Freitag, 9. Dezember 2011

Du würdest dich wundern

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Nadja und Jurina saßen eine Weile stumm nebeneinander im Wintergarten und Julija hatte sich willig an Nadjas Brüste gekuschelt. Jurina goss noch etwas Wasser ein und reichte Nadja ein Glas. "Willst du reden?", fragte sie dann schließlich. "Wenn ich wüsste, worüber.", gab Nadja kläglich zurück. "Über das, was dich so komisch werden lässt." Wie Jurina das sagte klang es ziemlich stumpf. Nadja zuckte die Schultern. "Ich weiss doch was mich komisch werden lässt. Dass ich von Boris träume, dass ich nicht vergessen kann, was damals passiert ist..."

Jurina schaute ihre Freundin nur treu an und nickte immer wieder. "Wieso passiert dir das nicht?", hakte Nadja dann etwas kläglich nach. "Oh, es passiert mir!", widersprach Jurina sofort und Nadja zog die Augenbrauen hoch. "Immer wieder mal. Es kommt in Phasen. Das letzte mal war es wirklich schlimm, nachdem wir in Deutschland bei dem Prozess waren. Die haben mich lächerlich gemacht da und Boris und Dimitri haben so dämlich gegrinst, als sie da gesessen haben. Das war zuviel für mich."

Nadja hatte immer an die Stärke ihrer Freundin geglaubt und irgendwie passte dies nun gar nicht ins Bild. "Und was ist dann passiert?", flüsterte sie leise. "Ich konnte einige nächte kaum schlafen. Ich habe fies geträumt und war auch am Tag schrecklich mies drauf. Nicht zuletzt, vermutlich, weil ich so schlecht geschlafen habe. Aber auch hab ich die Erinnerungen von damals nicht wirklich aus dem Kopf bekommen." Wieder konnte Nadja nur schlucken.

Zum Einen war der Gedanke, nicht die Einzige zu sein, der es so ging, sehr tröstlich. Aber andererseits schien ihr dadurch auch ihr Problem auf einmal sehr gewöhnlich und sie kam sich albern vor, sich deswegen so aufgeführt zu haben. Wieder herrschte einige Sekunden schweigen zwischen den Beiden. "Und, wie bist du das losgeworden?", flüsterte Nadja nun noch leiser, weil sie fürchtete, die Antwort könnte 'gar nicht' lauten. Doch Jurinas Gesicht hellte sich auf.

"Ich habe mir helfen lassen!", erklärte sie trocken. "Helfen?", fragte Nadja baff, "Wie?" Jurina zuckte die Schultern. "Dafür gibt es Ärzte. Wenn es einem schlecht geht, dann sorgen sie dafür, dass es einem wieder besser geht." Nadja kam sich etwas abgekanzelt vor. Das klang so schrecklich simpel, dass sie es kaum glauben mochte. "Aber was kann ein Arzt in meinem Kopf machen? Er kann doch solche schlimmen Sachen nicht einfach rausschneiden, wie 'ne Warze?" "Du würdest dich wundern, was er alles kann. Und wieviel besser es dir danach geht!", beharrte Jurina. Nachdenklich starrte Nadja an die Decke.

Kommentare:

  1. jaa gute entscheidung und jetzt kann ich sagen ich habe es ja gleich gesagt...auf zum seelenklempner

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  2. Es gibt so Mitte Pillen, die einem die Last der Sorgen kurze Zeit abnimmt. Ich frage mich Nur, wann Nadja aufhört sich als einzige auf der Welt mit diesem Schicksal zu sehen. Aber es ist wohl einfacher sich zu sagen, dass man eben nichtl so stark ist wie die eine oder schlimmeres erlebt hat als der andere. So kann man besser im eigenen Elend baden

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  3. tja, ich sag ja schon seit einer Weile: Psychologische Hilfe

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