Samstag, 31. Dezember 2011

Du hast keine Ahnung

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja kaute auf dem letzten Rest ihres Mittagessens herum und schaute Mary etwas hilflos an. Es ging also weiter. Sie holte tief Luft und sah ihrer Freundin dann intensiv in die Augen. "Mary, versteh bitte, dass ich das nicht möchte.", kam es dann endlich über ihre Lippen. Es klang sehr aufrichtig und bestimmt. Mary starrte Nadja völlig entgeistert an. "Warum das denn nicht?" Die Beleidigung war deutlich zu hören.

Nadja fühlte sich etwas elend. Sie wollte die Freundschaft zu Mary nicht gefährden, aber diese ständigen Versuche etwas helfen zu wollen bohrten zu tief in ihrer Vergangenheit, als dass sie das auf Dauer ertragen konnte. Nadja musste ein paar mal durchatmen, bevor sie endlich etwas herausbrachte. "Ich ertrag das nicht!", platzte es dann heftig aus ihr heraus und sie hechelte ein wenig. Mary sah sie überrascht und verdutzt an.

"Was erträgst du nicht?" Nadja wich ihrem Blick nun aus und starrte auf ihr Tablett. "Immer wieder daran denken zu müssen. Jeden Tag erinnerst du mich daran, was damals passiert ist. Aber für mich war es so weit weg. Und ich wollte, dass es immer weit weg bleibt." Unsicher linste Nadja nach oben um ihre Freundin anzusehen. Mary sah Nadja vollkommen entsetzt an. "Und du willst nicht helfen, damit es anderen nicht passiert?", wollte sie wissen.

"Ich will auf jeden Fall helfen, damit es anderen nicht passiert. Zum Beispiel bin ich nach Deutschland gefahren um vor Gericht eine Aussage zu machen. Dann sind die Kerle in den Knast gekommen." "Aber das ist doch selbstverständlich!" "Ach, du glaubst, es wäre selbstverständlich in einen Gerichtssaal zu gehen und dem Kerl, der dich wenigstens 50 mal vergewaltigt hat ins Gesicht zu sehen?", zischte Nadja wütend, "Du hast nicht die leiseste Ahnung wovon du da redest!" Nadja stand auf und nahm ihr Tablett mit.

Mary sah ihrer Freundin nur perplex hinterher. Sie war unsicher, was da gerade passiert war, aber so hatte das nicht laufen sollen. Gerade als sie ihre Verwirrung überwunden hatte und Nadja hinterher laufen wollte, war die allerdings schon verschwunden. Mary eilte zu den Linda, Ashley und Gretchen nach draußen, aber auch dort war sie nicht.

Kommentare:

  1. Na endlich!! Jetzt hat Mary Stoff zum Nachdenken und es wird auch Zeit. Ihr Enthusiasmus in allen Ehren, aber sie muss auch auf die Seele achten.

    Für Nadja ist es nur gut, dass es raus ist. Natürlich will sie die Freundschaft nicht gefährden, aber wenn Mary nicht versteht, dass sie gerade ungewollt auf Nadjas Gefühlen herumgetrampelt ist und Nadja nun links liegen lässt, dann war die Freundschaft eh nix wert.

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  2. Heftige, aber sehr verständliche Reaktion von Nadja. Mary muss endlich begreifen, dass sie Nadja damit weh tut und die alten Wunden immmer wieder aufreisst. Hoffentlich sprechen die beiden sich in Ruhe aus und können die Sache klären. Helfen ist zwar gut, aber wenn Mary das wirklich möchte, kann sie das auch tun, ohne dass sie es Nadja unter die Nase bindet.

    Wünsche einen guten Rutsch und alles gute für das neue Jahr :-)

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