Freitag, 7. September 2012

Ein blödes Kind

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Joe sah Nadja etwas verständnislos an. "Maria soll hier wohnen?", hakte er zwischen zwei Bissen nach. Nadja schaute etwas kläglich. "Es wäre toll, wenn du das erlaubst.", bat sie leise. "Natürlich erlaube ich das. Aber ich wüsste gern wieso." Nadja seufzte etwas. "Mein Vater war heute bei ihr an der Schule und hat sich eingeschleimt. Meine Mutter hat Angst, dass er noch weiter geht. Und deshalb wäre es toll, wenn sie hier wohnen kann. Hier ist sie sicher vor ihm. Ich bringe sie morgens zur Schule und hole sie auch wieder ab."

Schulterzuckend nickte Joe. "Stimmt, hier in der Straße ist sie sicher. Mykola kommt hier nicht rein. Ich habe gestern noch seinen Namen auf die Liste setzen lassen. Er wird auf keinen Fall vorgelassen. Aber er kann ja zum Beispiel in der Mittagspause trotzdem an der Schule auftauchen."
"Aber dann sind ja ganz viele Leute da und meine Mutter wird die Lehrer vorwarnen, dass er nicht erwünscht ist."
"Hoffen wir, dass das gut geht."


Der sogenannte Umzug auf Zeit war schnell passiert. Schmollend hatte Maria die Fahrt verbracht und als Lelya vor Joes Haus geparkt hatte, stieg sie aus. "Brauchst nicht mit reinkommen.", war alles, was sie für ihre Mutter übrig hatte. Dann zerrte sie ihre Tasche und ihre Skates von der Rückbank und rannte am verdutzten Geoffrey vorbei ins Haus. Lelya stieg trotzdem aus und folgte ihrer Tochter nach. Sie wollte sich wenigstens noch bei Joe bedanken, dass er zugestimmt hatte. "Guten Abend, Lelya.", begrüßte er sie schon in der Eingangshalle. Oben hörte man noch, wie die Tür von Nadjas Zimmer zugeschlagen wurde, in welches sich Maria bereits geflüchtet hatte.

"Hallo Jonathan.", meinte Lelya etwas verlegen, "Ich wollte dir danken, dass du Maria hier aufnimmst. Aber es ist mir echt wichtig, dass Mykola nicht an sie heran kommt." "Das ist doch kein Problem. Ich hoffe mehr, sie wird sich hier wohlfühlen. So richtig begeistert scheint sie selbst ja nicht zu sein." Nach einem kurzen Schwatz verabschiedete man sich und Lelya fuhr mit einem unguten Gefühl wieder nach Hause. Es war noch gar nicht so lang, dass sie hier in Seattle lebte. Und schon längst fühlte sich das Leben hier in Amerika völlig natürlich und richtig an. Als hätte es nie etwas anderes gegeben. Alle ihre ursprünglichen Bedenken über Sprachprobleme, Geldprobleme oder sonstige Schwierigkeiten, die ihr hätten begegnen können, hatten sich zerstreut. Und gerade als es richtig lief, holte sie die Vergangenheit ein und Mykola sorgte für Unbill. Und bisher war ihr keine Variante eingefallen, wie sie ihn zügig wieder loswerden konnte.


"Ich find das voll beschissen. Papa war doch total nett zu mir.", maulte Maria, während sie es sich auf Nadjas Bett bequem gemacht hat. "Aber du weißt doch auch, dass er eigentlich anders ist." "Er hat sich vielleicht geändert!", warf Maria prompt zurück. "Du weißt gar nicht, was damals alles gewesen ist. Du weißt nicht, wie weh er uns getan hat.", presste Nadja nun heraus. "Natürlich nicht. Mit mir redet ja keiner. Ich bin ja bloß ein blödes Kind, dass nichts wissen braucht, sondern einfach keinen Papa hat!"

Kommentare:

  1. Wo sie Recht hat... Der Wunsch, das Küken zu schützen hat ihr Recht, Bescheid zu wssen, überdeckt.
    Jeetzt wäre der richtge Moment Maria zu erklären, was alles geschehen ist. Und vielleicht ist eine entschuldigende Erklärung angebracht.
    Bisher scheint Maria nie gefragt zu haben. Wenn sie nun so heftig eine Erklärung verlangt, ist sie auch reif genug für die Antwort. Vielleicht ist sie schockiert, vielleicht auch kritisch. Aber sie ist fast so alt wie Nadja als diese das alles erleben musste...
    Allerdings glaube ich nicht dass Nadja darüber reden wird...
    LG Kay

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  2. Nadja sollte sich einen Ruck geben und Maria die Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. Erzählen wie es damals gelaufen ist, wie er sie Zwnagsverheiraten wollte, wie er seine Frau geschlagen hat und all die Dinge die man vor Maria verheimlicht hat. Natürlich sollte Nadja wirklich nur über das reden, was im direkten Zusammenhang mit Mykola steht. Was in Deutschland passiert ist, ist in diesem Zusammenhang ja erstmal unwichtig. Es ist jetzt erstmal wichtig, dass Maria erfährt, dass ihr Vater nicht immer nett ud freundlich war und sich bestimmt auch nicht geändert hat.
    So langsam möchte ich aber doch wissen, was er beim Anwalt erfahren hat und was für Gemeinheiten er noch vorhat *schmoll*.

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