Samstag, 29. Mai 2010

Hormonhaushalt

Dies ist eine Fortsetzungsgeschichte. Für eine Inhaltsübersicht zu bisherigen Inhalten schaut doch bitte hier: Übersicht Nadja

Der Boden in der Krankenstation war kühl. Nadja erinnerte sich mit etwas Unbehagen an ihren ersten Besuch hier. Dann klopften die beiden Mädchen an die Türe zum Arztzimmer. "Nur Herein.", kam es freundlich von drinnen.

Dr. Steiner saß hinter seinem Schreibtisch und tippte am Computer. "Hallo ihr beiden.", sagte er fröhlich und beendete seine Arbeit. "Was kann ich denn für euch tun?"

Seine Frage war eigentlich überflüssig. Auch ihm war natürlich nicht entgangen, dass Gäste auf der Insel gewesen waren. Und regelmäßig kamen die jüngeren Mädchen nach den Besuchen leicht panisch zu ihm um sich über die Folgen ihrer Liebschaften zu informieren. Nicht selten erwuchsen diese Gespräche zu einem vollständigen Aufklärungsuntericht.

Jurina schob Nadja in den Raum. "Hallo Herr Doktor.", sagte sie unbeschwert. Nadja rang sich ebenfalls ein "Hallo.", ab. Unsicher schaute sie über den Schreibtisch aber der bärtige Mann lächelte nur weiter freundlich. "Setzt euch doch erstmal." Er stand auf und schüttelte beiden die Hand. Während sie auf den Stühlen Platz nahmen, ging er an den Aktenschrank. "Jetzt muss ich aber mal scharf überlegen.", sagte er rätselnd vor den Schubladen. "Nadja und Jurina. Nicht wahr?", triumphierte er dann und zog die Akten der Mädchen heraus. "Genau richtig.", bestätigte Jurina beeindruckt und wartete, bis der Mann sich setzte.

"Also. Was kann ich für euch tun?", hakte er nun nochmal nach. "So richtig krank seht ihr nicht aus." Nadja brachte kein Wort über die Lippen. Sie wollte im Boden versinken. Und wenn Jurina nicht gewesen wäre hätte sie kehrt gemacht und wäre einfach wieder gegangen. Vorsichtig tastete sie nach der Hand ihrer Freundin und umschloss sie fest. Jurina erwiederte den Druck und warf ihr einen lieben Blick zu. "Also wir könnten vielleicht schwanger sein und da wollten wir sie mal um Rat fragen.", platzte Jurina dann mit der Wahrheit heraus.

Hatte Nadja eben noch gedacht der Gipfel der Peinlichkeit sei erreicht, so hoffte sie nun erst recht, die Erde möge sich auftun und sie verschlingen. Aber den Gefallen tat sie ihr nicht. Von Jurinas Hand gehalten, saß sie gefangen auf diesem Stuhl. "Eine Schwangerschaft lässt sich erst nach einer guten Woche feststellen. Genauer nach etwa neun Tagen.", ließ Dr. Steiner dann erstmal heraus. Nadja schnaufte und ein Seufzer entfuhr ihr. Der Arzt hatte verstanden. Zumindest Nadja wollte also keineswegs schwanger werden. Dafür hatte er vollstes Verständnis. Nadja war auch eigentlich noch viel zu jung für ein Kind. Sogar auf Arramoa. "Aber ich glaube nicht, dass eine von euch schwanger ist.", fügte er schnell an als er das Aufseufzen hörte.

"Aber wir hatten was mit Männern.", gab Nadja völlig verwirrt zu. "Das mag ja sein. Aber der weibliche Hormonhaushalt ist eine komplizierte Sache. Und die Periode keineswegs so simpel, wie man sich das vorstellt. Und ihr habt schwere Zeiten durchgemacht. In euren letzten Blutbildern war da noch einiges durcheinander gewürfelt. Es würde mich arg wundern, wenn sich das in den paar Wochen schon soweit normalisiert haben sollte, dass eine Schwangerschaft möglich ist." "Oh!", machten Jurina und Nadja gleichzeitig. Die eine etwas enttäuscht. Die andere sichtlich erleichtert.

"Aber wir können gern auf Nummer sicher gehen. Sollte tatsächlich eine Empfängnis stattgefunden haben. Denn mehr ist bisher auf keinen Fall passiert, können wir dafür sorgen, dass es nicht zur Schwangerschaft kommt." Jetzt war Nadja interessiert. Für den Arzt schien dies überhaupt nichts Schlimmes zu sein. Er lächelte weiterhin und was er sagte klang vielversprechend. "Und wie?", wollte Nadja dann wissen.

"Es gäbe die 'Pille danach'", erklärte Dr. Steiner und lehnte sich zurück. "Die leitet durch eine Hormondosis quasi sofort die Periode ein. Das beendet eine mögliche Schwangerschaft dann. Aber ich halte nicht viel davon euch jetzt schon wieder mit Hormonpräparaten voll zu stopfen. Ich würde eine Spirale einsetzen. Das dauert nur ein paar Minuten. Wir können es sofort machen und damit wird die Schwangerschaft auch sicher verhindert."

"Tut das weh?", wollte Nadja wissen und sah ihn unsicher an. 'Spirale einsetzen', klang wenig vertrauenerweckend. Sie hätte lieber ein paar Tabletten geschluckt. Aber das schien Dr. Steiner ja nicht zu bevorzugen.

Seufzend holte der Arzt seine Schautafel über die Verhütungsmethoden hervor und begann seine übliche Lehrstunde.

Kommentare:

  1. Es lebe die Medizin!

    Uih, und Joe macht vielleicht den Fehler und fragt nach der möglichen Schwangerschaft. Was ist denn, wenn er erfährt, dass sie gerade noch eine mögliche Schwangerschaft verhindert hat und er gern ein Kind gewollt hätte? Ich hoffe mal nicht, dass dem so ist. Dann wäre er vielleicht beleidigt, nicht gefragt worden zu sein. Schon wieder Komplikationen... muss nicht sein. Oder?

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  2. Hoffentlich sagt joe nichts falschen zu Nadja nicht dass sie denkt Joe will kein Kind mit IHR

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