Freitag, 25. Juni 2010

Pläne

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Joe verabschiedete seinen Anwalt. "Also keine Sorge.", nickte der ihm noch mal zum Abschied zu. "Danke Brad.". Dann setzte er sich wieder in seinen Sessel und wälzte den Kalender. Schließlich blätterte er wieder in den Broschüren, die ihm seine Sekretärin besorgt hatte. Alles sah wunderbar aus. Jetzt musste das, was er sich ausgedacht hatte, nur noch klappen.

Oft war Joe in den letzten Monaten auf Arramoa gewesen. In Seattle begann gerade der schwache Sommer. Es war Juni. Immer noch tauschte er fast täglich E-Mails mit Nadja aus und zuweilen telefonierten sie auch. Sie sprach inzwischen nahezu fließend Englisch und interessierte sich sehr für alles was er tat. Er fand es fast peinlich so viel von sich zu erzählen.

Nadja konnte immer nur berichten, was sie auf der Insel getan hatte. Da waren die Berichte über Dinge, die sie dort in der Schule gelernt hatte schon eine Abwechslung. So schön das Leben dort sein mochte, so wurde es eben doch irgendwann eintönig. Den meisten Mädchen machte das nichts aus. Sie waren zufrieden mit dem ewigen Urlaub. Aber Nadja wurde ein wenig unruhig. Sie unternahm lange Streifzüge über die Insel. Verbrachte eine ganze Woche auf der Farm im Norden und lies sich auch dort alles erklären. Doch so richtig zufrieden war sie immer nur, wenn Joe da war.

Felix organisierte Reisen für die Mädchen. Mal ging es zum Skilaufen in die Rocky Mountains, dann wieder nach Ägypten zu den Pyramiden. Mindestens einmal im Monat gab es 30 Plätze für einen Trip von der Insel herunter. Aber dafür hatte Nadja nichts übrig. Ebenso hatte sie für Thorsten und die Gäste, die immer mal wieder auf der Insel verweilten, kein Auge. Sie genoss zwar die Partys und das Feiern, aber verstand es mittlerweile jegliche Avancen höflich abzulehnen. Und sie gewann sehr viel Sicherheit, als sie merkte dass dies tatsächlich den Effekt hatte in Ruhe gelassen zu werden. Und auch gefiel es ihr, dass sie mit einem Mann reden und etwas trinken konnte, ohne dass der ihr gleich an die Brust oder gar zwischen die Beine ging, wie es im Puff der Fall gewesen war.

Jurina ging es da anders. Sie hatte sich voll in das Leben auf der Insel eingefunden. Wann immer Nadja ihr ihre Gedanken mitteilte und ihre Zweifel, ob dieses Paradies wirklich die Endstation sein sollte, lachte sie nur. "Das ist doch das große Los hier. Und wenn ich irgendwann mal Langeweile habe, dann lass ich mir ein Kind machen. Dann hab ich nie wieder Langeweile." Waren sie im Puff noch Leidensgenossinnen gewesen, so fühlte sich Nadja nun etwas allein gelassen. Jurina schien ihre Gedanken beim besten Willen nicht teilen zu können und Nadja fragte sich zuweilen auch, ob es wohl an ihr lag, dass sie nicht so glücklich war.

Ga'ilana war zwar verständnisvoller, doch auch sie hatte es keineswegs eilig, von der Insel zu kommen. Hashina war gerade vier Jahre alt und sie hatte vor mindestens zu bleiben bis sie acht oder neun war. Zu früh dürfe man die Insel auch nicht verlassen, meinte sie, denn wenn die Kinder zu klein seien bestände die Gefahr, dass sie allzu viel über ihr bisheriges Leben erzählten.

Als Nadja mal wieder etwas melancholisch mit ihr am Strand saß und ein wenig ihr Leid klagte lächelte Ga'ilana: "Ich glaub es ist nicht gut hier, wenn man so schlau ist wie du." Nadja errötete. In der Schule war ihr immer alles leicht gefallen. Und auch das Englischlernen ging ihr gut von der Hand. Auch hatte sie oft bei anderen das Gefühl, dass sie ihren Gedankengängen nicht folgen konnten. Vielleicht hatte Ga'ilana ja damit recht? Trotzdem erwiderte sie nichts.

So richtig fand Nadja einfach nicht den Anschluss an die Gemeinschaft der Mädchen. Der gemeinsame Nenner ließ sich nicht recht finden und auch wenn sich niemand offensichtlich lustig machte, so wurde sie doch zuweilen fast mitleidig belächelt. Viele konnten nicht verstehen warum sie sich einem einzigen Mann verschrieben hatte, der doch nur selten da war und sie, so war die Überzeugung der Meisten, ohnehin abservieren würde, wenn er genug von ihr hatte.

Seit die Scheidung ihrer Mama geregelt wer, war sie zwar noch erheblich entspannter aber immer kam sie sich vor, als hätte sie etwas verpasst. Als sei die Chance vertan etwas aus ihrem Leben zu machen. Manchmal saß sie allein im Wald oder am Strand und überlegte sich die Spirale herausnehmen zu lassen um von Joe oder sogar einem der anderen Gäste ein Kind zu bekommen und in ein paar Jahren die Insel zu verlassen und ein Leben als alleinerziehende Mama mit einem kleinen Job irgendwo anders zu beginnen. Oder doch wieder in der Ukraine bei ihrer Mama irgendwo in der Nähe. Doch am nächsten Tag kam sie sich schon wieder albern vor, so gedacht zu haben.



Für Morgen hatte sich Joe angekündigt. Und diesmal hatte er in seinen Mails geheimnisvoll getan, er hätte irgendeine Überraschung. Und Außerdem war es ihr Geburtstag. Sie wurde 16 Jahre alt. Auf Arramoa hatte immer irgendwer Geburtstag doch viele verpassten ihre eigenen Geburtstage in einer Welt ohne Wochentage und Wochenenden. Auch das Datum war unwichtig. Feiern gab es also auch nicht wirklich und niemand war böse, wenn man nicht gratulierte. Aber für Nadja war es der erste Geburtstag weg von zu Hause. Und hätte Joe nicht gesagt er käme zu ihr, hätte sie Felix um eine Reise zu ihrer Mama gebeten.

Aufgeregt, wie schon lange nicht mehr saß Nadja eine ganze Stunde, bevor das Flugzeug kommen sollte im Wald vor dem Towergebäude und spielte nervös mit den Fingern.

Kommentare:

  1. Joe hat nen Anwalt gefragt? Was hat er denn jetzt wieder vor? Scheint auf jeden Fall was Schönes zu sein, wenn er so geheimnisvoll tut.

    Tja, man liest immer wieder mal, dass sich geistige Überflieger unwohl und unverstanden fühlen. Manchmal muss es richtig schön sein, in der Durchschnittswelle mitzuschwimmen und nicht aufzufallen.
    Vielleicht sollte Nadja irgendeine besondere Förderung bekommen. Ne Schule für Hochbegabte oder so.

    *auf morgen wart* ich will die Überraschung wissen!

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  2. Wenn sich Nadja so allein fühlt und da keinen Anschluss findet, sollte sie darüber nachdenken, nicht doch irgendwohin zu fliegen und da ein neues Leben, als Krankenschwester, anzufangen.

    So hätte sie eine Aufgabe und sicher wieder einen Sinn in ihrem Leben. Vielleicht kann sie ja in die Nähe von Joe ziehen, damit sich die Beiden sehen könnten. So wäre sie sicher sehr glücklich. Ich würde es den Beiden wünschen.

    Gruß wasserfee

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