Mittwoch, 26. September 2012

Weil....

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Warum kannst du das nicht sagen?", hakte der Richter freundlich nach. Auch wenn er die Antwort längst kannte. "Kann ich nicht.", quetschte Maria noch einmal hervor. "Du kannst hier die Wahrheit sagen. Du musst dir keine Sorgen machen. Aber wenn dir das vor deinen Eltern unangenehm ist, dann kann ich sie auch rausschicken.", schlug Resk vor. Maria schüttelte panisch den Kopf. "Nein nein. Ich kann das einfach so nicht sagen.", wandt sie sich.

"Schauen wir mal, was passiert, wenn wir die Eltern mal rausschicken. Ich verweise nun den Kläger und die Klägerin für die Dauer der Vernehmung der Tochter des Saals.", erklärte der Richter nun förmlich und nickte Pierce und Pjorczyk zu. Lelya stand wortlos auf und warf Maria noch einen aufmunternden Blick zu. Dann drehte sie sich herum und ging aus dem Saal. Mykola musste auf die Übersetzung seines Anwalts warten. Dann verschränkte er die Arme vor der Brust und ließ sich demonstrativ tief in seinen Stuhl sinken.

"Kann ich annehmen, dass Ihr Mandant eine Eskorte wünscht?", fragte Resk spitz. Maria wusste überhaupt nicht mehr wo sie hinschauen sollte. Sie wäre samt ihrem Stuhl am liebsten im Boden versunken und wünschte sich, der Zeugenstuhl möge auf einem Aufzug stehen. Doch sie blieb den bohrenden Blicken aller Anwesenden ausgeliefert. "Er weigert sich zu gehen. Er sagt, die Wahrheit könnte seine Tochter auch sagen, wenn er hier ist.", meinte Pjorczyk etwas betreten.

"Das war keine Bitte!", wiederholte Resk und besah sich noch ein paar Augenblicke die Diskussion zwischen Pjorzcyk und Mykola, welche im Wesentlichen daraus bestand, dass der Anwalt auf den Mann einredete und der nur immer wieder einzelne Worte von sich gab, die man auch ohne weitere Kenntnis der Ukrainischen Sprache als 'Nein' übersetzen konnte. Dann wurde es dem Richter zu bunt. Mit einem kleinen Klingelknopf an seinem Tisch rief er den uniformierten Gerichtsdiener herbei. "Sagen Sie ihrem Mandanten, er kann jetzt mit dem Wachtmeister rausgehen, oder die Wartezeit in einer Zelle im Keller verbringen. Liegt ganz bei ihm."

Es bedurfte noch einiger kräftiger Griffe, bis Mykola seine Blockade aufgab. Dann erhob er sich und ging vor dem Wachtmeister aus dem Saal. Nicht ohne noch möglichst vernichtend in die Runde zu schauen. Pjorczyk stützte den Kopf in die Hände. Das war nun beileibe nicht das Verhalten, dass ihm in die Hände spielte. Das zufriedene Grinsen von Pierce konnte er im Augenwinkel sehen.
Schließlich war die Show vorbei und die Saaltür wieder zu. "Kannst du mir jetzt sagen, warum deine Eltern sich getrennt haben?", fragte Resk Maria ganz freundlich. Maria schluckte heftig. Diese Einlage hatte es ihretwegen gegeben. Ihr Herz schlug bis zum Hals. "Weil...", begann sie ganz langsam und starrte auf ihre Schuhspitzen.

Kommentare:

  1. Super Mykola, damit hast Du gezeigt was für ein Idiot Du bist...

    Ich hoffe Maria wird jetzt alles auf den Tisch legen und nicht nur die halbe Wahrheit, wie Teenager das gern tun.
    Übrigens kenne ich es nur so, dass für die Befragung von Kindern die Eltern und Publikum den Saal zu verlassen haben. Aber sowas ist ja auch in jedem Gericht und bei jedem Richter anders.

    Lg Jay

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  2. Oftmals gehen die Richter mit den Kindern auch raus in einen Nebenraum. Aber so konnte Mykola ja fein seine ganze Bandbreite entfalten und das war für den Richter mit Sicherheit bereits aufschlussreich.
    Ich kann mir sehr gut das zufriedene Gesicht von Pierce vorstellen. Während Lelya sofort reagierte und aufstand, hat Mykola eine direkte Bedrohung für Maria dargestellt indem er sitzen blieb und auch noch die Arme verschränkte. So etwas tut man nur, wenn man verhindern will, dass Dinge erzählt werden, die lieber verschwiegen bleiben sollten. Das weiß auch ein Richter.

    So Maria: Und nun zur Sache bitte! Ja, es ist unagenehm, einem Fremden die Familiengeschichte zu erzählen. Und ja, es ist auch peinlich, wie Papa sich da gerade benommen hat. Und sicherlich wolltest du auch viel lieber schmollen und alle mit Schweigen strafen, weil du dich übergangen gefühlt hast. Und ja, eine kleine Prinzessin mag keine Erbsen unter der Matratze. Aber zum einen bist du keine Prinzessin und zum anderen: willkommen im Leben! So geht das nun mal in der Erwachsenenwelt vor sich und wolltest du nicht zu den Großen zählen? Dann beiß jetzt die Zähne zusammen und tu deine Pflicht, verdammt nochmal!

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