Mittwoch, 27. Juni 2012

Noctambule III: Spuren im Gras

Dies ist ein Kapitel aus KayGees Noctambule Band Drei. Für eine Inhaltsübersicht zu bereits veröffentlichten Inhalten schaut doch bitte hier: Inhaltsübersicht Noctambule III

"Armand? Sag was!" Sergej wurde hektisch. Sich zu fragen, warum der Kamerad von Fabrizio ihn erst im Kampf besiegte und dann zur Freiheit verhalf, verschob Sergej auf später. Dass Armand nicht mehr antwortete, machte ihm viel mehr Sorgen.
Er hatte die Verletzung kurz gesehen und war mächtig erschrocken. Auch ein gesunder Vampir konnte solche Wunden nicht so einfach wegstecken. Die Haltung, in die Armand gezwungen worden war, machte alles nur noch schlimmer. Er drohte zu verbluten und die Gefahr war greifend nah gerückt, nachdem Sergej die matte Stimme seines Freundes gehört hatte.


"Stirb mir jetzt nicht weg, Alter!" fauchte Sergej panisch, als er mit zittrigen Beinen seinen Freund hochzog. Er zog sich Armands Arm über die Schultern und griff um seine Hüfte, um ihn torkelnd aus dem Inferno zu ziehen. Doch schon nach wenigen Schritten blieb er wieder stehen und blickte zurück. Armands Füße hatten eine deutlich sichtbare, tiefe Schleifspur erzeugt, die es jedem Verfolger zu einem Kinderspiel machten sie zu finden. Ganz sicher würde der Regen die Spuren nicht so schnell verwaschen.
Wieder einmal fluchte er, dann schulterte er seinen Freund und lief los. Auch seine Fußspuren würden deutlich zu sehen sein, das wurde ihm mit einem Mal bewusst. Unsicher blieb er stehen, unter der Last des großen Körpers keuchend. Dann hatte er seinen Entschluss gefasst und hastete weiter.
Sein Weg führte ihn zu dem nassen, rutschigen Feld, das nun voller Gras und Unkraut verwuchert war, seitdem es nicht mehr bestellt wurde. Noch war das frische Gras zu dieser Jahreszeit nicht besonders hoch gewachsen und würde sich nach dem Regen schnell wieder aufrichten. Dadurch würden hoffentlich auch seine Spuren verschwinden, die er nun darauf hinterließ.
Eilig taumelte Sergej voran und schlug einen großen Bogen um den brennenden Hof. Nun kam ihm das leicht abschüssige Gelände zugute, das er nun wieder bergauf hastete, direkt auf den Hof zu. Hier hatte der heftige Regen eine Art Abfluss geschaffen, eine tiefe Furche, durch die das Wasser knöcheltief ablief. Sergej tappste durch das Rinnsal in der Hoffnung, dass seine Spuren sich sofort auflösten und erreichte das niedrige Dickicht hinter der brennenden Scheune.
Ächzend ließ er Armand herunter, nachdem er sich einige Schritte hinein gezwängt hatte und schob ihn vorsichtig in den Schutz des Gestrüpps. Dann kämpfte er sich zurück ins Freie und betrachtete kritisch das Versteck von außen. Offenbar war er zufrieden und nicht in der Lage, Armand zu sehen. Noch immer hustend und selbst schwach auf den Beinen lief er nun zurück zu Enrico, der bewusstlos am Brunnen lag. Stöhnend wuchtete er sich den Körper auf die Schultern und trug ihn zu dem Kameraden am Kirschbaum. Kaum hatte er Enrico dort abgelegt, als der Kamerad begann, sich zu bewegen. Sergej zögerte keine Sekunde, sondern schmetterte seine Faust auf den Schädel des Mannes, der lautlos wieder zusammenbrach.
Sergej betrachtete die beiden Männer kurz. die Art, wie beide dort lagen, vermittelte den Eindruck, dass sie ahnungslos überrumpelt worden waren. Der Gedanke gefiel Sergej. Er wandte sich ab, nachdem er von beiden die Messer geholt hatte, und lief zurück zu dem Gebüsch, in dem Armand lag und krabbelte hinein. Atemlos sank er neben seinem Freund auf den Boden und hoffte, dass die Männer bei ihrer Rückkehr nicht daran glauben würden, dass die beiden Männer noch in der Nähe sein könnten. Noch immer regnete es in Strömen, doch Sergejs scharfe Augen erkannten bereits Lücken in den Wolken.
Nicht mehr lange und der Regen würde aufhören. Wenn alles gut ging, hatte er den sichersten Platz gefunden, den er mit seinem schwer verletzten Freund hatte erreichen können. Und jetzt endlich war Zeit, sich um seinen Freund und dessen Verletzung zu kümmern.

Kommentare:

  1. Hoffen wir mal, dass Sergej sich nicht irrt. Armand braucht jetzt dringend einen Schub nach vorn, der ihn aufrecht erhält. Die Nachricht, wie gut es den dreien in der Höhle geht, käme da gerade richtig.

    Und Sergej hält es also für schlau sich in einem Gebüsch, direkt um die Ecke zu verstecken? Na wenn das mal nicht schief geht, wobei ich seinen Gedanken durchaus nachvollziehen kann. Mit den Spuren hat er sich auch sehr geschickt verhalten.

    LG
    Joe

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  2. Ich habs geschafft mich bei der story auch mal wieder auf den stand der dinge zu bringen :)
    ich finds wie immer schön geschrieben, da kann man ja gespannt sein ob alles gut wird

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