mangelndes Selbstbewusstsein einflüstern. Vielleicht fragt er ja mal Lelya um Rat? Immerhin ist Nadja ja schon eine Last los und ein Gespräch zwischen zukünftiger Schwiegermutter und Joe ist ja irgendwie vielleicht auch nochmal klärend. Der drückt ja auch was auf der Seele.
    Es läuft letztlich immer wieder aufs Gleiche hinaus: Reden, reden, reden! Und ausgerechnet das ist nix für Männer *g*

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  2. Tja, die Entscheidung, was am besten zu tun ist, wird nicht leicht werden. Die richtige Entscheidung gibt es wohl auch kaum, so oder so gibt es Probleme.
    Vieleicht sollten die beiden einfach so weiter machen wie bisher. Nur mit dem Unterschied, dass sie die Beziehung nicht mehr auf Deubel komm raus verheimlichen wollen. Die beiden sollten zu einander stehen. Wenn einer fragt, sagen: "ja, wir sind ein Paar" und wenn keiner fragt, auch gut ;-).
    So ist beiden gedient: Nadja muss nicht mehr lügen und Joe muss es nicht plötzlich öffentlich machen. Die Wahrheit werden im Laufe der Zeit immer mehr Leute mitbekommen.

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