Freitag, 6. Januar 2012

Schuldbewusstsein

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja saß sehr früh wieder im Unterricht. Sie hatte kein größeres Bedürfnis sich noch weiter auf dem Schulgelände rumzudrücken und dabei möglicherweise Mary unkontrolliert über den Weg zu laufen. Sie hoffte einfach, dass sie es schaffen würde, im Klassenraum ein paar Worte mit Mary reden zu können um die Sache vielleicht doch noch irgendwie zu klären. Es war ja nicht so, als hätte sie kein Verständnis für Marys Vorhaben. Aber sie konnte so viel Naivität einfach nicht ertragen.

Tatsächlich kam Mary zum Glück als eine der ersten in den Raum und stürmte sofort auf Nadja zu. "Ich wollte dich vorhin nicht bedrängen. Es tut mir leid.", sagte sie sofort mit einem schuldbewussten Gesicht. Nadja seufzte. "Ich hätte vielleicht auch nicht so grantig sein sollen. Aber, es ist eben so, dass du keine Ahnung hast. Aber vielleicht kann ich es ja schaffen, dass du Ahnung bekommst. Wolln wir nach der Schule zu mir fahren?", schlug sie vor.

Nadja war sich sicher, dass das nicht leicht werden würde mit Mary tatsächlich über Details von der Zeit aus Deutschland zu sprechen. Aber ihre ständigen Versuche die Sache mit ein paar Kleinigkeiten wieder aus der Welt schaffen zu wollen, waren genauso schwer zu ertragen. Zwar war es angenehm, dass zwischen Mary und ihr vorerst nun alles im Reinen war, aber vor dem Was sie am Nachmittag mit ihr besprechen wollte grauste ihr nun doch ein wenig und entsprechend nervös und unaufmerksam vergingen die letzten Unterrichtsstunden für sie.

Nach dem Unterricht trafen sie sich auf dem Parkplatz und stiegen beide in Nadjas Wagen um nach Hause zu fahren. Mary war nicht ganz klar, was Nadja vorhatte ihr zu erzählen. Aber sie brannte schon darauf endlich zu erfahren, wie es damals genau gewesen war. Seit sie wusste, was Nadja für eine Zeit hinter sich gebracht hatte, sah sie ihre Freundin mit ganz anderen Augen. Aber was genau es bedeutete eine Zeit als Zwangsprostituierte zu erleben war ihr einfach nicht klar.

Kommentare:

  1. Da bin ich nu aber mal sehr gespannt, ob Nadja in der Lage ist, zu transportieren, was damals alles geschehen ist. Schließlich hat sie selbst das alles noch nicht verarbeitet und dazu kommt, dass Mary auch nicht unbedingt alles versteht. Aber es könnte schon schockierend genug sein, wenn plötzlich die Rede ist von Demütigung, tiefster Erniedrigung bis hin zum Verlust des Rechts am eigenen Körper, Schläge, Drogen, Selbstaufgabe, Hoffnungslosigkeit, Ekel, Angst.. oh, das kann noch stundenlang so weiter gehen, aber wir wissen das ja alle. Weiß Nadja es selbst schon so genau?
    Immerhin ist es ein mutiger Schritt, Mary mal etwas tiefer in der Thema einzuführen.

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  2. Das wird nicht leicht werden für Nadja, nochmal genau zu erzählen was damals alles passiert ist. Aber so kann sie sich noch mal alles ins Gedächtnis rufen und kann schon mal für ihre Therapie üben. Da wird sie ja auch noch mal alles haarklein erzählen müssen. Nur wird die Reaktion des Gegenübers wohl eine ganz andere sein, als bei Mary die mit dem Thema ja eigentlich gar nix anfangen kann und es erst begreifen muss, wie es für Nadja war.

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