Dienstag, 3. Januar 2012

Versteckt

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja hatte sich in die hinterste Ecke der Bibliothek verkrochen und wartete dort den Rest der Pause ab. Der neuerliche Streit mit Mary nagte an ihr. Sie hatte sich selbst auch für wesentlich belastbarer gehalten, als sie es nun tatsächlich war. Fast schon sehnte sie sich nach der Therapie, damit sich ihr Gefühlsleben darüber endlich normalisieren würde. Tief durchatmend drückte sie sich in einen der Lesesessel. Inständigt hoffte sie, dass jetzt niemand, den sie näher kannte vorbeikommen würde. Sie nahm sich zur Tarnung noch ein Buch und starrte einfach auf die aufgeschlagenen Seiten.

Mary war ein wenig auf dem Schulgelände auf und ab gegangen und hatte nach Nadja gesucht. Doch auch ihr war klar, dass man hier nicht gefunden wurde, wenn man nicht gefunden werden wollte. Und nach wenigen Minuten hatte sie auch die Nase voll davon herumzulaufen, also kehrte sie zu Ashley und den anderen auf die übliche Bank zurück. "Und wo ist Nadja nun?", hakte Gretchen bei ihr nach. "Keine Ahnung, versteckt sich.", gab Mary unwirsch zurück.

Die anderen konnten sofort den Streit spüren der hier in der Luft lag, also wurde das Thema erst mal abgehakt und man wandte sich dem üblichen Pausengespräch zu. Mary blieb allerdings die ganze Zeit gereizt. Was hatte Nadja damit gemeint, sie hätte keine Ahnung wovon sie redete. Und es war doch wirklichn völlig selbstverständlich gegen die Kerle, die einem sowas angetan hatten, vor Gericht auszusagen. Wie konnte man daran zweifeln?

Nadja blickte auf ihren Stundenplan. Als nächstes hatte sie zwar einen Kurs ohne Mary, aber in der Stunde danach würden sie sich ohne Zweifel wieder über den Weg laufen. Sie verfluchte, dass sie weggelaufen war. Nun musste sie sich nachher in der Stunde neben Mary setzen und diese dumme Streiterei würde immer noch zwischen ihnen stehen. Sie nahm sich fest vor, nach der Schule mit Mary noch mal zu reden. Irgendwie musste sie doch Verständnis für ihre Situation schaffen können.

Kommentare:

  1. Gute Entscheidung. Das muss einfach mal geklärt werden, denn Mary versteht definitiv gar nichts. Was man ihr aber auch nicht verübeln kann.
    Und danach wird es Zeit, dass Nadja aufhört, alles so schrecklich ernst zu nehmen. Damit macht sie sich nur das Leben unnötig schwer - und unabsichtlich anderen auch.
    Ein Wunder, dass sie sich noch auf die Schule konzentrieren kann :)

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  2. Mary muss das Ganze auch mal aus Nadja Position verstehen und begreifen, wenn man selber in der Situation war und das ganze nicht nur auf dem Papier sieht, sondern real am eigenen Körper erfahren hat, dass dann eine Aussage nicht mhr so selbst verständlich ist. Und auch, dass man dann da nicht immer daran erinnert werden möchte und es auch vergessen möchte. Aber dafür ist Mary zubehütet aufgewachsen, aber vielleicht (hoffentlich) kann Nadja ihr die Augen öffnen.

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