Donnerstag, 1. Dezember 2011

Adventskalender 2011 - 1. Dezember

Wie schon im Jahr 2010, werde ich auch dieses Jahr einen Kurzroman in 24 Kapiteln veröffentlichen. Da die Zeit bis Weihnachten praktischerweise noch 24 Tage hat, habe ich gedacht, es wäre vielleicht schlau, das irgendwie zu verbinden.

Ihr bekommt also von heute bis Weihnachten jeden Tag ein Kapitel dieser Geschichte zu lesen. Zur besseren Übersicht wird es natürlich auch wieder das Inhaltsverzeichnis geben. Ich hoffe euch gefällt mein Ausflug in die Welt der Kriminalistik. Wie immer sind Kommentare natürlich reichlich erwünscht.

Liebe Grüße
Joe Nevermind

Körperteile

Der silbergraue BMW rauschte durch die erleuchteten Straßen. Das aufgesetzte Blaulicht reflektierte sich von den Häuserwänden und zuckte wild von einer Seite zur anderen. Vor jeder Kreuzung schaltete Martin die versteckt montierte Sirene an um sich in Sicherheit zu wiegen. Er hasste Blaulichtfahrten. Er fühlte sich immer unsicher, wenn er an Einmündungen vorbeikam. Was, wenn eine Oma verträumt in ihrem Wagen saß und auf nichts achtete? Was, wenn irgendein hirnverbrannter Mittzwanziger drei Urlaubsreisen in die Anlage seines Wagens investiert hatte, und einfach nichts mehr hörte?

Zum Glück kamen diese Einsatzfahrten nicht mehr so häufig vor, jetzt wo er bei der Kriminalpolizei war. Er hatte es geschafft, mit gerade einmal 28 Jahren die Abteilung zu erreichen, auf die anderen Kollegen noch am Ende ihrer Dienstzeit hofften. Die Todesfallermittlung, oder wie der Bürger es nannte: Die Mordkommission. Auch diesmal ging die Fahrt gut und endlich kam er am Einsatzort an. Die Kollegen von der Streife hatten den Fundort schon abgesperrt.

Martin hatte seinen BMW einfach neben dem, schwer verboten abgestellten, Streifenwagen geparkt. Nun nahm er die Taschenlampe aus der Halterung und stieg aus. Ein junger Kommissar begrüßte ihn. „Also das Teil liegt da vorne.“, kam er danach ohne Umschweife zur Sache. „Das Teil?“, hakte Markus mit hochgezogenen Augenbrauen nach. „Naja, das Körperteil.“, verbesserte sich der junge Mann. Markus nickte nur und folgte ihm nun. Zwei grelle Taschenlampenkegel zerschnitten die Dunkelheit des Parks und tauchten schmale Abschnitte der Wiese in ein unnatürliches Grün.

Halb unter einem Busch verdeckt war es dann nach wenigen Metern zu sehen. Der zweite Mann vom Streifenwagen stand daneben. Er hatte seine Taschenlampe allerdings nicht darauf gerichtet, sondern leuchtete den beiden Gestalten die sich ihm näherten etwas ungeschickt an. „Lampe runter!“, befahl Martin etwas barsch, als ihn der Lichtkegel blendete. „‘tschuldigung.“ Nun richtete er seine Taschenlampe nach unten und leuchtete den grusligen Fund an. Unter dem Busch ragte eindeutig ein menschliches Bein heraus. Am unteren Ende zierte ein roter Damenschuh den widerwärtig blutigen Fuß.

Martin ließ langsam den Blick aufwärts fahren und stoppte unvermittelt am Knie. Dieses sah erheblich gebrochen aus und war von blauen Flecken übel entstellt. Als sein Blick noch weiter ging kam er zum Stumpf. Das Bein war scheinbar sauber abgesägt worden, vielleicht mit etwas, was einem Medizinischen Gerät ähnelte. Dennoch hatten sich natürlich die Muskeln, die inmitten des Oberschenkels abgetrennt worden waren in unnatürlicher Weise verschoben und ragten nun etwas wirr aus dem Stumpf heraus. In der Mitte war deutlich der durchsägte Knochen zu sehen.

„Eine Passantin hat es vor etwa dreißig Minuten gefunden. Personalien sind aufgenommen, wir haben sie gehen lassen, sie hatte es eilig und konnte auch keinerlei weitere Angaben machen. Sie war hier mit dem Fahrrad unterwegs und hat es im Schein ihrer Fahrradlampe gesehen und uns sofort verständigt. Ich hab ihr aber gesagt, dass es sein könnte, dass sie nochmal mit ihr reden wollen.“ Martin nickte nur wieder. „In Ordnung.“, quittierte er die Meldung des Kollegen. Dann schnüffelte er ziemlich übertrieben. Er beugte sich sogar ein wenig in Richtung des Beins. Doch es lag kein Hauch von Verwesung in der Luft.

Kommentare:

  1. hmmm noch ganz frisch, ist das bein denn rasiert?! :)

    also der nächste schritt ist klar entweder findet das zweite bein oder aber findet die einbeinige

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  2. Das ist mal ein hammermäßiger Einstieg in eine Story. Geht gleich eklig und gruselig los :-)

    Und da ein Adventskalender ja nun mal 24 Teile hat, frage ich mich nun, ob unser talentierter Held 24 Teile findet oder vielleicht eher 12?

    Auf jeden Fall bin ich mega gespannt, wie das hier nun weiter geht!

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  3. Wow! Guter Start - muss gleich weiter lesen...:-)

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