Samstag, 5. Juni 2010

12 Jahre

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

"Joe ist aber kein deutscher Name?", fragte Mama dann interessiert. "Nein. Joe kommt aus Seattle. Das ist in den USA.", erklärte Nadja. Aber nun kam Mama zu interessanten Punkt der Erzählung: "Und du hast ihn gern?", fragte sie mit einem neckischen Unterton. Nadja seufzte glücklich auf. "Mama, ich liebe ihn. Er ist so lieb zu mir. Und immer wenn ich an ihn denke kribbelt es in meinem Bauch."

Mama lachte als Nadja ihre Verliebtheit so beschrieb. "Das ist doch gut. Und fühlt er so auch für dich?" Nadja überlegte kurz. Aber dann dachte sie an die vielen Emails und die Gefühle, die sie sich darin gegenseitig beschrieben und sie war sicher, er liebte sie auch. "Ja. Er liebt mich auch. Da bin ich sicher." Es klang sehr überzeugt, als sie das sagte.

"Es freut mich, dass du einen Jungen getroffen hast, den du so gern hast.", sagte Mama mit ein paar Tränchen in den Augen. "Es gibt da nur ein kleines Problem.", quetschte Nadja heraus. "Und was für eins?" Mama klang sehr besorgt. "Er ist schon 28. Er ist über zwölf Jahre älter als ich.", flüsterte Nadja verlegen. Sie wollte unbedingt den mütterlichen Segen. Sonst hätte sie Mama sowieso nie davon erzählt.

Ängstlich wartete sie die Antwort ab. Was würde Mama sagen? Und was wäre, wenn sie entschied, dass so ein Kerl nichts für sie war. Am anderen Ende der Leitung waren zwei deutliche Atemzüge zu hören. "Ist er lieb zu dir? Behandelt er dich gut? Kann er für dich sorgen?", kamen die bohrenden Fragen. Aber Nadja war dabei fast erleichtert. "Er ist total lieb zu mir. Er tut mir niemals weh. Und er ist ganz nett. Er behandelt mich wirklich gut. Und er hat einen tollen Job als Chef einer Computerfirma. Er ist sogar ziemlich reich.", erklärte Nadja stolz.

Beruhigt nahm Mama das alles auf. Dann kicherte sie. "Übrigens Ivan ist auch schon 26. Und das Alter war nicht das, was mich an ihm gestört hat. Ich glaube das ist ok, wenn der Mann älter ist. Viel wichtiger ist, dass er lieb zu dir ist!" Jetzt war es an Nadja aufzuatmen. "Ja das ist er.", flüsterte sie überglücklich und freute sich jetzt noch mehr auf das nächste Treffen.

"Aber du musst auch lieb zu ihm sein.", ermahnte Mama dann. "Männer brauchen auch Zuwendung. Sei brav und höflich und gib dich aber nicht unter Wert her. Wenn er um dich kämpfen muss, dann wird er dich umso mehr zu schätzen wissen." Nadja unterdrückte ein Kichern. Gekämpft hatte Joe ja vor allem mit sich selber. Und sie war sicher, dass er sie zu schätzen wusste. Aber diese Details musste Mama ja jetzt nicht erfahren. "Ich passe darauf auf!", versprach sie stattdessen vergnügt.

"Ach es freut mich so, dass du glücklich bist.", meinte Mama noch einmal abschließend. "Und du bist auch glücklich?", wollte Nadja eindringlich wissen. "Ach ja mein Kind hier ist alles ok.", versprach sie ausweichend. In ihrem Freudentaumel bemerkte Nadja nicht, welche Lüge in diesem Satz lag. Sie quatschten noch ein paar Minuten, dann legten sie auf. Nadja hatte was sie wollte. Den Segen ihrer Mama für eine richtige Beziehung mit Joe.

Nadjas Mama verbarg das Handy wieder in ihrer Kitteltasche. Auf keinen Fall dürfte ihr Mann das Gerät finden. Die Zeit seid Nadja wieder weg war, war eine Katastrophe. Ständig war er gewalttätig gegen alle verbliebenen Familienmitglieder. Der Postbote klingelte. "Ein Einschreiben.", verlangte er knapp. Es war die Gerichtspost. Sie hatte die Scheidung eingereicht und nun kamen die Papiere. Sie unterzeichnete auf der Liste des Postboten und versteckte die Papiere im Schlafzimmer zwischen den Bettlaken. Sie würde ihren Mann darauf ansprechen, wenn sie eine andere Wohnung gefunden hatte.

Seufzend machte sie sich dann daran, das Essen zu kochen. Maria würde bald aus der Schule kommen.

Kommentare:

  1. Gute Frau!
    Weg von dem Drecksack. Das wird auch Maria gut tun.
    Es scheint so, als wäre sie stark genug, ihrer Tochter das Glück zu gönnen ohne darunter leiden zu müssen, nicht bei ihr sein zu können. Das finde ich schön.

    Jetzt müsste nur noch mal jemand kommen und Nadjas Papa ordentlich zurecht stutzen, Scheidung hin oder her. *Vampir auf ihn hetz*

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  2. Eine echte Mutti.
    Ich wünsche ihr alles gute für die Scheidung.
    Leider sind solche Kerle in sachen Scheidung nicht gerade gut eingestellt. Hoffentlich nimmt das kein böses ende.

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  3. Hätte sie keinen Bruder könnte man die doch auch auf die Insel einfliegen :P...ist nur die Frage ob Mutti das will :D

    Auf der anderen Seite wird Thorsten da sicher was machen können. Ein Job in Deutschland oder irgendwo anders im Ausland für Mutti und Geschwister. Wird schon gut gehen :)

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  4. den Segen der Mama, das ist toll! Auch wenn die Mama so weit weg ist, ist es doch ein gutes Zeichen, dass sie hinter Nadja steht und das sie sich freut! C.H.

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